
Einmal kurz hinschauen reicht bei dem berühmten Bildhauer Anish Kapoor nicht. Wer seine Werke im Lehmbruck Museum in Duisburg sieht, entdeckt mit fast jedem Schritt etwas Neues: Spiegelbilder kippen, Räume wirken plötzlich tiefer, Oberflächen verändern sich. „Anish Kapoor zeigt uns, dass nichts so ist, wie wir es glauben“, sagt Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla über den Künstler. Seine Arbeiten laden nicht nur zum Anschauen ein, sondern auch dazu, sich im Raum zu bewegen und die Kunst aus verschiedenen Blickwinkeln zu erleben. Kein Wunder also, dass aktuell viele Menschen extra dafür ins Lehmbruck Museum kommen: „Wir haben dreimal so viele Besucher wie normalerweise“, so Dinkla.
Diese Werke bleiben besonders im Kopf
Als besonders spektakulär beschreibt Dinkla die Arbeit „Double-S-Curve“. Die rund 15 Meter lange Skulptur spiegelt die Besucher nicht einfach nur, sondern verzerrt ihre Bilder auf ungewohnte Weise. Menschen wirken darin plötzlich kleiner, größer, breiter oder auf den Kopf gestellt. Auch die Arbeiten mit der Farbe Vantablack dürften viele Besucher überraschen. Die Farbe wurde ursprünglich für die Militärindustrie entwickelt. „Sie absorbiert zu 98,9 % das Licht. Das heißt, wenn man einen Gegenstand sieht, verschwindet er sozusagen vor dem eigenen Auge. Und in unserer Ausstellung zeigen wir zwei Arbeiten, die wir zunächst für Flächen halten. Also wir könnten in einiger Entfernung schwören, dass es sich dabei um Flächen handelt. Und wenn wir näher gehen und um diese Flächen herum, stellen wir fest, es sind eigentlich dreidimensionale Objekte“, erklärt Dinkla. Noch bis zum 18.Oktober können Besucher sich die Anish Kapoor Ausstellung noch im Lehmbruck Museum anschauen.
Ein Museum mit besonderer Duisburger Geschichte
Neben wechselnden Ausstellungen ist im Lehmbruck Museum ein Künstler immer präsent: Wilhelm Lehmbruck. Der Bildhauer wurde 1881 als Bergarbeiterkind in Meiderich geboren. Berühmt wurde er vor allem mit seiner Skulptur „Die Kniende“, mit der er schon früh auch international Aufmerksamkeit bekam. In der Ausstellung steht außerdem die „Große Stehende“, die viele auch als die „Duisburgerin“ kennen. Diesen Spitznamen trägt sie deshalb, weil sie das einzige Werk von Lehmbruck ist, das noch zu seinen Lebzeiten für Duisburg erworben wurde. „Nach Wilhelm Lehmbrucks frühem Tod hat seine Familie alles daran gesetzt, dass in Duisburg, in seiner Heimatstadt, ein Museum errichtet wird. Und das ist dann auch passiert in den 50er Jahren“, erzählt Dinkla. Besonders ist auch die Geschichte des Gebäudes selbst: Das Museum für die Werke des wohl bekanntesten Duisburger Künstlers wurde von Lehmbrucks Sohn Manfred entworfen.
Lehmbruck Museum in Kürze
Wo? Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 12 bis 17 Uhr Samstag und Sonntag: 11 bis 17 Uhr Montag: geschlossen
Eintritt: Regulär 9 Euro, ermäßigt 5 Euro Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: frei
Hinweis: Jeden ersten Freitag im Monat gilt im Museum das Prinzip „Pay What You Want“.
