
Wer heutzutage einen Führerschein machen will, zahlt bis zu 4.500€. Bundesverkehrsminister Schnieder will das Ganze günstiger machen und plant eine Führerschein-Reform. Das hat Konsequenzen. Viele Leute warten aktuell mit ihrer Anmeldung bei der Fahrschule, in der Hoffnung, den Führerschein bald günstiger machen zu können. Auch Duisburgs Fahrschulen sind betroffen. Mit neuen Krediten bei der Bank halten sich manche über Wasser. Ein Fahrlehrer musste bereits entlassen werden. Dazu macht die Bürokratie in Duisburg zusätzlich Probleme.
Anmeldungen um rund 20% gesunken
Seit Dezember haben sich in Duisburg rund 20 % weniger Fahrschüler angemeldet als sonst, heißt es von Martin Eckhardt vom Fahrlehrerverband. Je nach Fahrschule kann das aber variieren. Bei der Fahrschule Gindera haben sich, laut Inhaber Jens Gindera, im Dezember, nur 5 Fahrschüler angemeldet. Normalerweise sind es rund 30 pro Monat.
"Anstatt halt eben knapp 10.000 Euro Anmeldegebühren hatten wir dann nur 500 Euro. Wir mussten dann schon einen Kredit aufnehmen, damit es überhaupt weitergeht."
Auch bei den anderen Fahrschulen in Duisburg sieht es schlecht aus. Laut Fahrlehrerverband musste eine Fahrschule schon einen Fahrlehrer entlassen. Dabei kommt ein Duisburg-Spezifisches Bürokratieproblem hinzu.
Neue Führerschein-Reform sorgt für starken Rückgang bei Anmeldungen
Für die Fahrschulen ist klar: Der Einbruch der Anmeldezahlen liegt an den Aussagen von Bundesverkehrsminister Schnieder. Dieser hatte vor Monaten bereits eine Reform des Führerscheins angekündigt. Das Ziel: Der Führerschein soll günstiger werden. Im Schnitt würde er 4.500 € kosten. In der Hoffnung auf bald sinkende Preise bei den Fahrschulen halten sich viele deshalb mit einer Anmeldung zurück. Der Plan von Bundesverkehrsminister Schnieder: Beispielsweise könnte Theorieunterricht öfter per Online-Meeting stattfinden oder Fahrstunden auch im Simulator absolviert werden. Laut Fahrlehrerverband sind diese Vorschläge aber alles andere als realistisch.
Geplante Reform laut Fahrschulen höchst unrealistisch
Laut Volker Freigang, Bezirksvorsitzender für den Fahrlehrerverband am rechten Niederrhein, könnten diese Maßnahmen den Führerschein tatsächlich etwas billiger machen. Dadurch würde dann aber auch die Ausbildung der Fahrschüler leiden.
Simulatoren seien nur "bessere Spielekonsolen" und nicht mit dem echten Straßenverkehr vergleichbar. Laut Fahrlehrer Jens Gindera würden solche Konsolen zudem bis zu 30.000 € kosten. Geld, was die Fahrschulen erst investieren müssten.
Zudem würde Online-Unterricht die Preise wohl eher in die Höhe treiben. Bereits in Corona-Zeiten musste der Unterricht in Fahrschulen auch Online stattfinden. Aus dieser Zeit weiß man, dass die Durchfallquoten bei Prüfungen deutlich höher sind, so Freigang. Das zeige auch der Vergleich mit dem Ausland. In den Niederlanden gibt es seit Jahren keine Pflicht für Präsenzunterricht in Fahrschulen mehr. Dort seien die Durchfallquoten dadurch exorbitant gestiegen. Aktuell werde dort überlegt, Präsenzunterricht wieder einzuführen. Warum in Deutschland dann überlegt wird, Präsenzunterricht abzuschaffen, ist für Volker Freigang absolut unverständlich.
Tipps für einen günstigen Führerschein
Zudem kritisiert Freigang, dass die Kosten für den Führerschein falsch dargestellt werden, auch von Bundesverkehrsminister Schnieder und dem ADAC. Es werde nicht vernünftig klargemacht, dass die 4.500 € nur ein Durchschnitt sind. Laut Freigang ist es aber möglich, den Führerschein deutlich günstiger zu bekommen. Seiner Erfahrung nach kostet es die meisten Schüler eher um die 2.800 €.
Verschiedene Faktoren würden den Durchschnitt nach oben ziehen. Beispielsweise sei die Motivation der jüngeren Fahrschüler deutlich höher. 17-Jährige, die einen Führerschein für begleitetes Fahren machen, würden deutlich schneller und somit auch günstiger den Führerschein machen, als ältere Fahrschüler. Auch würden die Preise aus allen Ecken Deutschlands zusammengerechnet werden. Dabei kostet ein Führerschein in Metropolen wie München oder Hamburg deutlich mehr, als in kleineren Städten. Zudem sind auch viele "Umschreiber" in den Fahrschulen. Das sind Fahrschüler, die ihren Führerschein in anderen Ländern gemacht haben, in denen die Anforderungen weitaus geringer sind als in Deutschland. Auch da müssten viele deutlich mehr Unterrichtsstunden nehmen.