
Was in den Amazon-Hallen passiert
Wie kommen eigentlich die ganzen Pakete, die jeden Tag bei Amazon bestellt werden, an die Haustür? Radio Duisburg war im Amazon-Verteilzentrum in Kaßlerfeld direkt an der A40 und hat dort einen Morgen lang hinter die Kulissen geschaut. Ca. 230 Menschen sortieren und verteilen dort über 50.000 Pakete am Tag ab, zu Hochphasen noch mal deutlich mehr. Und was wir Duisburger am liebsten bestellen, hat uns Amazon-Sprecher Steffen Adler verraten: "Die Top3-Produkte der Duisburger im vergangenen Jahr waren Duschbad im 6er-Pack, Bio-H-Milch und Fliegengitter für Fenster." Andere Städte bestellen häufig Omega-3-Fischöl in Kapseln, aber das habe er so noch in keiner anderen Stadt erlebt, so der Sprecher.
So werden Pakete in Duisburg sortiert und verteilt
Die Pakete kommen nachts aus den großen Logistikzentren, wie zum Beispiel Rheinberg, an und werden auf die Förderbänder aufgelegt. Dort bekommt jedes Paket einen Aufkleber mit eigenem Code und werden von da aus einzeln sortiert. Mitarbeiter tragen einen speziellen Handschuh mit einem kleinen Scanner. Sie scannen die Pakete und bekommen über ein Lichtsignal angezeigt, in welche Tasche sie gelegt werden müssen. Pakete, die vom Verteilzentrum Duisburg sortiert und ausgeliefert wurden, erkennt man immer an dem Kürzel "DNW4" auf dem Paktet. Das steht für "Delivery Station Nordrhein-Westfalen 4".
So plant Amazon die Touren
Wenn die Pakete sortiert sind, beginnt draußen vor der Halle der nächste Schritt. Ab ca. 10 Uhr werden die Lieferwagen nach und nach beladen und starten dann ihre Touren. Nach Amazon-Angaben sind täglich rund 300 Fahrzeuge von acht Lieferpartnern im Einsatz. Das Zustellgebiet beschränkt sich nicht nur auf Duisburg, sondern reicht von Bocholt über Bottrop bis nach Ratingen und Kevelaer. Die Tourenplanung übernimmt ein Computerprogramm. Dabei geht es vor allem darum, Staus, Baustellen und schwierige Abbiegemanöver zu vermeiden. Standortleiter Sebastian Schug sagt: „Ich habe da einen Riesenrespekt vor, was die Fahrer leisten. Zum Glück können wir dafür auch Sorge tragen, dass die Routenführung gewährleistet, dass man nicht zu oft links abbiegt, sondern tendenziell rechts und auch gefährliche Kreuzungsbereiche umfahren werden.“
Bekannte Kritik an Amazon
Amazon steht seit Jahren in der Kritik, unter anderem wegen Arbeitsbedingungen, fehlender Tarifverträge und Mitbestimmung von Beschäftigten. Auch im Verteilzentrum Duisburg gibt es momentan weder einen Betriebsrat noch eine Tarifvertrag. Bisher habe es kein Bestreben seitens der Belegschaft gegeben, einen Betriebsrat zu gründen, so der Sprecher. Laut Amazon liegt der Einstiegslohn für Logistikmitarbeitende in Duisburg aktuell bei 15,85 Euro brutto pro Stunde. Nach zwei Jahren steigt der Lohn automatisch auf 18,35 Euro brutto. Zudem übernimmt Amazon das Deutschlandticket und Kosten für Weiterbildungsangebote. Auf Fragen zur Belastung im Arbeitsalltag verweist der Standortleiter darauf, dass Teams nach Bestellvolumen geplant würden. Zudem setze man auf Rotationen, um Monotonie zu vermeiden.
Fahrer und Lieferpartner
Auch die Situation der Fahrer wird immer wieder kritisch diskutiert. Die Zusteller sind nicht direkt bei Amazon angestellt, sondern bei Lieferpartnern beschäftigt. Das Unternehmen erklärt, es gebe Verträge mit klaren Vorgaben, unangekündigte Kontrollen und eine Hotline für Fahrerinnen und Fahrer. Steffen Adler sagt „Wir auditieren die Lieferpartner auch darauf, unangekündigt“, so der Sprecher. „Sollten wir wirklich Verstöße feststellen, dann trennen wir uns auch mal von dem Lieferpartner.“