
Eine Taube als Haustier? Duisburgerin nimmt verletzte Taube auf
Stadttauben sind bei vielen Menschen nicht besonders beliebt. Doch wenn ein Tier in Not ist, zögert die Duisburgerin Anna keine Sekunde. Taube Sashimi hat sie direkt vor ihrer Haustür gerettet. Die Geschichte von Anna und Sashimi, lest ihr hier.
Veröffentlicht: Montag, 02.03.2026 11:04
Sie gelten als „Ratten der Lüfte“, als Dreckmacher, als lästige Großstadtbewohner. Viele Menschen gehen achtlos an ihnen vorbei, manche treten sogar nach ihnen. Stadttauben sind bei vielen unbeliebt. Doch was, wenn eine Taube verletzt ist und dringend Hilfe braucht? Für Anna Meißner aus Duisburg kommt ein Zögern nicht infrage. Die Mitte-30-Jährige päppelt seit Jahren Tiere auf, auch Tauben. Eine von ihnen: Sashimi.
„Eigentlich hat sie mich gefunden“, erzählt Anna. Vor zwei Monaten saß die Taube direkt neben ihrer Haustür, aufgeplustert, der rechte Flügel hing herunter. Zunächst ging Anna an dem Tier vorbei, um zu prüfen, ob die Taube wegfliegt. Doch sie zeigte keinerlei Fluchtinstinkt, ein klares Zeichen, dass sie Hilfe brauchte. Anna sicherte die Taube, informierte den Stadttaubenverein Duisburg und brachte Sashimi zu einem vogelkundigen Tierarzt. Die Diagnose: Oberer Flügelbruch, kompliziert gesplittert.
Anna sicherte die Taube, informierte den Stadttaubenverein Duisburg und brachte Sashimi zu einem vogelkundigen Tierarzt. Die Diagnose: Oberer Flügelbruch, kompliziert gesplittert.
Flugtraining in Annas Wohnzimmer
Seitdem lebt Taube Sashimi bei Anna in der Wohnung, um sich von ihren Verletzungen zu erholen. Tägliche Flugübungen drinnen und auf der Terrasse sollen die Muskulatur im verletzten Flügel wieder aufbauen. Noch kann Sashimi nicht richtig abheben. Damit die Wohnung in der Genesungszeit sauber bleibt, trägt Sashimi im Alltag eine Taubenwindel. Am liebsten macht sie es sich in einer gemütlichen Ecke auf der Couch bequem. Einen kleinen Käfig als Rückzugsort hat sie trotzdem. „Tauben sind Bodentiere“, erklärt Anna. „Man braucht keine riesige, hohe Voliere wie bei Papageien – wichtiger ist Platz in der Breite, weil sie viel laufen.“
Ihren Namen verdankt Sashimi übrigens einem besonderen Moment in den ersten Tagen: Anna wickelte sie vorsichtig in ein Handtuch, während sie den Käfig reinigte, um den verletzten Flügel zu schützen. „Sie hat mich mit ihren Knopfaugen angeschaut, und nur ihr Kopf ragte aus dem Handtuch, wie eine kleine Sushi-Rolle“, erzählt Anna lachend. „Da dachte ich erst an Sushi, aber dann wurde es Sashimi.“
So steht es um die Gesundheit von Taube Sashimi
Ob Sashimi wieder vollständig gesund wird, bleibt offen. „Fifty-fifty“, sagt Anna. „Sie macht zwar Fortschritte, aber der Bruch war sehr komplex.“ Den Abschied stellt sich Anna schwer vor. „Es wird mit Sicherheit viele Tränen geben. Sashimi ist inzwischen wie ein Familienmitglied für mich.“ Trotzdem hofft sie, dass Sashimi irgendwann wieder frei fliegen kann. „Dann lasse ich sie von unserer Terrasse aus frei. Ich habe sie hier gefunden, und von hier aus muss sie wieder in die Freiheit starten. Das ist mein Glück.“
Seit Anna Sashimi hat, ist sie Mitglied im Stadttaubenverein Duisburg. Ihr liegt am Herzen, dass es den Tauben in der Stadt gut geht. „Ich wünsche mir nicht, dass jeder Tauben liebt. Aber sie sollten respektiert werden. Verantwortung übernehmen ist das A und O. Keine Tritte, keine Beschimpfungen und keine grausamen Vergrämungsmethoden."
Was tun, wenn ihr eine verletzte Taube findet
Wenn ihr eine Taube in Not entdeckt, gibt es ein paar klare Anzeichen, woran ihr erkennt, dass sie Hilfe braucht: Sie fliegt nicht weg, sieht aufgeplustert aus oder hat sichtbare Verletzungen. In diesem Fall ist das Wichtigste: die Taube sichern.
Dafür reicht schon ein Karton, ein luftdurchlässiger Baumwollbeutel oder sogar eine Jacke. Wichtig ist, dass das Tier aus der Gefahrenzone gebracht und vor weiteren Verletzungen geschützt wird.
Anschließend solltet ihr den Stadttaubenverein Duisburg informieren und die Taube zu einem vogelkundigen Tierarzt bringen. Damit stellt ihr sicher, dass das Tier professionell versorgt wird und die besten Chancen auf Genesung hat.
Autorin: Antonia Röper
