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Strassennamen in Duisburg

Die Radio Duisburg-Straßennamen-Serie

Duisburg hat fast 500tausend Einwohner. In einer Stadt von dieser Größe gibt es logischerweise viele tausend Straßen - und jede dieser Straßen hat (genau so logischerweise) einen Namen. In dieser Serie geht es um diese Straßennamen - denn viele von ihnen erzählen eine Geschichte. Oder sogar mehrere...

Gustav-Sander-Platz

Der Gustav-Sander-Platz liegt am Hafenmund, genau da, wo sich unter anderem die Dammstraße, die Hanielstraße und die Hafenstraße treffen. Der Platz ist aus mehreren Gründen in der Stadt sehr bekannt: Zum einen steht hier die Schifferbörse, von jeher eine der besten Duisburger Adressen für alle Arten von Festivitäten. Zum anderen liegt hier der Steiger Schifferbörse, an dem die Schiffe der Weißen Flotte und der Ruhrorter Personenschifffahrt anlegen. Vom Steiger Schifferbörse fahren sie dann weiter auf ihren Rundfahrten in die Hafenanlagen, von denen wir noch immer nicht ganz sicher sind, ob es die größten Binnen- oder doch nur die größten Flusshäfen der Welt sind.
Seinen Namen trägt der Platz aber zur Erinnerung an Gustav Sander, geboren am 28. September 1881. Sander ist Hafenarbeiter und Gewerkschaftsmitglied - vor 1914 muss er wegen seiner Teilnahme an Streikmaßnahmen mehrmals ins Gefängnis. Nach der Machtergreifung der Nazis wird der Sekretär beim Duisburger Hafenarbeiterverband erneut verhaftet. Sander überlebt das dritte Reich, beteiligt sich am Wiederaufbau der Gewerkschaften in Duisburg und wird Vorsitzender des Duisburger DGB. In der ersten Legislaturperiode sitzt er von 1949 bis 1953 im Deutschen Bundestag in Bonn. Gustav Sander stirbt schließlich am 29. September 1955.

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Deichstraße

Die Deichstraße beginnt an der Friedrich-Ebert Straße. Sie verläuft parallel zum alten Eisenbahnbassin, macht dann annähernd eine 90-Grad-Kurve und führt anschließend am Rhein entlang bis hinter Beeckerwerth – auf den letzten Kilometern als Fuß- und Fahrradweg. Und zwischen der Deichstraße und dem Rhein liegt – na was wohl? Ein Deich. Genauer gesagt: Der Deich, der die dahinter liegenden Stadtteile bei Rheinhochwasser schützen soll. Die ersten Deiche werden während der Bronzezeit in Griechenland angelegt. In Nord- und Mitteleuropa ist der Deichbau noch viele Jahrhunderte später unbekannt, zum Schutz gegen Hochwasser werden die Siedlungen auf künstlichen Hügeln, sogenannten Warften, errichtet. Später werden an der Nordseeküste die ersten Ringdeiche um einzelne Ackerflächen gebaut. Im 12. und 13. Jahrhundert werden diese Ringdeiche schließlich miteinander verbunden – es entsteht eine durchgehende Schutzlinie gegen Sturmfluten, die von Ostfriesland bis hoch nach Nordfriesland reicht. Aber diese frühen Deiche sind oft zu niedrig und außerdem falsch konstruiert: Weil sie zum Meer hin steil abfallen, werden sie leicht von den Wassermassen unterspült. Es dauert noch Jahrhunderte bis zur Perfektionierung des Deichbaus. Aber auch heute noch kommt es an den Küsten bei Sturmfluten immer wieder zu schweren Deichschäden. Und auch der Duisburger Rheindeich ist viel mehr als nur ein schöner, erhöhter Spazierweg. Aber es lohnt sich natürlich, beim Spazierengehen auf dem Deich die Augen aufzumachen. Denn dann sieht man zum Beispiel auf dem Vordach des Hauses Deichstraße 50 die Statue des „Laarer Jungen“, der dort oben seine Mütze schwenkt und so seit mehr als 100 Jahren die vorbeifahrenden Schiffe grüßt... 

