
Duisburg ist in diesem Sommer einer von mehreren Orten der internationalen Kunstbiennale Manifesta im Ruhrgebiet. Die Ausstellung nutzt dafür zwölf ehemalige oder sich stark wandelnde Kirchen in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Bochum. Das Leitmotiv lautet „This is not a church“. Gemeint ist damit: Die Räume sollen vorübergehend nicht nur als frühere Gotteshäuser gesehen werden, sondern als Orte für Begegnung, Austausch und neue Ideen in der Nachbarschaft. Die Manifesta startet am Sonntag, 21. Juni 2026, und läuft bis zum 4. Oktober 2026. Alle Kirchenräume und Veranstaltungen sollen kostenlos zugänglich sein.
Begehbare Orgel als Kunstwerk in Duisburg
In der Liebfrauenkirche in Duisburg ist eine Arbeit des Künstlers Abbas Zahedi zu sehen. Dabei geht es um eine begehbare Orgel, zwischen deren Pfeifen Besucherinnen und Besucher hindurchgehen können. Der Klang soll dadurch nicht nur gehört, sondern direkt erlebt werden. Die Orgelpfeifen stammen aus verschiedenen Teilen Europas und sind teils gebraucht oder beschädigt, aber weiter nutzbar. Die Arbeit greift damit auch das Thema Wandel auf, das viele Projekte der Manifesta verbindet.
Kunst soll Kirchen im Ruhrgebiet neu beleben
Nach Angaben der dpa beteiligen sich insgesamt rund 100 Künstler, Kreative und Kollektive an der Biennale. Viele Werke wurden eigens für die jeweiligen Orte entwickelt. In anderen Städten des Ruhrgebiets entstehen unter anderem Picknicktische aus Kirchenbänken, ein digital umgestalteter Beichtstuhl, ein Teegarten im Kirchgarten oder sogar eine Hüpfburg in Glockenform. Dahinter steckt die Idee, leerstehende Kirchen nicht nur als architektonisches Erbe zu bewahren, sondern neu für die Nachbarschaft zu öffnen. Manifesta-Gründerin Hedwig Fijen sagte, die Menschen wollten nicht nur den Erhalt der Kirchen, sondern ihre Aktivierung.
Duisburg hat Erfahrung mit Kirchen als alternative Veranstaltungsorte
Gerade in Duisburg sind Kirchen immer wieder auch Kulturorte und Orte für öffentliche Begegnung. Das zeigt sich schon daran, dass die Liebfrauenkirche in der Innenstadt zuletzt mehrfach für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt wurde. Die Manifesta passt deshalb gut zu einer Entwicklung, bei der sakrale oder historische Räume zusätzlich kulturell bespielt werden. Für Besucherinnen und Besucher kann das eine neue Perspektive auf bekannte Gebäude in der Stadt eröffnen. Gleichzeitig macht die Ausstellung sichtbar, wie sich Nachbarschaft, Stadtleben und Kultur im Ruhrgebiet verändern.