
Im ersten Quartal 2026 sind 384 Unternehmen zwischen Dortmund und Duisburg insolvent gegangen – 9,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das zeigt der aktuelle „Report Ruhrgebiet" von Creditreform Dortmund und dem Verband der Vereine Creditreform e. V., der am 23. April vorgestellt wurde.
Ausfallrisiko im Ruhrgebiet deutlich über Bundesschnitt
Das Ausfallrisiko – die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls oder einer Insolvenz – liegt im Ruhrgebiet bei 2,64 Prozent. Damit übertrifft die Region sowohl den Bundesschnitt von 1,88 Prozent als auch den NRW-Durchschnitt von 2,16 Prozent deutlich. Die Insolvenzquote im Ruhrgebiet beträgt 1,76 Prozent, während sie in NRW bei 1,34 Prozent liegt. Beide Quoten steigen seit Jahren kontinuierlich an – 2020 lagen sie noch bei 0,70 Prozent (NRW) und 0,98 Prozent (Ruhrgebiet).
Baugewerbe besonders stark betroffen
Besonders massiv ist die Zunahme im Baugewerbe: Die Zahl der Insolvenzen stieg von 63 im ersten Quartal 2025 auf 84 im gleichen Zeitraum 2026 – ein Plus von rund 34 Prozent. Bei Dienstleistungsunternehmen nahmen die Insolvenzen um gut neun Prozent zu, im Handel um fünf Prozent. Entspannung gibt es im verarbeitenden Gewerbe mit einem Rückgang um rund 40 Prozent.
Recklinghausen, Dortmund und Essen führen Insolvenzstatistik an
Regional zeigt sich ein heterogenes Bild: Gelsenkirchen verzeichnete mit einem Plus von 50 Prozent die stärkste Zunahme, gefolgt von Duisburg mit 30 Prozent. Absolut gesehen führen Recklinghausen (65 Fälle), Dortmund (61) und Essen (56) die Statistik im ersten Quartal 2026 an. Die höchsten Ausfallraten weisen Gelsenkirchen (3,74 Prozent), Oberhausen (3,35 Prozent) und Duisburg (3,25 Prozent) auf.
Gewerbeanmeldungen auf Rekordhoch
Trotz der angespannten Lage gibt es positive Signale: 2025 wurden im Ruhrgebiet 36.540 neue Unternehmen gegründet – ein absoluter Spitzenwert. Gleichzeitig sank die Zahl der Gewerbeabmeldungen auf 28.232. Romina Scharf, Syndikusrechtsanwältin bei Creditreform Dortmund, wertet dies als Zeichen wirtschaftlicher Dynamik: „Der Markt bleibt in Bewegung, es handelt sich aktuell nicht um eine bloße Abwärtsbewegung." Für 2026 erwarten die Experten keine deutliche Verschärfung, rechnen aber damit, dass sich die Insolvenzzahlen zunächst auf hohem Niveau stabilisieren werden.