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Nibelungenstraße

Die Nibelungenstraße beginnt an der Wildstraße und endet an der Straußstraße. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass sie nicht allzu weit von der Richard-Wagner-Straße entfernt ist, aber dazu später. Ihren Namen verdankt die Straße auf jeden Fall dem Nibelungenlied, der bekanntesten deutschen bzw. germanischen Sagendichtung. Das Nibelungenlied ist seit dem frühen 13. Jahrhundert schriftlich überliefert, die Ereignisse, über die es berichtet, haben sich aber viel früher zugetragen. Im Jahr 436 gelingt es weströmischen Truppen, die von Reitern aus Zentralasien – den Hunnen – unterstützt werden, den Machtbereich der Burgunder am Rhein zu zerschlagen. Anführer dieser Burgunder ist ein gewisser Gunthahar – und „Gunther“ heißt auch der Burgunderkönig im Nibelungenlied. Auch andere historische Persönlichkeiten finden sich in der Dichtung wieder: So wird Dietrich von Bern als der Ostgotenkönig Theoderich der Große identifiziert, Etzel als der Hunnenkönig Attila. Der Inhalt der Sage ist auch heute, in den Zeiten von Star Wars, Harry Potter und Resident Evil, noch allgemein bekannt: Es ist die Geschichte des Helden Siegfried, der den Drachen tötet, die schöne Kriemhild heiratet und dem Attentat des bösen Hagen von Tronje zum Opfer fällt, was schließlich zum Untergang der Nibelungen am Hof des Königs Etzel führt. In der Story ist alles drin – Liebe, Verrat, Gewalt, Pathos – und mit dem neu erwachten Nationalbewusstsein des 19. Jahrhunderts wird sie zu dem deutschen Epos schlechthin. Das inspiriert auch Richard Wagner, der 1848 mit der Arbeit an seinem Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ beginnt. Erst nach mehr als 25 Jahren ist die Komposition der vier Teile abgeschlossen, und auch heute noch ist der 16-Stunden-Mausikmarathon bei Opernfreunden in der ganzen Welt beliebt. 

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Wedauer Straße

Die Wedauer Straße beginnt an der Düsseldorfer Straße, führt am Neuen Friedhof vorbei und endet an der Masurenallee. Dabei streift sie den heutigen Duisburger Stadtteil Wedau, auf den ihr Name verweist. Bereits im 14. Jahrhundert ist die gesamte Gegend als „Weidenaue“ bekannt, und insofern tragen auch das Wedaustadion, das auf Neudorfer Gebiet liegt, die Wedaukliniken, die zu Wanheimerort gehören, und das Gebiet des Sportparks, das die Duisburger immer schon „Wedau“ genannt haben, ihren Namen nicht zu unrecht. Letztlich bedeutet Wedau nichts anderes als „Feuchtgebiet“. Der Stadtteil Wedau verdankt seine Entstehung der Eisenbahn. Die ist das Verkehrsmittel des ausgehenden 19. Jahrhunderts, und nachdem auch der Güterverkehr auf der Schiene immer mehr zunimmt, müssen neue Bahnhöfe her. Einige Kilometer südlich vom Duisburger Hauptbahnhof findet sich ein freies Gelände. Ab 1890 wird der Rangierbahnhof Wedau gebaut. Aber das Gelände ist sumpfig und muss mit Kies aufgeschüttet werden. Abgebaut wird das Material gleich in der Nachbarschaft – heute sind die ehemaligen Kiesgruben unter dem Namen Sechs-Seen-Platte bekannt. Bereits wenige Jahre später ist Wedau einer der größten Verschiebebahnhöfe Deutschlands, mit 24 Gleisen, die eine Länge von mehr als 4 Kilometern haben. Ein Ausbesserungswerk für die Züge und ein Bahnbetriebswerk werden gebaut. Und die Menschen, die in diesen Werken arbeiten, brauchen Wohnraum. Bis 1915 entstehen mehr als 300 Häuser, Läden, eine Schule und eine Post. In den 30er Jahren kommt neben der Eisenbahner-Siedlung eine weitere für die Mitarbeiter der Kupferhütte dazu. Heute hat Wedau gut 5000 Einwohner, und große Teile der historischen Siedlungen stehen unter Denkmalschutz. Nur von der Eisenbahn, der Keimzelle des Stadtteils, ist nicht viel übrig geblieben: Das Bahnbetriebswerk wird bereits 1977 geschlossen, 2000 folgt der Rangierbahnhof. Im Jahr 2004 kommt schließlich auch für das Ausbesserungswerk Wedau das Ende...

