
Bis zu 88 Kleingärten müssen dem Ausbau der A40 und A59 in Duisburg weichen. Jetzt steht fest: Alle betroffenen Pächter erhalten eine zusätzliche Pauschale von 770 Euro – unabhängig davon, ob sie ihre Parzelle teilweise oder komplett verlieren.
Nebenkostenpauschale als Ausgleich vereinbart
Die Autobahn GmbH hat mit dem Verband der Duisburger Kleingartenvereine eine Nebenkostenpauschale in Höhe von 770 Euro pro betroffenem Pächter ausgehandelt. Das bestätigt Karl-Ernst Steinwerth, Vorsitzender des Verbands. "Die Autobahn GmbH möchte, dass die Parzellen entrümpelt und von Müll befreit werden. Dafür bekommen die Pächter jetzt diese Summe", erklärt Steinwerth. Die Pauschale soll auch darüber hinwegtrösten, dass eine höhere Entschädigung bei der Gartenbewertung nicht möglich ist. Eine Klausel im Generalpachtvertrag zwischen Verband und Stadt verhindert dies: Die Stadt muss nur nach den Richtlinien des Landesverbands Rheinland entschädigen – wie bei einer regulären Wertermittlung.
Deutlich weniger als bei Enteignungsentschädigung
Hätten die Grundsätze der Enteignungsentschädigung nach dem Bundeskleingartengesetz gegriffen, wären die Beträge höher ausgefallen. Der bundesweit anerkannte Experte Thomas Bauer geht von mindestens 30 Prozent mehr aus. Bei durchschnittlich 300 bis 400 Quadratmeter großen Parzellen in Duisburg liegt der Wert laut Steinwerth bei 2.500 bis 3.000 Euro. Nach Bauers Kalkulation hätte es also noch einmal 750 bis 900 Euro zusätzlich gegeben. Stattdessen erhalten die Kleingärtner nun die Nebenkostenpauschale von 770 Euro.
KGV Berliner Brücke besonders stark betroffen
Der Kleingartenverein Berliner Brücke trifft es am härtesten: 37 von 56 Parzellen müssen weichen. Auch der KGV Ruhrdeich verliert 22 von 55 Gärten. Die Pächter der betroffenen Vereine Duissern, Ruhrau 2021, Ruhrdeich und Berliner Brücke haben nach den Kündigungen bis zum 30. November 2025 Zeit, ihre Gärten ordnungsgemäß zu räumen. Weil der KGV Ruhrdeich und der KGV Berliner Brücke die Kündigung relativ kurzfristig erhielten, bekommen sie Unterstützung von den Wirtschaftsbetrieben bei der Räumung.
Weitere Vereine ab 2028 betroffen
Im weiteren Verlauf des Autobahnausbaus wird auch der KGV Ruhrperle zahlreiche Kleingärten abgeben müssen. Dort soll es aber erst 2028 oder 2029 soweit sein. Die Baumaßnahmen der Autobahn GmbH beginnen am 1. Januar 2026. Allen betroffenen Kleingärtnern werden laut Verbandsvorsitzendem Steinwerth Ersatzflächen angeboten – entweder innerhalb oder außerhalb des eigenen Vereins. Für viele Pächter, die ihre Parzellen teilweise seit Jahrzehnten gepflegt haben, bleibt dennoch der Verlust ihrer kleinen Gartenparadiese.