
Die Caritas Duisburg hat einen Aufarbeitungsbericht zum ehemaligen Kinderdorf „Maria in der Drucht“ veröffentlicht. Er untersucht sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt in der Einrichtung. Die Caritas war von 1946 bis 1983 deren Träger. Der Bericht besteht aus einer historischen Archivrecherche, einer Interviewstudie und einer Analyse der bisherigen Aufarbeitung. Die Untersuchungen wurden wissenschaftlich und extern begleitet.
Mindestens 38 Betroffene laut Aufarbeitungsbericht
Der Bericht nennt mindestens 38 Betroffene und mindestens 32 beschuldigte Personen. 25 Betroffene schilderten sexualisierte Gewalt. Ehemalige Bewohner und Bewohnerinnen berichteten außerdem von Schlägen, schweren Misshandlungen, Erniedrigung und Einschüchterung. Mehrere Betroffene sagten, Mitarbeitende hätten Gewalt wahrgenommen, ohne einzugreifen.
Caritas Duisburg: Aufarbeitung begann zu spät
Der Bericht kritisiert den Umgang mit früheren Hinweisen. Spätestens seit 2009 war die Caritas mit Berichten über Gewalt und Unrecht im Kinderdorf konfrontiert. Sie bearbeitete Vorgänge jedoch als Einzelfälle, ohne die Vorwürfe übergreifend zu prüfen. Auch nachdem das Bistum Essen den Verband 2019 über sechs Meldungen zu sexualisierter Gewalt informiert hatte, waren zunächst keine konkreten Aufarbeitungsmaßnahmen erkennbar. Der Bericht sieht Versäumnisse sowohl bei der Caritas als auch beim Bistum.