
Unverzichtbar, aber ungesehen: Wer hält Duisburg eigentlich am Laufen?
Es gibt Berufe, die sind absolut relevant. Dem einen fällt da vielleicht direkt die Feuerwehr ein oder KrankenpflegerInnen. Aber es gibt manche Berufe, die sieht man nicht. Außer man schaut hin.
Die Unterwelt von Duisburg
Im blauen Anzug, ausgestattet mit Helm, Taschenlampe und Gaswarner seilt sich Miro in den Kanal ab. Das Seilt surrt, während er im Boden, im Dunkeln, verschwindet. In der Unterwelt von Duisburg, die Kanalisation. 1500 Kilometer Kanalnetz liegen unter Duisburg. Das ist circa so lang wie die Luftstrecke von hier bis nach Ibiza. Kanäle mit teilweise drei bis vier Metern Durchmesser: Das alles liegt verborgen direkt unter unseren Füßen.
"Das macht einfach Spaß. Man lernt die Unterwelt von Duisburg kennen. Für mich ist das mittlerweile ganz normal, aber am Anfang war es schon sehr gigantisch, wenn man durch einen Kanal läuft, der einen Durchmesser von drei bis vier Metern hat",
sagt Miro. Er ist Kanalarbeiter oder richtig gesagt: Umwelttechnologe für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen.
Eine Arbeit im Verborgenen
36.000 Kanalschächte gibt es in Duisburg. Dass die Kanäle und Rohre frei sind, dafür sorgt Miro mit seinen Kollegen. Würden die Kanäle nicht gereinigt werden, würden Ungeziefer, Gestank und Abwasser aus den Abflüssen hochkommen. Im schlimmsten Fall die Straßen sogar unter Wasser stehen.
"Mitbekommen von dem Beruf tut man ja nichts. Man sieht die Arbeit nicht, die wir machen. Aber die Arbeit ist wichtig. Alle Menschen müssen auf Toilette gehen, Wäsche waschen,.. Wenn keiner [die Kanäle reinigen] würde, würde alles nicht ablaufen",
sagt Matthias, der ebenfalls Umwelttechnologe für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen ist.
Ein Beruf mit viel Technik
Anders als früher findet mittlerweile ein Großteil der Arbeiten oberhalb statt, dank beispielsweise modernster Kameratechnik. Mehr Anerkennung bekommen die Kanalarbeiter trotzdem nicht, sagt Kanalinspekteur Dennis Schliemann:
"Wenn man gefragt wird: Was machst du? Und man sagt halt, man ist Kanalinspekteur, dann ist das erste was gesagt wird: Oh Ratten, Kacke, dreckig. Wenn man den Leuten das aber ein bisschen erklärt und zeigt, dann sieht man, dass da viel mehr auch hinter ist als nur dreckige Kanäle."
Die Fahrzeuge und Kameras sind vor allem technisch anspruchsvoll.
"Besonders ist vor allem, dass der Beruf so abwechslungsreich ist",
sagt Dennis.
Lautes Hupen ist Alltag
Dennis steht auf der Straße und zieht mit einem kräftigen Ruck den Kanaldeckel zur Seite. Wasser spritzt hoch. Der Kanal wird gerade durchgespült, erklärt er. Dadurch soll der Dreck aus dem Rohr rausgespült werden. Der Gestank? Gewöhnungsbedürftig.
"Ich rieche das gar nicht mehr",
lacht Dennis und beugt sich über den Schacht. Mit orange-farbenen Lichtern steht der Kanalwagen auf der Straße. Ein Auto hupt laut. Das passiert öfter, erzählt Matthias, während er Dennis hilft, die Düse aus dem Schacht zu ziehen.
"Wir stehen immer im Weg. Wir müssen ja auch nur unsere Arbeit machen und teilweise liegen die Kanaldeckel mitten auf der Straße. Es passiert zwischendurch, dass die Leute aggressiver werden, mal aussteigen und hupen und uns sagen, wir sollen wegfahren",
sagt Matthias.
Wunsch nach mehr Sichtbarkeit
Kanalinspekteur Dennis Schliemann sagt:
"Ich mache das mittlerweile lang genug und ich versuche trotzdem immer freundlich zu bleiben. Ich versuche zu erklären, dass es nicht anders möglich ist. Wir müssen die Schächte anfahren."
Er uns seine Kollegen wünschen sich: Mehr Sichtbarkeit. Und mehr Verständnis für eine Arbeit, die absolut unverzichtbar ist.

