
"Es ist natürlich ein toller Erfolg und interessant zu wissen, dass man neben den andern Meistern so "das junge Küken" ist", beschreibt Marlena ihren Stand unter den Kollegen ganz entspannt. Abgesehen von der Berufserfahrung, die mit 23 logischerweise noch nicht an die vieler älterer Kollegen heranreicht, merkt sie den Altersunterschied nicht. Sie ist Bestatterin aus Leidenschaft und geht jeden Tag gerne zur Arbeit im familiengeführten Beerdigungsinstitut Kaiser Musebrink. Eigentlich wusste sie das schon, hat das aber endgültig gemerkt, als sie in einem anderen Betrieb ihre Ausbildung gemacht hat.
Ihr Ziel: Abschiede so individuell wie möglich zu gestalten
Mit den Trauernden, die zu ihr kommen, geht sie offen und ehrlich um. In ihren Trauergesprächen wird viel geweint, aber auch gelacht. Wichtig ist es, die Emotionen zuzulassen und damit umzugehen. Das schafft Vertrauen und einen guten Zugang zu den Hinterbliebenen.
"Alles kann und sollte individueller sein. Das sollte viel mehr nach Außen getragen werden. Es muss zum Beispiel nicht immer schwarz sein, man kann das Ganze auch bunt gestalten." Sie selbst erinnert sich an eine Beisetzung, wo die Trauergemeinschaft am Grab noch mit einem letzten KöPi angestoßen hat. Solche scheinbaren Kleinigkeiten können schon eine ganz persönliche Note hineinbringen und genau dafür ist es ihr so wichtig, die Hinterbliebenen kennenzulernen.
Auch MSV-Beerdigungen möglich
Betritt man den Ausstellungsraum, fallen zwischen den Holzsägen und verschiedenen Urnen vor allem die blauen Exemplare ins Auge. Marlena sagt dazu, der MSV gehört natürlich zur Stadt dazu: "Wir sind in Meiderich, auch recht nah an der Westender Straße. Und wir haben diese Särge und Urnen hier, damit wir sagen können. MSV-Fan war er und MSV-Fan bleibt er."
Weg zur Bestatterin hat sich früh abgezeichnet
Schon in ihrer Kindheit hat ihr Vater sie oft mit zur Arbeit genommen. Später hat sie dann auch angefangen Telefondienste zu übernehmen. Trotzdem gab es nach der Schule erst einen beruflichen Exkurs. In einem anderen Duisburger Unternehmen hat sie eine kaufmännische Ausbildung gemacht und schnell festgestellt, dass es sie gleich nach der Ausbildung wieder zurückzieht: "Da war mir sehr früh klar, das ist nicht das, was ich machen möchte, ich möchte auf jeden Fall zurück in den Familienbetrieb – das ist einfach der Beruf, den ich schon immer mal machen wollte."
Der Tod als Tabuthema
Außerhalb der Zunft sind viele überrascht, wenn sie von ihrem Beruf erzählt, aber gleichzeitig auch interessiert. Häufig wird sie dann gefragt, was sie so erlebt, was sie so sieht und wie der Umgang mit Trauernden ist.
Das Interesse findet sie super. So gibt es einen Anlass, über das oft tabu behaftete Thema Tod zu sprechen. Als Bestatterin bekommt sie oft mit, dass dieser nicht nur in hohem Alter kommt. Jeder, rät sie, sollte sich damit auseinandersetzen, die eigenen Bestattung vielleicht planen, auch finanziell vorsorgen und auch mit Angehörigen sprechen – schließlich sind das diejenigen, die im Todesfall einen Ort zum trauern benötigen.
Berufliches Ziel im Grunde schon erreicht
"Prinzipiell bin ich und bleib' ich sehr gerne Bestatterin und hab eigentlich mein größtes Berufsziel fast schon erreicht", sagt die 23-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Aber natürlich strebt sie noch Weiterbildungen an, vielleicht auch einen Betriebswirt, um die unternehmerischen Aspekte noch besser nachvollziehen zu können. Langfristig möchte sie den Familienbetrieb nämlich übernehmen. Aber fürs Erste ist sie genau da angekommen, wo sie gerne schon immer hinwollte.