
Auf dem historischen Gut Haniel in Homberg entsteht neuer Wohnraum mit besonderem Flair. Die Sanierung der ehemaligen Hofanlage der Unternehmerfamilie Haniel hat bereits begonnen – im Spätsommer 2026 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
10-Millionen-Projekt vereint Geschichte und modernes Wohnen
Der Projektentwickler renaissance Immobilien und Beteiligungen AG aus Wuppertal/Krefeld verwandelt den Südflügel der dreiflügeligen Anlage an der Baumstraße 16 f-h in attraktiven Wohnraum. Dabei steht der Erhalt des historischen Erbes im Mittelpunkt: Die denkmalgeschützte ehemalige Remise wird behutsam saniert und für die Zukunft bewahrt. In dem fast 200 Jahre alten Gebäude entstehen 15 Mietwohnungen zwischen 60 und 125 Quadratmetern. Terrassen und Balkone sorgen für natürlichen Lichteinfall und Frischluft. Besonders Familien mit Kindern dürften sich von dem Wohnkonzept angesprochen fühlen. Nach der umfangreichen energetischen Sanierung wird das historische Gebäude nahezu die Energieeffizienz eines Neubaus erreichen. "Ein rund 100-jähriger Grundsatz gilt heute noch - Wie Du wohnst, lebst Du! Das wollen wir hier in Duisburg auch wieder umsetzen", erklärt Christian Baierl, Vorstand der renaissance Immobilien und Beteiligungen AG.
Gut Haniel: Teil der Ruhrgebiets-Geschichte
Die Geschichte von Gut Haniel ist eng mit einer der erfolgreichsten Unternehmerfamilien des Ruhrgebiets verbunden. Johannes Franziscus "Franz" Haniel gründete 1756 die Franz Haniel & Cie. GmbH, die bis heute in Familienbesitz ist und in Duisburg-Ruhrort ansässig bleibt. Im Jahr 2024 beschäftigte die Haniel-Gruppe rund 21.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von über 4,2 Milliarden Euro. Den erhaltenen Gutshof ließ Franz Haniel zwischen 1836 und 1837 errichten. Bereits 1828 hatte der Geheime Kommerzienrat den Homberger Busch mit einem Holzbestand von 460 Morgen erworben. Sein Ziel: die Kohlenflöze linksrheinisch erreichbar und abbaufähig zu machen.
Pionier der Montanindustrie
Franz Haniel prägte die Industrialisierung des Ruhrgebiets entscheidend mit. 1834 baute er als erster im Ruhrgebiet eine senkrechte Schachtanlage in Essen-Schönebeck und durchdrang die als unüberwindbar geltende Mergelschicht – eine Pionierleistung. 1847 eröffnete er die legendäre Zeche Zollverein in Essen. Zusammen mit seinem Bruder Gerhard und seinem Schwager Gottlob Jacobi erwarb er ab 1805 mehrere Eisenhüttenwerke, darunter die "Gutehoffnung" in Oberhausen-Sterkrade. Daraus entstand die Hüttengewerkschaft "Jacobi, Haniel & Huyssen" (JHH), Vorgänger der späteren Gutehoffnungshütte (GHH), die 1873 bereits 18.000 Mitarbeiter beschäftigte.
Soziales Engagement als Unternehmensphilosophie
Franz Haniel war seiner Zeit voraus: Bereits 1832 gründete er eine Unterstützungs-Casse, um seine Arbeiter bei Unfall oder Krankheit abzusichern. Ab 1844 ließ er Wohnhäuser für die Stammbelegschaft errichten. Für seine Verdienste erhielt Haniel mehrere Auszeichnungen, darunter 1842 und 1864 den preußischen "Roten Adlerorden". Das Königshaus ernannte ihn 1845 zum Kommerzienrat und 1856 zum Geheimen Kommerzienrat. Franz Haniel starb am 24. April 1868 im Alter von 91 Jahren in seinem Geburtshaus, dem "Packhaus" in Ruhrort. Mit der Sanierung des Gut Haniel wird nun ein wichtiges Stück Duisburger Industriegeschichte für kommende Generationen bewahrt – und gleichzeitig dringend benötigter Wohnraum geschaffen.