
Erdwärme-Erkundungsbohrung bald auch in Duisburg
Unter unseren Füßen, tief unter der Erdkruste, wird es Meter für Meter wärmer. Diese natürliche Erdwärme könnte schon bald auch in Duisburg genutzt werden. Geplant ist eine Erkundungsbohrung, die vom Land Nordrhein-Westfalen finanziell unterstützt wird. Gelingt die Bohrung, hätte das auch Vorteile für die Duisburger.
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.01.2026 12:31
Wärme aus mehreren tausend Metern Tiefe direkt unter unseren Füßen nutzen – das könnte bald auch in Duisburg Realität werden. Die Tiefengeothermie könnte in der Stadt künftig eine wichtige Rolle für eine klimafreundliche Wärmeversorgung spielen. Dabei wird die natürliche Wärme aus dem Inneren der Erde genutzt. So können Häuser und ganze Stadtteile zu beheizt werden. Um herauszufinden, ob diese Technologie in Duisburg funktioniert, planen die Stadtwerke Duisburg eine Erkundungsbohrung in Hochfeld. Für dieses Projekt erhalten sie vom Land Nordrhein-Westfalen eine Förderung von 7,46 Millionen Euro.
Was ist Tiefengeothermie?
Tiefengeothermie beschreibt die Nutzung von Wärme, die tief im Inneren der Erde gespeichert ist. Mit zunehmender Tiefe steigt dort die Temperatur deutlich an. Bei diesem Verfahren wird aus mehreren tausend Metern Tiefe heißes Wasser an die Oberfläche gefördert. Die darin enthaltene Wärme wird genutzt, um Gebäude über Fernwärmenetze zu beheizen. Anschließend wird das abgekühlte Wasser wieder in den Boden gepumpt, damit es sich wieder aufwärmen kann. Auf diese Weise entsteht ein geschlossener Kreislauf, der eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Erdwärme ermöglicht.
Der Vorteil: Tiefengeothermie ist eine klimafreundliche und verlässliche Energiequelle, da sie ohne Gas oder Öl auskommt und unabhängig von Wetter oder Jahreszeit genutzt werden kann. „Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das, dass die Wärme bezahlbar bleibt, die Kosten planbar sind und sie über das ganze Jahr verlässlich zur Verfügung steht – egal, wie kalt es draußen ist“, erklärt Mona Neubaur, NRW-Wirtschaftsministerin.
Möglicher Bohrplatz am alten Kohlekraftwerk in Duisburg
Nach den Untersuchungen der vergangenen Jahre durch den Geologischen Dienst des Landes NRW und den Erkenntnissen der Stadtwerke Duisburg steht fest, dass ein geeigneter Bohrplatz auf dem Gelände der Stadtwerke selbst liegt, im hinteren Bereich des ehemaligen Kohlekraftwerks in Hochfeld. „Der Standort hat den Vorteil, dass wir sehr nahe an unserer eigenen Fernwärme-Anbindung liegen. Dadurch müssen keine großen Leitungen gebaut werden, und wir können von hier aus direkt die geothermisch besonders interessanten Bereiche erreichen“, erklärt Thomas Oertel, Projektkoordinator für Tiefengeothermie bei den Stadtwerken.
In Tiefen zwischen etwa 2.000 und 4.000 Metern hoffen die Stadtwerke, auf Gesteinsschichten zu stoßen, die Wasser enthalten. In diesen Schichten wird erwartet, dass das Wasser aufgrund der zunehmenden Erdwärme Temperaturen zwischen 80 und 130 Grad erreicht. Das wäre der optimale Fall, doch sicher ist es nicht, dass an diesem Standort tatsächlich ausreichend heißes Wasser vorhanden ist. Um dieses Risiko abzusichern, unterstützt auch das Land Nordrhein-Westfalen das Projekt finanziell. Zusammen mit Eigenmitteln investieren das Land NRW und die Stadtwerke insgesamt rund 12,5 Millionen Euro in die Erkundung.
Der Weg zur Erkundungsbohrung
Bevor mit den eigentlichen Bohrarbeiten begonnen werden kann, muss noch viel geplant und genehmigt werden. Nach aktuellem Stand sollen die Bohrarbeiten im März 2028 starten. Geplant ist ein etwa 4.000 Meter tiefes Bohrloch, in dem verschiedene Tests durchgeführt werden, um die Eigenschaften des Untergrundes genau zu untersuchen. Zusätzlich sollen seismische Untersuchungen durchgeführt werden, um die genaue Lage der am stärksten wasserführenden Gesteinsschichten zu bestimmen. Auf dieser Grundlage könnte im Jahr 2029 eine sogenannte Ablenkungsbohrung erfolgen, mit der gezielt in das vermutete Heißwasserreservoir gebohrt wird.
Wann die Wärme genutzt werden kann
Sollten die Untersuchungen erfolgreich sein und ausreichend heißes Wasser gefunden werden, wäre eine zweite Bohrung erforderlich, um das abgekühlte Wasser wieder in die Tiefe zu fördern. Bis die Tiefengeothermie tatsächlich Wärme für die Duisburgerinnen und Duisburger liefern kann, wird es jedoch noch etwas dauern. Selbst bei einem reibungslosen Verlauf rechnen die Stadtwerke damit, dass eine Nutzung frühestens Anfang der 2030er Jahre möglich sein wird.
Weitere Erdwärme-Probebohrung in NRW geplant
Die Probebohrung in Duisburg ist Teil des "Masterplans Geothermie NRW", den die Landesregierung im April 2024 vorgelegt hat. Damit soll erforscht werden, inwieweit der Boden in NRW geeignet ist, um Erdwärme zu fördern. Ziel ist es, bis zum Jahr 2045 bis zu 20 Prozent des Wärmebedarfs in NRW mit Geothermie zu decken.
Neben Duisburg sind auch in anderen Städten wie Mönchengladbach und Köln bereits Tiefengeothermie-Projekte geplant oder in Vorbereitung. Erst Mitte 2025 konnte eine erfolgreiche Bohrung in Krefeld durchgeführt werden.
Autorin: Antonia Röper
