Sie sind hier: Duisburg / Archiv / Stadtwerketurm
 

Stadtwerketurm

Für viele von uns ist er mehr als ein Turm. Wir sehen ihn von Weitem, wenn wir abends nach Hause kommen oder nachts aus dem Urlaub. Der Eine oder Andere sieht ihn sogar aus seinem Fenster oder vom Balkon aus und für viele ist er DAS Wahrzeichen der Stadt. Der Stadtwerketurm! Aber wie lange steht er noch in Duisburg?

Fakten und Geschichte

1966/67 wurde er erbaut. Seit dem steht der Stadtwerketurm in Duisburg, zeitgleich mit dem Kraftwerk HKW II/B. Mit drei Schornsteinröhren, alle drei Meter Durchmesser. Bis letztes Jahr kamen bis zu zwei Millionen Kubikmeter Abgase und das pro Stunde. Weil aber immer mehr Kraftwerke vom Netz genommen wurden, war auch der große, 180 Meter hohe Turm nicht mehr wirtschaftlich.

180 Meter, bis zu 70 km

Bis zu 70 km kann man von dort oben, bei gutem Wetter gucken. Das heißt, der Kölner Dom erscheint als kleiner, grauer Fleck am Horizont. Früher durften auch regelmäßig Besucher in schwindelerregende Höhe. Ab 2010 war damit aber auch schon Schluss, weil die Plattform die Sicherheitsbedingungen nicht mehr erfüllt.

50 x 250 Watt

Nachts glüht der Turm so schön in grün mit 50 Birnen a 250 Watt. Man mag sich nicht vorstellen, was das in unseren Wohnungen machen würde. Aber er kann auch anders, zum Beispiel blau! Zu besonderen Anlässen lässt sich nämlich die Farbe ändern. Auch wenn es schon etwas her ist, nach dem letzten Aufstieg des MSV in die Bundesliga war der Turm blau statt grün.

Nicht der Größte

Der Höchste ist der Stadtwerketurm aber nicht. In Hochfeld gibt es den Kamin der Recyclingwerke. Und der ist sogar 250 Meter hoch. Auch in Schwelgern, die ThyssenKrupp Stahlwerk Kamine sind ebenfalls 50 Meter höher. Aber der höchste Turm in Duisburg steht in Walsum. Der Kamin des Kohlekraftwerks überragt alle anderen Türme in Duisburg. Stolze 300 Meter ist der hoch... Also 100 Meter höher als der beliebte, grüne Stadtwerketurm.

Der Stadtwerketurm als Denkmal?
Foto: Kara - fotolia
Foto: Kara - fotolia

März 2013 Der Streit um den Stadtwerketurm könnte noch was länger dauern. Während die Stadtwerke prüfen, wie sie den Turm am besten zurückbauen könnten, hat auch die Denkmalschutzbehörde geprüft. Das Gutachten vom Amt für Denkmalpflege im Rheinland liegt seit November vor. Darin steht, der Stadtwerketurm sei ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte. Deswegen wurde er jetzt vorläufig in die Denkmalliste der Stadt Duisburg eingetragen.

Faktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die jetzt geprüft werden müssen. Zum Beispiel die Bedeutung für die Duisburger Stadtgeschichte. Immerhin ist der Turm ein Zeichen für die mehr als 100-jährige Kraftwerksgeschichte in Hochfeld und er ist auch ein Dokument für den Konflikt, vor dem man in den 60er Jahren stand. 

Energieversorgung für alle

Damals mussten alle Leute mit Energie versorgt werden. Andererseits stand der Turm in einem dicht besiedelten Wohngebiet. Deswegen ist er auch so hoch: Einfach, damit die Abgase das Leben der Menschen auf der Straße nicht allzu sehr beeinträchtigen würden. Nach einem Gutachten des Amts für Denkmalpflege ist diese geschichtliche Bedeutung ein ganz entscheidender Punkt in dem Verfahren.

Bedeutung für die Kunstwissenschaft

 

Auch die Architektur- bzw. Kunstwissenschaftler könnten ein Interesse daran haben, dass der Turm stehen bleibt. Denn er wurde mit einer besonderen Form der Schalungstechnik errichtet, der sogenannten Gleitschalung. Mittlerweile ist dieses Verfahren zwar üblich - bei turmartigen Gebäuden, aber auch bei Brücken oder Tunneln. Aber damals, in den 60er Jahren war das - zumindest hier in Europa - einmalig. Und somit ist der Stadtwerketurm ein wichtiges Dokument für die bautechnische Entwicklung in Europa.

 

Eine Entscheidung wird es vermutlich erst im Herbst 2013 geben.

