
Die Universität Duisburg-Essen hat mit Prof. Dr. Lily Tonger-Erk eine neue Literaturwissenschaftlerin und Rhetorikforscherin berufen. Sie übernimmt eine Professur für Literatur- und Medienwissenschaften. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, wie Sprache in Literatur, Medien und öffentlichen Räumen wirkt. Dabei geht es nicht nur um Texte selbst, sondern auch darum, wie sie Menschen erreichen, bewegen und überzeugen. Die neue Professorin will ihre Forschung eng an aktuellen gesellschaftlichen Debatten ausrichten. Damit setzt die UDE in Duisburg einen Schwerpunkt auf Sprache, Medienkritik und gesellschaftliche Wirkung.
Forschung zu Sprache, Literatur und gesellschaftlichen Debatten
Tonger-Erk beschäftigt sich unter anderem damit, wie Gegenwartsliteratur neue Ausdrucksmöglichkeiten für nichtbinäre Identitäten entwickelt. Dabei untersucht sie auch sprachliche Formen wie Gendersternchen oder Neopronomen. Wörtlich sagt sie: „Mich interessiert besonders, wie literarische Texte gesellschaftliche Diskurse aufgreifen und zugleich selbst in die Gesellschaft hineinwirken.“ Außerdem erklärt sie: „Oft wird behauptet, sogenannte ‚Gendersprache‘ verunziere die Sprache. Doch die Literatur zeigt, wie ästhetisch differenziert solche Formen eingesetzt werden können.“ Nach ihren Beobachtungen tragen Literatur und Literaturkritik dazu bei, neue Ausdrucks- und Wahrnehmungsweisen gesellschaftlich mit auszuhandeln. Die Forschung an der UDE greift damit Themen auf, die weit über die Universität hinaus diskutiert werden.
BookTok, Literaturkritik und Duisburger Akzente im Blick
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Lily Tonger-Erk ist der Wandel literarischer Öffentlichkeit. Sie untersucht, wie sich Literaturkritik in digitalen Räumen verändert, zum Beispiel auf BookTok. Dort entstehen neue Formen des Austauschs über Bücher, die auch ein jüngeres Publikum erreichen. Gleichzeitig schaut sie auf Literaturfestivals und ihre Rolle in der Gesellschaft. Dazu sagt sie: „Literaturfestivals wie die lit.Cologne oder Duisburger Akzente sind nicht nur kulturelle Ereignisse, sondern auch politische Räume. Sie stiften Zugehörigkeit und prägen Öffentlichkeit.“ Künftig will sie unter anderem erforschen, welche Bedeutung solche Festivals in einer postmigrantischen Gesellschaft haben.
Ausbildung von Lehrkräften an der Universität Duisburg-Essen
An der UDE will sich Tonger-Erk außerdem in der Ausbildung von Lehrkräften engagieren. Für sie ist eine fundierte Ausbildung in Rhetorik besonders wichtig, gerade in Zeiten digitaler Manipulation und von Falschinformationen auf Social Media. Sie betont: „Eine fundierte Ausbildung im Bereich Rhetorik ist in Zeiten digitaler Manipulation und Falschinformationen gerade auf Social Media dringlicher denn je.“ Lehrkräfte müssten Kinder und Jugendliche dazu befähigen, sprachliche Einflussnahme zu erkennen, kritisch zu analysieren und selbst argumentativ stark zu sein. Damit beschreibt sie Sprach- und Medienkritik als wichtigen Teil demokratischer Bildung. Auch das ist ein Thema, das an Schulen und in Familien zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Wissenschaftlicher Weg der neuen UDE-Professorin
Lily Tonger-Erk studierte von 1997 bis 2004 Germanistik, Kunstgeschichte und Angewandte Kulturwissenschaften. Ab 2005 forschte sie an der Universität Münster, wo sie 2010 mit Auszeichnung promoviert wurde. Danach war sie in verschiedenen Funktionen an mehreren Hochschulen tätig, unter anderem in Münster, Zürich, Tübingen, Trier und bereits 2024 an der UDE als Vertretungsprofessorin. Ihre Forschung wurde mehrfach ausgezeichnet und durch Förderprogramme unterstützt. Mit ihrer Berufung stärkt die Universität Duisburg-Essen nun den Bereich Literatur-, Medien- und Rhetorikforschung weiter. Für den Standort Duisburg ist das ein weiterer Baustein im wissenschaftlichen Profil der Hochschule.