
Jack the Ripper: Duisburger Richter rollt spektakulären Mordfall neu auf
Ein Duisburger Richter hat ein Jahr lang die Morde von Jack the Ripper untersucht und daraus jetzt einen True-Crime-Thriller gemacht. Thorsten Schleif ist seit 18 Jahren Richter und hat für sein Buch in London Originalunterlagen aus dem Jahr 1888 durchforstet.
Veröffentlicht: Dienstag, 18.11.2025 14:44
137 Jahre nach den grausamen Morden im Londoner Stadtteil Whitechapel hat ein deutscher Jurist den wohl berühmtesten ungeklärten Kriminalfall der Geschichte noch einmal untersucht. Thorsten Schleif, Richter und Autor, verbrachte ein Jahr damit, Originalakten zu sichten, Tatorte zu besuchen und die Frage zu beantworten: Wäre Jack the Ripper heute verurteilbar?
Wenn ein Richter zum Detektiv wird
Die Faszination beginnt in der Kindheit. Mit zehn Jahren sieht Schleif eine Star-Trek-Folge, in der der berüchtigte Serienmörder als "Red Jack" durchs Weltall geistert. Seitdem lässt ihn das Thema nicht mehr los. Ende 2022 stolpert der 18 Jahre erfahrene Jurist über ein Youtube-Video einer Ripper-Tour – und stellt fest: Es gibt noch erstaunlich viele Originalunterlagen aus dem Jahr 1888.
"Die Fragen haben mich als Richter angefixt", erklärt Schleif. Könnte man heute einen Haftbefehl erlassen? Eine Anklage erheben? Vielleicht sogar verurteilen? Aus dieser professionellen Neugier wird ein zwölfmonatiges Rechercheprojekt, das den Autor zwei Mal nach London führt. In Zeitungsarchiven und Museumsbeständen findet er Vernehmungsprotokolle, Obduktionsberichte und Polizeivermerke – ein Schatz an Beweismaterial, der die Jahrhunderte überdauert hat. Auch an der „Ripper-Tour“ nimmt er zweimal teil und läuft die Wege entlang, die auch Jack the Ripper zum Ende des 19. Jahrhunderts gelaufen sein soll.
Zwischen Fakten und Fiktion: Ein True-Crime-Thriller entsteht
Das Ergebnis ist kein trockenes Sachbuch, sondern "Killing Red Jack: Was geschah mit Jack the Ripper?" – ein 352-seitiger Thriller, der historische Präzision mit packender Erzählkunst verbindet. Schleif erschafft ein Ermittlerpaar, das gegensätzlicher kaum sein könnte: Irene Adams, eine Begleitdame der höheren Gesellschaft, und William Berger, ein wortkarger Kriegsveteran und Leibwächter.
Die beiden Protagonisten sind erfunden – alles andere ist akribisch recherchiert. "Der Roman hält sich so präzise wie möglich an alle Fakten, die heute bekannt sind", betont der Autor. Manche Tage seien damals minütlich protokolliert worden. Die Geschichte hätte sich tatsächlich so ereignen können.
Hätte man den Ripper heute gefasst?
Aus juristischer Sicht kommt Schleif zu einem ernüchternden Schluss: Das damalige Beweismaterial hätte für eine Verurteilung nicht ausgereicht. Doch mit modernen Ermittlungsmethoden sähe die Sache anders aus. "Der Ripper hat nicht nur Unmengen an DNA-Material zurückgelassen, sondern wahrscheinlich sogar Fingerabdrücke", erklärt der Richter. Auch die dichte Kameraüberwachung in London würde einem Serienmörder heute das Leben schwer machen.
Allerdings fügt er nachdenklich hinzu: "Wenn man davon ausgeht, dass der Ripper sich auf heutige Standards eingestellt hat, weiß ich nicht, ob man ihn fassen würde." Ein Gedankenspiel, das die Grenzen zwischen historischer Aufarbeitung und moderner Kriminalistik verschwimmen lässt.
Der nächste Cold Case wartet bereits
Die intensive Beschäftigung mit Jack the Ripper hat Schleif auf den Geschmack gebracht. Bereits jetzt arbeitet er am nächsten Fall: den Thames Torso Murders, einer weiteren ungeklärten Mordserie aus dem viktorianischen London. Auch hier wird sein Ermittlerpaar Adams und Berger auf Spurensuche gehen – in einem Fall, der zeitgleich zu den Ripper-Morden geschah und bis heute ungelöst ist.
Für den Duisburger Autor, der bereits vier Bände einer Krimiserie mit dem fiktiven Richter Siggi Buckmann veröffentlicht hat, ist die Verbindung von juristischer Expertise und schriftstellerischem Können die perfekte Kombination. Seine Leser dürfen gespannt sein, welche historischen Rätsel er als Nächstes unter die juristische Lupe nimmt.
Häufig gestellte Fragen zum Thema
Wer war Jack the Ripper wirklich?
Die Identität des Serienmörders, der 1888 mindestens fünf Frauen in Whitechapel tötete, ist bis heute ungeklärt. Es gibt zahlreiche Theorien und Verdächtige, doch keiner konnte jemals zweifelsfrei überführt werden. Selbst der Name "Jack the Ripper" stammt aus einem möglicherweise gefälschten Brief an eine Zeitung. Die Faszination um diesen Fall hält seit über 130 Jahren an und hat unzählige Bücher, Filme und Dokumentationen inspiriert.
Wie authentisch sind die historischen Details in Schleifs Buch?
Thorsten Schleif hat ein Jahr lang recherchiert und dabei Jack the Ripper: Duisburger Richter rollt spektakulären Mordfall neu auf Originalunterlagen aus Archiven und Museen ausgewertet. Vernehmungsprotokolle, Obduktionsberichte und Polizeivermerke bilden die Grundlage seiner Geschichte. Während die Ermittler Adams und Berger fiktiv sind, hält sich der Roman eng an die dokumentierten Fakten. Schleif besuchte sogar mehrfach die Originaltatorte in London, um ein authentisches Gefühl für das viktorianische Whitechapel zu bekommen.
Könnte man den Fall heute mit modernen Methoden lösen?
Aus Sicht des erfahrenen Richters wäre der Fall mit heutiger Forensik durchaus aufklärbar gewesen. DNA-Spuren, Fingerabdrücke und die umfassende Videoüberwachung in London hätten dem Täter kaum Chancen gelassen. Allerdings gibt Schleif zu bedenken, dass ein moderner Serienmörder seine Vorgehensweise entsprechend anpassen würde. Die Frage bleibt also spannend: Wäre Jack the Ripper im 21. Jahrhundert ebenso erfolgreich geblieben?