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Apostelstraße

Die Apostelstraße beginnt an der Austraße und endet an der Deichstraße hinter dem Museum der Deutschen Binnenschifffahrt. Benannt ist die Straße nach der evangelischen Apostelkirche - und das altgriechische Wort Apóstolos bedeutet so viel wie Bote. Laut der christlichen Tradition hat Jesus zwölf Apostel, die er selber auswählt. Historisch ist das umstritten, aber die Zahl Zwölf spielt in der Bibel generell eine wichtige Rolle - zum Beispiel bei den zwölf Stämmen Israels. Die Namen dieser Apostel sind bekannt, auch wenn in den verschiedenen Evangelien einige Abweichungen auftauchen. Und: Über die meisten Apostel wissen wir nicht gerade viel. Eine Ausnahme bildet zum Beispiel Simon Petrus, der Sprecher der Gruppe, der Jesus verleugnet und der Überlieferung nach in Rom am Kreuz stirbt. Johannes gilt als Lieblingsjünger, Jakobus soll im spanischen Santiago de Compostela begraben sein - und Judas Ischariot hat auch nach 2000 Jahren noch eine durchweg schlechte Presse. Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus sind alle zwölf Apostel tot - also die Männer, die Jesus selber erlebt haben. Und auch die meisten ihrer Schüler leben nicht mehr. In der katholischen Kirche gelten heute die Bischöfe als Nachfolger der Apostel.

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Kortumstraße

Die Kortumstraße beginnt am Sternbuschweg und endet am Übergang der Mozartstraße in die Lotharstraße. Bekannte Träger der Namens Kortum sind zum Beispiel der Computerpionier Herbert Kortum oder der Mathematiker Hermann Kortum. Die Neudorfer Kortumstraße ist aber nach dem Arzt, Schriftsteller und Zeichner Carl Arnold Kortum benannt. Carl Arnold Kortum wird am 5. Juli 1745 in Mülheim an der Ruhr geboren. Sein Vater Christian Friedrich ist Apotheker, und die familieneigene Engel-Apotheke existiert noch heute. Seine Schulzeit absolviert Carl Arnold in Dortmund, anschließend studiert er an der Universität Duisburg Medizin. 1766, mit knapp 22 Jahren, lässt sich Kortum als Arzt in Mülheim nieder. Zwei Jahre später heiratet er Helene Ehinger, und weil die aus Bochum stammt, übersiedelt die Familie 1770 in das 1500-Einwohner-Dorf. Dort führt Carl Arnold Kortum schnell eine gut gehende Praxis, später wird er Bergarzt und Hofrat. Aber neben der Medizin gehört seine Leidenschaft vor allem der Schriftstellerei. Sein bekanntestes Werk wird die "Jobsiade", oder vollständig "Leben, Meynungen und Thaten von Hieronymus Jobs dem Kandidaten, und wie er sich weiland viel Ruhm erwarb auch endlich als Nachtwächter zu Sulzburg starb" - ein Titel, der heute sicher nicht mehr für einen Bestseller garantieren würde. 1790 schreibt Kortum die erste Bochumer Stadtgeschichte und schenkt dem Magistrat einen farbigen Stadtplan, der er selbst gezeichnet hat. Die aufstrebende Stadt dankt es ihm: Ein Kortum gewidmeter Brunnen steht heute vor dem Bochumer Landgericht und seine Büste in der U-Bahn-Station Rathaus. Auch das ehemalige Kaufhaus Kortum ist nach ihm benannt. Sein Grab findet sich seit 1824 auf dem alten Bochumer Friedhof. Den Grabstein hat Carl Arnold Kortum selbst entworfen.

