
Spatenstich für Berliner Brücke in Duisburg – Stadtspitze bleibt Festakt fern
In Duisburg fand heute der symbolische Spatenstich für den Neubau der maroden Berliner Brücke an der A59 statt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) war für den Festakt angereist. Doch die Stadtspitze und etwa 50 Ratsleute blieben dem Termin demonstrativ fern – die Details.
Veröffentlicht: Montag, 04.05.2026 15:42
Zwei Stunden vor dem offiziellen Spatenstich organisierte die Stadt eine Gegen-Pressekonferenz am Meidericher Stadtpark. Im Januar begannen dort die Vorbereitungen für den Brückenneubau, ein rund 50 Meter breiter Streifen des Stadtparks musste weichen, der Rosengarten eingeschlossen.
Oberbürgermeister Sören Link sprach vor über 120 Anwesenden von einem "verkehrspolitischen Offenbarungseid". Die Autobahn GmbH und das Bundesverkehrsministerium würden "bewusst die Lebensrealität der Menschen im Duisburger Norden ignorieren", kritisierte Link.
Der Streitpunkt: Während die Stadt den schnellen Ersatzneubau der Berliner Brücke über das Hafengebiet ausdrücklich begrüßt, lehnt sie die weitergehenden Ausbaupläne ab. Auf sieben Kilometern soll die bestehende Hochstraße in 16 Metern Höhe auf bis zu neun Fahrstreifen verbreitert werden – fast die doppelte Ausdehnung. Über 30.000 Menschen sind direkt betroffen, die Autobahntrasse rückt so beispielsweise noch näher an viele Häuser heran.
Terminüberschneidung sorgt für Unmut
Die Autobahn GmbH hatte den Festakt exakt auf den Sitzungstermin des Stadtrats gelegt. Link wertete dies als weiteren Beleg für die mangelnde Wertschätzung: "Es zeigt, dass sowohl das Bundesverkehrsministerium als auch die Autobahngesellschaft keinen Wert darauf legt, mit den Bürgern dieser Stadt ernsthaft zu reden." Stadtentwicklungsbeigeordneter Martin Linne kündigte an, eine Klage zu prüfen, falls der Bund nicht von seinen Plänen abrücke. Eine solche Klage könnte den Bau um Jahre verzögern.
200 Demonstranten protestieren gegen Ausbau
Bereits eine Dreiviertelstunde vor dem Spatenstich versammelten sich rund 200 Protestierende vor dem Gelände. Mit Rasseln, Trommeln und Fanfaren demonstrierten sie gegen die geplante Erweiterung der A59 in Meiderich, Hamborn und Marxloh. Peter Dahmen, erster Vorsitzender des Bürgervereins Meiderich, konnte vor dem Spatenstich mit Minister Schnieder sprechen. Der Minister hörte sich die Argumente an, beharrte aber auf seiner Position, dass die Hochtrasse die richtige Lösung sei. Er versicherte Dahmen, sich die eingereichten Unterlagen nochmal anzuschauen. Generell war Peter Dahmen aber vom Auftreten der Beteiligten des Bürgervereins zufrieden.
Die Planfeststellungsbehörde soll bis Ende des Jahres eine Entscheidung treffen. Schnieder betonte, dass alle Argumente "in einem ordentlichen, vernünftigen Verfahren" abgearbeitet würden – dabei gehe es um Emissionen, aber auch um Wirtschaftlichkeit und die Einhaltung von Gesetzen.

