
Zum Weltfrauentag am 8. März lohnt sich ein Blick auf etwas, das wir alle täglich sehen – aber selten beachten: Straßenschilder.
In Duisburg gibt es mehr als 3.000 Straßen. Doch nur ein kleiner Teil ist nach Frauen benannt – und noch weniger nach wirklich realen Frauen. Laut Stadt Duisburg tragen aktuell 113 Straßen einen Frauennamen. Zum Vergleich: 2020 waren es noch 95 Straßen. Zwei weitere Straßen mit Frauennamen sind bereits geplant.
Von den zukünftig 115 Straßen lassen sich nur 24 eindeutig auf echte Frauen zurückführen. Das sind die Namen auf den Straßenschildern:
Wilhelmine-Bertling-Str., Ursula-Wölfel-Str., Sieglinde-Ahlers-Straße, Schwester-Euthymia-Str., Marie-Juchacz-Platz, Maria-Mester-Str., Margarete-Füßer-Str., Lore-Agnes-Str., Lise-Meitner-Straße, Katharina-Mercator-Gasse, Katharina-Beving-Str., Hildegart-Bienen-Straße, Helene-Kropp-Straße, Hanna-Niederhellmann-Platz, Aenne-Brauksiepe-Straße, Agnes-Steinfort-Straße, Aletta-Eßer-Straße, Erika-Kröger-Straße, Amalie-Weidner-Steinhaus-Park, Bertha-von-Suttner-Straße, Clara-Schumann-Straße, Droste-Hülshoff-Straße, Edith-Oellers-Teuber-Weg, Elsa-Brändström-Straße.
Der Anteil liegt damit bei unter einem Prozent. Diese Zahl macht deutlich: Obwohl Frauen in nahezu allen Bereichen unseres städtischen Lebens Bedeutendes geleistet haben – politisch, sozial, kulturell – sind sie in unserer Straßennamen-Kultur massiv unterrepräsentiert.
Ein gutes Beispiel dafür, wie es anders gehen kann, gibt es in Huckingen: Im Neubaugebiet „Am Alten Angerbach“ entstand Duisburgs erstes sogenanntes Frauenviertel. Dort tragen alle Straßen die Namen weiblicher Persönlichkeiten – inklusive Vor- und Nachnamen. Noch fehlen aufgrund von Bauarbeiten einige Schilder, aber das Viertel zeigt schon jetzt: Straßennamen können helfen, Frauen in der Stadtgeschichte sichtbarer zu machen.
Bekannte Duisburgerinnen auf Straßenschildern verewigt
Die Namen in dem Viertel in Huckingen erinnern an Frauen, die Duisburg auf ganz unterschiedliche Weise geprägt haben. Wir wollen an vier der Frauen erinnern:
- Sieglinde Ahlers war von 1994 bis 1997 die erste Gleichstellungsbeauftragte der Polizei Duisburg. Bereits ab 1970 leitete sie die Weibliche Kriminalpolizei – zu einer Zeit, in der Führungspositionen für Frauen im Polizeidienst noch alles andere als selbstverständlich waren.
- Katharina Beving, vielen besser bekannt als Schwester Leonie, leitete die Duisburger Beratungsstelle Solwodi („Solidarity with women in distress“). Sie setzte sich für Frauen ein, die Opfer von Menschenhandel, Zwangsverheiratung oder Zwangsprostitution geworden waren – und verschaffte ihnen Schutz, Unterstützung und eine Stimme.
- Irene Knoch gründete die „Kinderhilfe in Duisburg“ sowie die „Stiftung Kind Duisburg“. Ihr Engagement galt vor allem schwerbehinderten und autistischen Kindern. Für ihren Einsatz wurde sie mehrfach ausgezeichnet – unter anderem vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.
- Mit Margarete Füßer wurde eine Frau geehrt, die Generationen Duisburger Familien begleitete: Von 1961 bis 1989 arbeitete sie als Hebamme im Krankenhaus St. Anna und brachte rund 7500 Kinder zur Welt. 1995 erhielt sie dafür das Bundesverdienstkreuz.
Mehr als nur Straßennamen
Straßennamen prägen unser Alltagsbild – sie sind Teil unserer Geschichte. Wenn vor allem Männer in der Stadtgeschichte benannt werden, vermittelt das ein einseitiges Bild darüber, wessen Leistungen als bedeutsam gelten. Straßennamen zeigen häufig, dass in der Erinnerung an die Geschichte vor allem Männer gewürdigt werden. Der Fokus auf Sichtbarkeit – wie im Huckinger Frauenviertel – kann dazu beitragen, das zu verändern und Frauen sichtbar in den urbanen Raum zu rücken.
Autorin: Julia Wegner