
IG BAU: Wohnungsnot in Duisburg trifft Azubis und Rentner besonders hart
Junge Menschen in der Ausbildung und künftige Rentner stehen in Duisburg vor massiven Problemen auf dem Wohnungsmarkt. Die IG BAU warnt: Viele der rund 7.930 Azubis in der Stadt können sich keine eigene Wohnung leisten und leben deshalb noch bei ihren Eltern – oft unfreiwillig.
Veröffentlicht: Montag, 02.02.2026 11:36
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt fordert den Neubau von mehr Sozialwohnungen. Gerade bei uns in Duisburg treffe der Wohnungsmarkt Junge und Alte besonders hart. „Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist", erklärt Karina Pfau, Bezirksvorsitzende der IG BAU Duisburg-Niederrhein. Besonders problematisch wird es, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe ihres Ausbildungsbetriebs bezahlen können. Der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor" des Pestel-Instituts zeigt deutlich: Wohnen wird gerade für Auszubildende zunehmend zum Problem. Die Gewerkschaft fordert deshalb gezielte Unterstützung von Bund und Land beim Neubau von Azubi-Wohnungen, vor allem im Umfeld von Ausbildungszentren.
Auch Steueranreize für Betriebe, die ihren Auszubildenden Wohnraum zur Verfügung stellen, hält Pfau für sinnvoll. Ähnliche Förderungen brauche es in Universitätsstädten für Studierenden-Wohnungen.
Baby-Boomern droht Altersarmut beim Wohnen
Ein weiteres Problem zeichnet sich für die geburtenstarken Jahrgänge ab: Rund 54.900 Baby-Boomer in Duisburg werden laut Pestel-Institut bis 2035 komplett in Rente sein. Viele von ihnen haben Phasen der Arbeitslosigkeit hinter sich oder jahrelang für niedrige Löhne gearbeitet.
„Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm", warnt Karina Pfau vor einer drohenden „Wohnarmut im Alter".
IG BAU fordert Verdopplung der Sozialwohnungen
Die Gewerkschaft sieht nur einen Ausweg aus der Misere: deutlich mehr Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt", betont Pfau. Der Neubau von Sozialwohnungen müsse zur „politischen Herzenssache" werden. Der „Soziale Wohn-Monitor" nennt konkrete Ziele: Bundesweit sollen die Sozialwohnungen von derzeit 1 auf 2 Millionen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts verdoppelt werden. Für Nordrhein-Westfalen bedeutet das 454.900 Sozialwohnungen bis 2035 – also 17.900 zusätzliche Einheiten pro Jahr.
Fördergelder müssen sofort fließen
Um diese Zielmarke zu erreichen, fordert die IG BAU eine intensive Förderung durch Bund und Land. Wichtig dabei: Die Fördergelder müssen bereits zum Baubeginn bereitstehen und dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgezahlt werden.
Als Lösung für günstigeres Bauen schlägt Pfau den Regelstandard „Erleichtertes Bauen" vor. Damit könnten für das gleiche Geld mehr Sozialwohnungen entstehen – trotzdem in guter Qualität und mit niedrigen Instandhaltungskosten.
Zusätzlich verlangt die Gewerkschaft eine öffentliche Statistik vom Land: „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Nordrhein-Westfalen wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind", so die Vorsitzende der IG BAU Duisburg-Niederrhein.