
Tödlicher Unfall in Dinslaken: Ermittler gehen von Herzstillstand der Fahrerin aus1
Nach dem tödlichen Unfall in Dinslaken mit zwei toten Schülern gehen die Ermittler von einer medizinischen Ursache aus: Ein implantiertes Gerät der Autofahrerin soll einen 16-sekündigen Herzstillstand aufgezeichnet haben. Nun rücken auch Fragen zur Fahrtauglichkeit der 47-Jährigen in den Fokus.
Veröffentlicht: Freitag, 29.05.2026 10:52
Nach dem schweren Unfall in Dinslaken, bei dem zwei zwölfjährige Schüler ums Leben kamen, verdichten sich die Hinweise auf eine medizinische Ursache. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen soll die Autofahrerin unmittelbar vor dem Zusammenstoß einen 16-sekündigen Herzstillstand erlitten haben.
Implantiertes Gerät liefert entscheidende Hinweise
Laut dpa-Informationen aus Polizeikreisen konnten die Ermittler diese Erkenntnis durch die Auswertung eines implantierten Ereignisrekorders gewinnen. Das medizinische Gerät überwacht kontinuierlich die Herzaktivität der Trägerin und zeichnete demnach den Herzstillstand auf. Die Polizei geht aktuell davon aus, dass dieser Vorfall ursächlich für den Unfall war.
Die Staatsanwaltschaft Duisburg wollte sich zu den konkreten Erkenntnissen am Freitag zunächst nicht äußern.
Bereits im Vorjahr Unfall nach Ohnmachtsanfall
Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, hatte die 47-jährige Fahrerin bereits im Mai des vergangenen Jahres wegen eines plötzlichen Ohnmachtsanfalls am Steuer einen Unfall verursacht. In der Folge sei ihr der Ereignisrekorder eingesetzt worden, um mögliche weitere Herzprobleme zu überwachen.
Der aktuelle Fall wirft nun erneut Fragen auf, ob die Frau weiterhin fahrgeeignet war und ob der tragische Unfall hätte verhindert werden können.
Zwei Schüler sterben, ein Junge leicht verletzt
Der Unfall ereignete sich am Mittwochmorgen kurz vor Schulbeginn. Die 47-Jährige fuhr mit ihrem Auto in eine Gruppe von drei zwölfjährigen Jungen, die auf Fahrrädern auf dem Weg zum Otto-Hahn-Gymnasium in Dinslaken waren.
Zwei der Jungen erlitten dabei so schwere Verletzungen, dass sie später im Krankenhaus starben. Der dritte Schüler wurde nur leicht verletzt und musste nicht stationär behandelt werden.
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
Gegen die Autofahrerin wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie es zu dem Unfall kommen konnte und ob die Frau trotz ihrer medizinischen Vorgeschichte weiterhin ein Fahrzeug hätte führen dürfen.
Führerscheinstelle sah keine Grundlage für Auflagen
Nach Angaben der zuständigen Führerscheinstelle beim Kreis Wesel durfte die 47-Jährige weiterhin ohne Auflagen Auto fahren. Eine Sprecherin erklärte, nach abschließender Prüfung der erforderlichen medizinischen Unterlagen habe keine rechtliche Grundlage für den Entzug der Fahrerlaubnis oder für Auflagen bestanden.
Damit steht nun auch die behördliche Bewertung der Fahrtauglichkeit im Fokus der öffentlichen Diskussion.
Tragödie mit vielen offenen Fragen
Der Unfall in Dinslaken hat große Bestürzung ausgelöst. Während die Ermittlungen weiterlaufen, bleibt vor allem die Frage, ob die medizinische Vorgeschichte der Fahrerin eine andere Entscheidung hinsichtlich ihrer Fahrerlaubnis hätte nahelegen müssen. Für die Familien der Opfer aber kommt jede Aufklärung zu spät.
