
Die deutsche Stahlindustrie steckt in ihrer schwersten Krise seit über 15 Jahren. Mit nur noch 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl erreichte die Produktion 2025 den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2009. Ein Minus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl schlägt Alarm: Die Kapazitätsauslastung ist erstmals unter die kritische 70-Prozent-Marke gerutscht.
Deutschland erzeugt in Europa den meisten Stahl. Größter Stahlstandort in Deutschland ist Duisburg, wo die Unternehmen Thyssenkrupp Steel und HKM Stahl erzeugen.
Gründe für den Einbruch der Stahlproduktion
Die Krise hat mehrere Ursachen: Eine historisch schwache Nachfrage trifft auf massiven Importdruck aus dem Ausland und deutlich höhere Energiekosten als bei internationalen Wettbewerbern. Hinzu kommen globale Überkapazitäten und die aggressive US-Zollpolitik, die zusätzliche Stahlmengen nach Europa lenkt. Diese Faktoren zusammen haben die Produktion auf das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise 2009 gedrückt.
Eine Auslastung unter 70 Prozent gilt in der Stahlindustrie als kritisch. Moderne Hochöfen und Stahlwerke sind auf kontinuierlichen Betrieb ausgelegt – bei zu niedriger Auslastung steigen die Fixkosten pro produzierter Tonne dramatisch. Viele Werke arbeiten dann nicht mehr wirtschaftlich. Dies gefährdet Arbeitsplätze und kann zu Werksschließungen führen, wie sie bereits bei verschiedenen Standorten diskutiert werden.
Welche Maßnahmen könnten helfen ?
Die Branche fordert vor allem zwei zentrale Maßnahmen: Erstens wirksame Schutzmaßnahmen gegen unfaire Stahlimporte aus Drittländern, etwa durch Zölle oder Quoten. Zweitens international wettbewerbsfähige Energiepreise, besonders beim Industriestrom. Nur mit bezahlbarer Energie kann die teure Transformation zur klimaneutralen Stahlproduktion gelingen. Zusätzlich braucht es Investitionsanreize und beschleunigte Genehmigungsverfahren für neue Produktionsanlagen.