
In Serm wird aktuell Vereinsgeschichte geschrieben: Carmen Kaiser ist die erste Schützenkönigin des Duisburger Stadtteils. Die 54-Jährige lebt seit 2006 in Duisburg und trat vor drei Jahren in die Jägerkompanie ein. Dass Frauen in der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Serm überhaupt aktive Schützinnen werden dürfen, ist noch neu. Erst seit 2022 ist ihnen der Beitritt laut Satzung erlaubt. Für Carmen war ab dann klar, dass sie dann auch Schützenkönigin werden will: „Als ich eingetreten bin, da habe ich gesagt: Sobald ich darf, schieße ich auf diesen Vogel und dann mache ich auch keinen Rückzieher. Wenn ich einmal etwas sage, dann mache ich das auch.“
Wie Carmen Schützenkönigin wurde
Wer in Serm Schützenkönig oder Schützenkönigin werden möchte, muss mindestens ein Jahr Mitglied in einer Kompanie der Bruderschaft sein. Danach kann man sich für das Königsschießen melden. Dabei wird auf einen meist hölzernen Vogelrumpf geschossen. Carmen hat es erstmals 2024 versucht, damals aber noch ohne Erfolg. Ein Jahr später fiel der Vogel dann bei ihrem Schuss. An diesen Moment erinnert sie sich noch ganz genau: „Als ich den Vogel abgeschossen hatte, kam der für mich wie in Zeitlupe runter. Ich habe nur gedacht: ‚Oh‘, und dann kamen mir die Tränen. Alle kamen natürlich angestürmt und haben mich auf die Schultern genommen. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen vor Rührung. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“
Nicht nur Königin, sondern auch erfolgreiche Schützin
Aber Carmen ist nicht nur Schützenkönigin, sondern auch sportlich erfolgreich. Aktuell ist sie zweite Diözesan-Meisterin. Im September steht für sie jetzt das Bundesschießen an. Der Schießsport begleitet sie schon seit ihrer Kindheit. „Mein Papa war leidenschaftlich in einer Schießgruppe. Und wir haben dann auch mal zusammen in der Gartenlaube geschossen. Früher durfte man das ja noch“, erzählt sie. Später war auf jeder Kirmes der Schießstand ihr Lieblingsplatz. Heute ist sie Teil der Schießgruppe ihres Vereins. Vor Wettkämpfen wird dort regelmäßig trainiert, teils bis zu dreimal pro Woche.
Schützenfest in Duisburg-Serm hat lange Tradition
Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Duisburg-Serm wurde 1927 gegründet, kurz nach der Weihe der Sermer Kirche. Heute gehören dem Verein nach eigenen Angaben 240 Schützenschwestern und Schützenbrüder in zwölf Kompanien an. Das Schützenfest wird traditionell am Wochenende vor Christi Himmelfahrt gefeiert, in diesem Jahr vom 8. bis 10. Mai. Für viele Menschen in Serm ist das ein fester Höhepunkt im Jahr. Straßen und Häuser werden geschmückt, Nachbarn kommen zusammen und das egal ob jung oder alt.
So läuft das Schützenfest im Mai in Serm ab
Los geht es am Freitag (08.05.) mit der Eröffnung des Schützenfests, einem Umzug durch das Dorf und einer Kranzniederlegung zum Gedenken an verstorbene Mitglieder und Dorfbewohner. Abends wird gefeiert. Am Abend wird im Zelt gefeiert. Samstag (09.05.) folgen ein Festgottesdienst, Ehrungen beim Frühschoppen, ein gemeinsames Mittagessen und der große Festumzug. Der Höhepunkt für die Regentschaft von Carmen. Auch für Kinder gibt es Angebote am Samstag, etwa das Kinderschießen: von 6 bis 11 Jahren mit kleiner Armbrust und Holzpfeilen, ab 12 Jahren mit dem Luftgewehr. Und zum Schluss wird auch hier wieder im Festzelt gefeiert. Der Sonntag (10.05.) beginnt ebenfalls mit einem Gottesdient und anschließend kommen die Schützen zum Vogelschießen zusammen. Dann wird die Würde neu vergeben und im Anschluss der neue oder die neue Schützenkönig/in gefeiert. Zu dem Schützenfest in Serm ist jeder eingeladen. Das Zelt kostet keinen Eintritt.
Carmen will Frauen zum Mitmachen ermutigen
Abseits des Schützenwesens arbeitet Carmen Kaiser als Fahrlehrerin. Außerdem ist sie psychologische Beraterin und Tanzpädagogin. In ihrer Freizeit tanzt sie gerne, verbringt Zeit mit ihrer Familie und ihrem Hund und macht Yoga. Als erste Schützenkönigin in Serm möchte sie vor allem zeigen, dass sich auch Traditionen weiterentwickeln können. Ihr Motto lautet: „Wir sind Königin.“ Damit will sie deutlich machen, dass dieser Moment nicht nur ihr allein gehört, sondern auch für viele andere Frauen in der Bruderschaft steht. Dass Frauen heute in Serm ganz selbstverständlich mitmachen, ist noch immer etwas Besonderes. In der Jägerkompanie gibt es laut Carmen inzwischen elf Frauen und fünf Jungschützinnen. Der Einstieg sei anfangs ungewohnt gewesen, erzählt sie. Es habe viele Fragen gegeben, etwa zu Uniformen, Abläufen und Traditionen. Auch für einige Männer sei die neue Situation zunächst gewöhnungsbedürftig gewesen. Doch die Unterstützung innerhalb der Kompanie habe geholfen, schnell anzukommen. „Ich finde es toll, dass die Frauen jetzt bei uns sind. Wir Männer hatten damals das Problem, dass wir zu wenige waren. Dann haben die Frauen uns wirklich tatkräftig unterstützt. Es ist eine tolle Gemeinschaft geworden, und wir genießen es, gemeinsam Jäger und Jägerinnen zu sein“, erzählt Michael, der seit 2014 in der Jägerkompanie aktiv ist.
Carmen möchte auch andere Frauen ermutigen, sich ebenfalls zu trauen Schützenkönigin zu werden: „Ich würde jedes Mädel, jede Frau ermutigen, das mal zu machen, denn das ist ein wahnsinniges Gefühl.“ Ob sie selbst noch einmal Königin werden möchte, lässt sie offen. Im Moment sagt sie dazu aber eher nein. „Weil man wird immer vergleichen. Und ich weiß nicht, ob es nochmal so schön werden kann. Und dieses Jahr war wirklich unglaublich schön. Da bekomme ich immer noch Gänsehaut.“
