
Wo früher die Menschen ins Wasser gesprungen sind, liegen jetzt Schiffe auf dem Trockenen. Das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt ist einer ehemaligen Badeanstalt untergebracht. „Was es hier zu entdecken gibt, ist im Wesentlichen die Geschichte der Schifffahrt auf den deutschen Flüssen und Binnengewässern. Und das seit der Steinzeit“, erzählt Museumsdirektor Dr. Dennis Niewerth. Das Haus erzählt aber nicht nur von Schiffen und Transportwegen, sondern auch von Menschen, Handel und von dem Leben am Wasser. Wer das Museum besucht, bekommt einen Eindruck davon, wie eng Duisburg mit dem größten Binnenschiffahrt und die Binnenschifffahrt bis heute verbunden sind.
Ein ehemaliges Schwimmbad als besondere Kulisse
Das Gebäude wurde zwischen 1908 und 1910 als Ruhorter Badeanstalt gebaut und hat bis heute seinen besonderen Charakter behalten. An einigen Stellen hängen noch alte Fliesen als Erinnerung an seine frühere Nutzung. „Früher kamen Menschen hierher, um zu baden oder zu duschen, wenn sie zu Hause keine eigenen sanitären Anlagen hatten“, erklärt Niewerth. „Damals waren Schwimmbäder allerdings noch nach Geschlechtern getrennt. Es gibt hier eine Herrenschwimmhalle und eine Damenschwimmhalle, die ist allerdings ein bisschen kleiner, weil tatsächlich den Bauherren damals das Geld zur Neige gegangen ist. Das ist auch der Grund, warum ein hier kein Hundeschwimmbad gibt. Damals war das durchaus üblich in öffentlichen Badeanstalten.“ 1998 zog dann das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt dort ein.
Vom Einbaum bis zu Oscar Huber
Das älteste Stück im Museum ist ein Einbaum aus der Eisenzeit, der auf etwa 350 vor Christus datiert wird. „Das ist der längste jemals in Deutschland gefundene Einbaum“, sagt Niewerth. Rund 15 Meter misst das historische Boot.
Das größte Ausstellungsstück hingegen ist ein Lastensegelschiff aus dem Jahr 1912, das mitten in der großen ehemaligen Schwimmhalle steht. Und dann gibt es noch ein ganz besonderes Schiff, das gar nicht ins Museum passt: die Oscar Huber, ein historischer Seitenraddampfschlepper aus dem Jahr 1922.
Für das Museum hat die Oscar Huber eine besondere Bedeutung – sie ist gewissermaßen sein Ausgangspunkt. „Das Schiff ist in den 60er-Jahren erst zum Freizeitschiff und dann zum Museumsschiff geworden. Darauf hat quasi die erste Binnenschifffahrtsausstellung in Duisburg stattgefunden“, erzählt Niewerth. Anschließend existierte das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt zunächst als Ausstellung im Ruhrorter Rathaus, bevor es 1998 in die ehemalige Ruhrorter Badeanstalt umzog.
Die Oscar Huber ist auch heute noch begehbar. In den Sommermonaten bis in den Herbst hinein können Besucherinnen und Besucher den historischen Schlepper sowie weitere Museumsschiffe am Ruhrorter Hafen erkunden.
Ein Stück lebende Geschichte: Das Goldene Buch
Zu den außergewöhnlichen Stücken des Museums gehört auch das Goldene Buch der Schifferbörse. Für Dr. Dennis Niewerth ist es im Grunde ein lebendes Exponat, weil es bis heute genutzt wird. Die Schifferbörse wurde 1901 gegründet und sollte damals für fairere Bedingungen bei Frachtverträgen sorgen. Das Buch hat den Krieg überstanden und ist bis heute erhalten. Darin haben sich über die Jahrzehnte bekannte Gäste verewigt. „Die ersten Unterschriften stammen von Kaiser Wilhelm II. und der Kaiserin Auguste Victoria“, so Niewerth. Inzwischen gibt es auch eine digitale Version, die Besucherinnen und Besucher im Museum auf einem Touchscreen durchblättern können. „Und immer, wenn die Schifferbörse eine große Veranstaltung hat, wo es hohen Besuch gibt, wird dieses Buch bei uns wieder entnommen, wird zur Veranstaltung gebracht und diese Personen tragen sich in dieses Buch ein “, erzählt Niewerth.
Das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Kürze
Wo? Apostelstraße 84, 47119 Duisburg-Ruhrort.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Die Museumsschiffe sind von April bis Oktober geöffnet.
Eintritt: Erwachsene 4,50 Euro, Kinder und Ermäßigte 2 Euro. Familienkarten und Kombitickets für Museum und Schiffe sind ebenfalls verfügbar.
Besondere Aktionen und Hinweise: Jeden Donnerstag gilt „Pay what you want“. Außerdem gibt es sonntags öffentliche Führungen und regelmäßig Familienführungen.