Rod Stewart: Ein Ritter blickt in den Rückspiegel

Rod Stewart
© WMG (dpa)

Veredelte Hits

Berlin (dpa) - Wer sich kaum noch an originäre, selbstgeschriebene Hits von Rod Stewart erinnern kann, leidet nicht unter Gedächtnisschwund. Denn es gab seit langer Zeit keine mehr.

Der Brite mit der Reibeisenstimme und der Strubbelfrisur, 2016 zum Ritter geschlagen und seither «Sir Rod», hat es sich als Songwriter recht bequem gemacht. An diesem Eindruck ändert auch seine neue Veröffentlichung nichts - obwohl die Greatest-Hits-Sammlung «You're In My Heart» durchaus ihre Qualitäten hat.

Die 15 beziehungsweise in der 2-CD-Ausgabe 22 Stücke präsentieren überwiegend «die zu Klassikern gewordenen Vocals mit brandneuen Arrangements des Royal Philharmonic Orchestra», wirbt das Label Rhino/Warner. Der fast 75-Jährige, seit nunmehr fünf Dekaden als Solokünstler im Geschäft und einer der bestverkaufenden Popstars überhaupt, hat die Lieder also nicht neu eingesungen.

«Mit diesem Album hatte ich kaum etwas zu tun. Es sind die Originalsongs, veredelt durch das Royal Philharmonic Orchestra. Es wurde alles für mich gemacht - von meinem Produzenten-Freund Trevor Horn», sagt Stewart im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Aber immerhin: «Ich mache Werbung für die Platte. Das ist mein Beitrag dazu.»

Der sinfonische Zuckerguss passt ganz gut zu Balladen wie «Sailing» oder «I Don't Want To Talk About It». Und natürlich ist Stewarts noch junge Stimme fantastisch - in dem empathischen, früh gegen Schwulenhass zu Felde ziehenden Protestsong «The Killing Of Georgie» von 1976 sogar tief berührend. Aber man hätte schon gern gehört, was er mit seinem fragileren, reifen Gesang von heute aus den legendären Vorlagen macht.

«Die Streicher geben den Liedern eine andere Farbe. Wenn das Orchester loslegt, stimmt mich das richtig sentimental», sagt Stewart im dpa-Interview. Dass er ein sympathischer Gefühlsmensch ist, stellte der Schottland-Unterstützer und Modelleisenbahn-Fan in den vergangenen 20 Jahren immer wieder unter Beweis.

Etwa mit fünf Cover-Alben zum «Great American Songbook» zwischen 2002 und 2010 - damit war er kommerziell enorm erfolgreich und gewann 2004 endlich auch den hochverdienten Grammy. Hinzu kamen das Weihnachtsalbum «Merry Christmas, Baby», eine Rockklassiker-Sammlung und eine Soul-Hommage.

Das Risiko eigener neuer Lieder mied der dreimal verheiratete achtfache Vater Rod Stewart seit den 90ern jedoch weitestgehend - auch wenn es mit «Time» (2013) und «Another Country» (2015) halbwegs gelungene Versuche gab. Dabei konnte er doch einst grandiose Lieder schreiben, wie seine Solo-Klassiker von «An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down» (1969) bis «Atlantic Crossing» (1975) beweisen.

Im Vergleich zu den überwiegend eigenständigen, oft sehr starken Spätwerken von Alterskollegen wie Bob Dylan, Neil Young, Bruce Springsteen, Van Morrison oder Leonard Cohen fällt der gebürtige Londoner als Songwriter nun jedoch klar ab.

Neben den alten Hits in sinfonisch aufgerüschten Versionen enthält die Rod-Stewart-Kompilation aber zwei zusätzliche Anreize: Der Simon-Climie-Song «Stop Loving You Today» ist eine gediegene Schnulze mit viel Orchester- und Chor-Sirup, die dem Gesamtwerk nichts Neues hinzufügt (um es diplomatisch auszudrücken). Und im Soul-Oldie «It Takes Two» singt Stewart zusammen mit Robbie Williams.

Wie es zu diesem Duett kam? «Er hat so lange rumgenervt, bis ich Ja gesagt habe», erzählt Stewart augenzwinkernd über den jüngeren Star. «Das ist der alte Song von Marvin Gaye und Kim Weston, den ich schon mal 1990 mit Tina Turner aufgenommen hatte.» Nichts Neues also auch hier.

Nun darf man gespannt sein, ob der Britpop-Veteran das Versprechen wahr macht, eine Country-Platte aufzunehmen. Seine Begründung: «Country-Songs sind quasi meine zweite Natur.» Dabei mag helfen, dass Stewart regelmäßig in den USA auftritt - mit einem Las-Vegas-Programm, das «noch einige Jahre» laufen soll. «Ich bin jetzt bei Show Nummer 157.»

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