 

Hoffnung: Denkmalschutz

Oktober 2012 Findige Duisburger sind auf die Idee gekommen, den Denkmalschutz zu aktivieren. Denkmalschutz ist Landesrecht und wird in Nordrhein-Westfalen GROSS geschrieben. Die Denkmalschutzbehörde in NRW legt fest, welche Gebäude in die Denkmalliste eingetragen werden und dann unter Schutz gestellt sind. Inzwischen gibt es mehr als 76.000 Baudenkmäler in NRW.

Gesetzlicher Denkmalbegriff

  • „Denkmäler sind Sachen an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht" (§ 2 Abs. 1 Satz 1 DSchG).

Diese Umschreibung wird im Gesetz im Einzelnen erläutert: Ein öffentliches Interesse besteht, wenn die Sachen bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen.

Rechtssprechung

Die Rechtssprechung hat diesen Begriff dahin interpretiert, dass es sich um Objekte handeln muss, die in besonderer Weise Ausdruck der Entwicklung von Land und Leuten sind, wozu auch Sachen von nur örtlicher Bedeutung gehören können. Wesentlich ist, dass die Sache einen nicht unerheblichen Dokumentationswert für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse hat. Dabei reicht ein sinnfällig werdender Bezug aus, der die Sache von anderen abhebt.

Auswirkungen

Nach diesen Richtlinien wird jetzt der Stadtwerketurm geprüft. Dabei gibt es keinen Spielraum, bzw. eine Interessenabwägung. Jetzt heißt nur „Denkmal: ja oder nein". Was sich durch den Denkmalschutz ändert sind die Zuständigkeiten. Ohne Denkmalschutz sind die Stadtwerke/DVV/Stadt alleine für den Abriss zuständig. Mit Denkmalschutz muss das zuständige NRW Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr über die Ausnahmeregelungen, d. h. eine Abrisserlaubnis, beschließen. Die Frage, Denkmal ja/nein, hat jetzt das Fachamt für Denkmalschutzpflege des Landschaftsverbandes Rheinland zu klären. Es gibt bereits Heizkraftwerke einschließlich ihrer Kamine, die im Rheinland unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Stadtwerke

Erst im zweiten Schritt können Eigentümer eine Abwägung verlangen: Denkmalschutz gegen wirtschaftliche Interessen, gegen künftige Nutzung, und auch gegen Finanzierung. So oder so ist der Abriss schon mal verschoben worden. Dass der Abriss von 2013 auf 2014 verschoben wurde, lag an den schlechten Finanzen der Stadt, der DVV und der Stadtwerke.

Alle Denkmäler in Duisburg findet man auch online.

Abrisserklärung der Stadtwerke

 

Januar 2012 Die Stadtwerke haben nun eine Internetseite freigeschaltet. Dort wird erklärt, warum der Stadtwerketurm abgerissen werden soll. Die Gründe sind sehr rational: Benötigt wird er nicht mehr und der Erhalt würde Millionen kosten.

Auf der Internetseite findet man die Geschichte und Bedeutung des Turms und das Unternehmen versucht allen Duisburgern nähern zu bringen, warum sich der Konzern trotzdem zum Abriss entschieden hat. Hauptfaktor ist das Geld. Nach der Stilllegung des Heizkraftwerkes müssten jährlich rund 200.000 Euro investiert werden um den Turm zu erhalten. Dazu müssten vier Millionen sofort aufgebracht werden.  

 

 

Stadtwerketurm hat ausgedient

September 2011 Es ist das große Thema hier in der Stadt: Der Stadwerketurm wird ab dem kommenden Jahr nicht mehr gebraucht, weil das zugehörige Kraftwerk stillgelegt wird. Die große Frage ist jetzt: Abreißen oder in einen reinen Aussichtsturm umwandeln? Für den Abriss spricht, dass die Erhaltung rund eine Million Euro pro Jahr kosten würde. Aber er ist nun mal eines der Wahrzeichen von Duisburg.

Logische Fakten

Die Begründung ist eigentlich logisch: Der 200 Meter hohe Turm, der nachts so herrlich grün über Duisburg in den Himmel ragt, gehört zu einem Heizkraftwerksblock in Hochfeld. Der Block soll am Ende des Jahres abgeschaltet und dann abgebaut werden, weil er zu viele Abgase in die Luft bläst. Das würde bedeuten, dass auch der Stadtwerketurm aus rein technischer Sicht nicht mehr gebraucht wird, und vielleicht auch wegkommt.

Viel Emotion

Es heißt unheimlich oft, der Turm ist "ein Symbol für Duisburg", oder "das Herz Duisburgs". Und viele sagen: Wenn ich von irgendwoher nach Duisburg zurückkomme, und von der Autobahn aus den Stadtwerketurm sehe, dann weiß ich - ich bin zuhause.

Facebook-Gruppe

Es hat sich auch schon eine Facebook-Gruppe zur Rettung des Turms gegründet. Die Mitgliederzahl ist aber bisher überschaubar. So oder so: Die Entscheidung, ob der Turm wirklich abgerissen wird, ist noch längst nicht gefallen.

 


Weitersagen und kommentieren