
Genau vor 20 Jahren ging Studio 47 das erste Mal auf Sendung - wild, neu, lokal und als erster regionaler TV-Sender in NRW. Heute, 20 Jahre später, ist der Duisburger TV-Lokalsender nicht nur etabliert, sondern auch Vorreiter in Sachen KI-gestütztem Journalismus. Am 20. März wird Geburtstag gefeiert.
Skeptische Prognosen und wilde Anfänge
"Die aller wenigsten haben uns damals zwei Wochen gegeben", erinnert sich Chefredakteur Sascha Devigne. Die meisten Kritiker prophezeiten dem Sender nach sechs Wochen das Aus. Der Grund: Die Bedingungen in Duisburg schienen für einen privaten lokalen TV-Sender denkbar ungünstig. Doch es kam anders. Der Weg zur Sendelizenz war steinig. Bis 2003 sah das nordrhein-westfälische Landesmediengesetz privates lokales Fernsehen überhaupt nicht vor. Studio 47 war der erste Sender, der nach der Gesetzesänderung eine entsprechende Lizenz beantragte. Im November 2005, mitten zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts, kam die erlösende Nachricht per E-Mail von der damaligen LFR (heute LFM): Die Sendelizenz war genehmigt.
Zeitraffer bis zum Sendestart
Von November bis März musste alles im Zeitraffer geschehen. Organisation, Technik, Personal, Design – alles entstand in wenigen Monaten. Am 20. März 2006 ging Studio 47 dann in der Galeria Duisburg (heute Königsgalerie) erstmals auf Sendung.
Die erste Sendung war eine nervenaufreibende Angelegenheit: "Ich stand da mit meinem Klemmbrett in der hintersten Ecke vom Studio, total angespannt. Ich habe das wirklich wie in so einem Film mitbekommen.", so Sascha Devigne. Als nach 90 Minuten die erste Sendung vorbei war, applaudierte das Publikum – und die Zuschaueranrufe bestätigten: Es funktioniert.
Feuerprobe auf dem Großmarkt
Im Oktober 2008 zog Studio 47 auf das Großmarktgelände in Kaßlerfeld um, wo der Sender bis heute ansässig ist. Nur wenige Monate später, im Frühjahr 2009, folgte die Bewährungsprobe: Ein gewaltiger Brand brach auf dem Duisburger Großmarkt aus, die halbe Großmarkthalle stand in Flammen. "Um Haaresbreite wirklich auch unser Sender", erinnert sich der Chefredakteur. Nur dem schnellen und massiven Einsatz der Duisburger Feuerwehr sei es zu verdanken, dass Studio 47 verschont blieb.
KI-Vorreiter im Lokaljournalismus
Seit Ende 2022 setzt Studio 47 verstärkt auf künstliche Intelligenz in der Produktion. Der Sender entwickelt eigene KI-Tools für Schnitt, Nachvertonung und Moderation. "Das Wesentliche ist, dass wir als Redaktion diese Tools selbst entwickeln und gestalten", betont die Geschäftsführung. So bleibe die journalistische Kontrolle gewahrt. Der Impuls kam bereits 2016/2017 durch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Diese ermittelte damals ein "Substituierbarkeitspotenzial" von 20 Prozent im Journalismus – jeder fünfte Handgriff könnte von Maschinen übernommen werden.
Zwei Jahrzehnte Erfahrung
Die Anfänge waren wild: 2006 produzierte Studio 47 jeden Abend eine anderthalbstündige Live-Show mit Doppelmoderation, Show-Acts, Kochsegmenten und Studiopublikum – eine "krude Mischung aus Zimmerfrei, Schmidteinander und Frühstücksfernsehen". Die Technik war analog und fehleranfällig. Heute arbeitet der Sender volldigitalisiert mit ferngesteuerten PTZ-Kameras und automatisierter Sendetechnik. Das Format ist strukturierter und linearer geworden. "Man konnte dem Sender beim Erwachsenwerden zusehen", resümiert Chefredakteur Sascha Devigne. "Von den Flegel-Jahren bis zur Adoleszenz – nach 20 Jahren sind wir hoffentlich endlich erwachsen."