
Die Caritas Duisburg hat ihren Aufruf an mögliche Betroffene, Angehörige sowie frühere und heutige Mitarbeitende erneuert. Es geht um mögliche Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im Schifferkinderheim und im St. Barbara Kinderheim. Nach Angaben des Verbands beziehen sich die bislang bekannten Hinweise ausschließlich auf die Zeit vor den 1990er-Jahren. Aktuelle Fälle in den beiden Einrichtungen sind nach heutigem Kenntnisstand nicht bekannt. Beide Kinderheime stehen heute unter der Trägerschaft der Caritas Duisburg. Der Verband betont, dass die Erfahrungen der Betroffenen im Mittelpunkt des Aufarbeitungsprozesses stehen.
Schifferkinderheim in Duisburg mit besonderem Einzugsgebiet
Nach Angaben der Caritas richtet sich der erneute Aufruf ausdrücklich auch an Menschen, die heute nicht mehr in Duisburg oder der Region leben. Das gilt besonders für das Schifferkinderheim in der Nikolausburg an der Fürst-Bismarck-Straße. Die Einrichtung war über viele Jahrzehnte für Kinder von Binnenschifferfamilien bestimmt. Deshalb geht die Caritas davon aus, dass viele ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner später in andere Regionen Deutschlands gezogen sind. Das Heim wurde 1915 als Internat gegründet. Ab 1927 lebten Schifferkinder in dem Gebäude in Duisburg, 1992 wurde die Einrichtung in ein Kinderheim umgewandelt.
Forschungsteams begleiten den Prozess
Die Aufarbeitung läuft laut Caritas seit dem Frühjahr 2026 in einem strukturierten und extern begleiteten Verfahren. Anlass waren erste Hinweise, die Ende 2025 im Zusammenhang mit der Aufarbeitung im ehemaligen Duisburger Kinderdorf „Maria in der Drucht“ bekannt geworden waren. Für den Prozess hat die Caritas eine historische Archivrecherche und eine Interviewstudie in Auftrag gegeben. Die Archivrecherche übernimmt Prof. Dr. Andreas Henkelmann von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn. Die Interviewstudie leitet Prof. Dr. Manuela Dudeck von der Universität Ulm mit ihrem Team. Ziel ist es, Erlebnisse systematisch zu erfassen, fachlich einzuordnen und mögliche strukturelle Zusammenhänge zu erkennen.
Betroffene können sich direkt melden
Betroffene, Angehörige und ehemalige Mitarbeitende können sich ab sofort direkt an Dr. Judith Streb vom Forschungsteam der Universität Ulm wenden. Nach Angaben der Caritas sind persönliche und virtuelle Gespräche möglich. Auf Wunsch komme das Forschungsteam auch zu Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern nach Hause. Der Verband weist außerdem darauf hin, dass eine anonyme Kontaktaufnahme möglich ist und alle Angaben vertraulich behandelt werden. Mit dem erneuten Aufruf möchte die Caritas ein möglichst umfassendes Bild der früheren Vorgänge in beiden Duisburger Kinderheimen gewinnen.