
"Jeder beteiligt sich daran Duisburg dreckig zu machen, aber nicht jeder darf sich daran beteiligen es sauber zu machen", sagt uns Clarissa Rathmann während sie einen Schnipsel nach dem anderen in den großen Müllsack packt, Auf dem steht fett und in Druckschrift "Wirtschaftsbetriebe Duisburg". Das Ehepaar hat die offizielle Erlaubnis im Duisburger Norden - NUR im Norden - aufzuräumen. Zu ihrem Equipment gehören Warnwesten, Handschuhe, Müllzangen und ein Buggy der mit MSV Schal und MSV Quietscheentchen bestückt ist.
Wo ist das Problem?
Müll aufsammeln: das darf grundsätzlich jeder. Schwierig wird es aber, wenn man das im großen Stil so wie Marvin und Clarissa machen möchte. "Wenn jetzt jemand selber Säcke mitbringt, Müll einsammelt und den an den Straßenrand stellt, kann die Person im schlimmsten Fall noch wegen einer illegalen Müllkippe angezeigt werden", sagt uns Marvin Rathmann. Die Strafen für illegale Müllkippen können bis zu 100.000€ hoch sein. Das möchte natürlich kein Duisburger riskieren und so bleiben nur noch die "Clean Up Days" übrig.
"Clean Up Days" reichen nicht aus
"Die Menge an Müll die hier liegt, das ist nicht an wenigen Tagen im Jahr zu bewerkstelligen" sagt Marvin. Wenn jeder Bürger der Lust hat, sich ehrenamtlich einzusetzen, die Erlaubnis der Stadt hätte, könnten wir das Müllproblem viel besser in den Griff bekommen. Mittlerweile wenden sich Duisburger an den "Aufräum Blitz", wenn die Wirtschaftsbetriebe auf wiederholte Anfrage nicht einschreiten. "Und wenn dann aufgeräumt wird, dann bleibt eben oft auch der Kleinkram liegen", wirft Clarissa ein, "das sind Folien, Schnipsel, Textilien... das bleibt liegen und wir räumen das dann noch auf.
Kotzig Krabbelig Kurios
Was die Rathmanns da finden, ist nicht immer was für schwache Nerven. "Wir sind hart im nehmen" lacht Marvin. Verweste Tierknochen, Tüten voller getragener Babywindeln, tote Ratten in Chipstüten oder einfach mal ein transparenter Müllbeutel voller Fäkalien... "Das war schon grenzwertig" sagt Clarissa. Was das alles aber wieder gut macht, ist das große Lob und der viele Zuspruch den das Paar sowohl über Social Media, als auch persönlich immer wieder bekommt.
Der "Aufräum-Blitz-Duisburg" gibt nicht auf
"Wir wünschen uns einfach dass jeder Duisburger sein eigener Held sein kann" sagt uns Marvin. Acht volle Säcke mit Müll haben die beiden während unseres Termins, innerhalb von nur einer Stunde geschafft. Dazu kommt ein Fernseher und mehrere Teppiche. "In Oberhausen gibt es die Sauberkeitspatenschaft schon, da reicht eine Unterschrift, in Xanten gibt es mehrere hundert Sauberkeitspaten.... warum nicht hier? Wenn jeder der helfen möchte, mit Säcken und Handschuhen losziehen dürfte, wäre das doch auch für die Wirtschaftsbetriebe eine riesige Hilfe."
Was sagen die Wirtschaftsbetriebe?
- Auf unsere Frage, warum nicht alle Duisburger in Kooperation mit den Wirtschaftsbetrieben aufräumen dürfen. äußern sich diese wie folgt:
"Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg begrüßen das Engagement der Bürgerinnen und Bürger für ein sauberes Stadtbild. Freiwillige Sammelaktionen sind jedoch besonders wirkungsvoll, wenn sie koordiniert erfolgen. So lassen sich Sicherheit, eine ordnungsgemäße Entsorgung und ein reibungsloser Ablauf gewährleisten."
- Auf die Frage ob die aktuellen Maßnahmen eventuell nicht ausreichen, antworten die Wirtschaftsbetriebe:
"Unabhängig davon können sich Bürgerinnen und Bürger jederzeit über den Verein „Offensive für ein Sauberes Duisburg e. V.“ aktiv engagieren. Dort werden Sammelaktionen unterstützt, unter Berücksichtigung der notwendigen Sicherheitsaspekte organisiert und die fachgerechte Entsorgung sichergestellt. Es bestehen somit bereits verlässliche Strukturen und konkrete Ansprechpartner, die bürgerschaftliches Engagement gezielt fördern.
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass nicht jede Müllansammlung unmittelbar durch freiwillige Aktionen beseitigt werden kann. Bei Ablagerungen auf Privatgrundstücken bestehen rechtliche Einschränkungen. In diesem Fall dürfen Flächen nicht ohne Zustimmung betreten oder eigenständig gereinigt werden."
- In anderen Städten gibt es bereits sogenannte "Sauberkeitspatenschaften", warum nicht in Duisburg?
"Unterschiedliche Städte verfolgen unterschiedliche organisatorische Ansätze im Umgang mit bürgerschaftlichem Engagement.
In Duisburg wird bewusst auf eine koordinierte Organisation gesetzt, bei der freiwillige Aktivitäten eng mit den Entsorgungsprozessen abgestimmt sind. Mit dem Verein besteht seit vielen Jahren ein bewährtes Modell, das Engagement ermöglicht und gleichzeitig eine sichere sowie fachgerechte Durchführung der regelmäßig stattfindenden Aktionen gewährleistet."
