
Karl-Lehr-Brücke: So wird eine Brücke um 34 Meter verschoben
Die Karl-Lehr-Brücke wird ab dem 17. April für sieben Wochen voll gesperrt, denn sie muss um 34 Meter verschoben werden. Wie das funktioniert, hat uns Projektleiter Arthur Brakowski erklärt.
Veröffentlicht: Freitag, 30.01.2026 04:32
Ab dem 17. April 2026 wird die Karl-Lehr-Brücke für sieben Wochen komplett gesperrt. Grund ist ein spektakulärer Umbau: Die Brücke wird aus ihrer provisorischen Lage um rund 34 Meter in ihre endgültige Position verschoben.
Querverschub als Kernstück der Bauarbeiten
Im Zentrum der Bauarbeiten steht der sogenannte Querverschub - ein innovatives Bauverfahren, bei dem eine neue Brücke parallel zur alten Position gefertigt und nach deren Abbruch seitlich in die endgültige Lage geschoben wird, oft inklusive Pfeilern und Fundamenten. Dabei wird die Brücke auf Verschubschlitten gesetzt, dann wird die Brücke von einem Ende mittels Pressen Stück für Stück zur Seite geschoben. „Der eigentliche Verschiebevorgang dauert nur etwa acht Stunden“, so Arthur Brakowski, Projektleiter bei den Wirtschaftsbetrieben Duisburg.
Warum die Sperrung so lange dauert
Für Autofahrer bedeutet die Vollsperrung ab Mitte April sieben Wochen Umleitung, für die Straßenbahn 901 sogar 12 Wochen Unterbrechung. Brakowski erklärt den Grund: „Der Querverschub selbst ist schnell erledigt. Aber damit die Brücke überhaupt in Bewegung gesetzt werden kann, müssen Fahrleitungen der Straßenbahn zurückgebaut, Übergangskonstruktionen entfernt und die Brücke vom Land getrennt werden.“ Besonders knifflig ist der Bereich am Kaiserhafen auf Höhe des Zollamts: Hier treffen alte und neue Straßenflächen aufeinander und überschneiden sich. „Während die alten Flächen zurückgebaut werden, müssen die neuen hergestellt werden, damit alles schnell wieder in Betrieb gehen kann. Und erst wenn das fertig ist, dann können die Gleisbauer mit ihrer Arbeit starten – deshalb dauert es an dieser Stelle für die 901 auch etwas länger“, erklärt Brakowski.
Falls es zu Verzögerungen kommen sollte, gibt es einen Plan B: Der Individualverkehr könnte kurzfristig über den Hafen umgeleitet werden. Laut Brakowski sollten die sieben Wochen allerdings ausreichen, um den Verkehr danach wieder freizugeben.
Millimetergenaue Präzision
Die Karl-Lehr-Brücke muss bei ihrem Umzug auf den Millimeter genau auf der neuen Unterkonstruktion aufliegen. „Wir können seitlich maximal einen Zentimeter mit Asphalt- oder Betonarbeiten ausgleichen. Höhentoleranzen gibt es keine, die Brücke muss genau auf derselben Höhe landen, auf der sie sein soll“, so Brakowski.
Blick in die Zukunft
Die Baustelle rund um die Brücke soll bis Oktober endgültig aufgehoben sein. Danach geht es an den Kaßlerfelder Kreisverkehr. Der wird zu einer Kreuzung umgebaut. Das soll dann bis Ende 2028 dauern.