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Keniastraße

Die Keniastraße beginnt am Altenbrucher Damm und endet als Sackgasse auf Höhe der Straße Am Schellberg auf der anderen Seite der Bahnlinie von Duisburg nach Düsseldorf. Sie erschließt heute ein Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Hahnschen Werke. Dieses Stahlwalzwerk mit zeitweise bis zu 3500 Mitarbeitern gilt als Keimzelle des Stadtteils Großenbaum. Während des dritten Reichs im Zuge der sogenannten Arisierung an den Mannesmann-Konzern verkauft, existierte das Werk bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Nach dem Werksgründer ist heute die benachbarte Albert-Hahn-Straße benannt. Die Keniastraße selber erinnert, genau wie andere Straßen der sogenannten Afrikasiedlung in der Umgebung, an die deutsche Kolonialgeschichte. Kenia ist heute eine Republik in Ostafrika an der Küste des Indischen Ozeans. Hauptstadt mit mehr als 3 Millionen Einwohnern ist Nairobi. Frühe Vorläufer des Menschen haben in dieser Gegend bereits seit mehr als 4 Millionen Jahren gelebt, und 1984 entdecken Forscher an einem Fluss in Kenia den „Turkana Boy“, ein rund 1 ½ Millionen Jahre altes menschliches Skelett. Später kommen arabische und römische Händler an die ostafrikanische Küste, der Islam breitet sich aus – aber die eigentliche Geschichtsschreibung in der Region beginnt erst mit der Ankunft der portugiesischen Entdecker im 16. Jahrhundert. Ab dem 18. Jahrhundert kommen die Herrscher aus dem Oman, und 1885 wird Kenia schließlich deutsches Protektorat. Aber nur für wenige Jahre, dann treten die Deutschen das Gebiet im Rahmen des Helgoland-Sansibar-Vertrags an die Briten ab. 1920 wird Kenia offiziell britische Kronkolonie. Spätestens ab dieser Zeit wächst der Widerstand gegen die Fremdherrschaft – auch wegen der Behandlung der afrikanischen Einwohner. So muss jeder Afrikaner, der älter als 16 ist, eine Registrierungskarte um den Hals tragen, auf dem seine Arbeitsstunden vermerkt sind. Anfang der 50er Jahre beginnt dann endgültig der Freiheitskampf – aber die Unabhängigkeit erreicht Kenia erst am 12. Dezember 1963.

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Warbruckstraße

Die Warbruckstraße beginnt an der Weseler Straße und endet an der Fahrnerstraße. Benannt ist sie nach einem Bauernhof, dessen erste Erwähnung ins 15. Jahrhundert fällt. Aber lange Zeit verbinden die Duisburger mit der Warbruckstraße vor allem eines: Das Wohnheim für obdachlose Männer mit der Hausnummer 51. Das Heim wird 2003 geschlossen, aber heute prägt die Hausnummer 51 auch das neue Image der Straße. Denn dort steht die DITIB-Merkez-Moschee. Bis zum Jahr 2004 existiert in Marxloh eine provisorische Moschee in einer ehemaligen Industriekantine. Als die Idee aufkommt, das Provisorium durch eine Dauerlösung auf dem Gelände des ehemaligen Männerwohnheims zu ersetzen, denken die Planer sofort weiter: Eine religiöse Begegnungsstätte soll es werden – und die Menschen im Stadtteil sollen genau so in die Planungen eingebunden werden, wie die christlichen Gemeinden in der Umgebung. Finanziert wird das Projekt vom deutschen Dachverband der Moscheegemeinden, aber Fördergelder kommen auch vom Land NRW und der EU. Am 22. März 2005 erfolgt der erste Spatenstich, und dreieinhalb Jahre später, am 26. Oktober 2008, wird die Moschee feierlich eröffnet. Mit mehr als 1000 Plätzen gehört sie zu den größten in Deutschland. Die vier Minarette haben eine Höhe von je 34 Metern - und sollen damit bewusst niedriger sein als die nahe gelegene Kirche St. Peter und Paul. Und die Marxloher Moschee ist wirklich mehr als ein Gebetshaus geworden: Angeschlossen sind die bereits erwähnte interreligiöse Begegnungsstätte, eine Bibliothek, ein Bistro und Seminarräume, die zum Beispiel auch von der Stadt Duisburg gerne für Veranstaltungen genutzt werden. Für Irritationen sorgen allerdings zwischenzeitlich Querelen zwischen der Moscheegemeinde und dem Trägerverein. Trotzdem wird die Moschee mittlerweile „das Wunder von Marxloh“ genannt. Vielleicht, weil sie längst ein Besuchermagnet im Duisburger Norden geworden ist. Oder wegen der relativ kurzen Bauzeit, die fast ohne Probleme verlaufen ist. Oder aber, weil die Anwohner sie sofort akzeptiert haben. Und das kann man wirklich nicht von jedem Moscheebau in Deutschland behaupten...

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Rheinstraße

Die Rheinstraße beginnt an der Friedrich-Ebert-Straße und mündet in die Deichstraße. Die Deichstraße trägt ihren Namen natürlich, weil sie parallel zum Deich verläuft – und hinter diesem Deich liegt der Fluss, der wiederum der Rheinstraße zu ihrem Namen verholfen hat. Logisch: Der Rhein. So weit alles klar? Gut so. Die Quelle des Rheins liegt mitten in den Alpen, im Schweizer Kanton Graubünden auf einer Höhe von 2345 Metern. Nach einer Strecke von gut 1230 Kilometern mündet der Rhein dann in die Nordsee. Das klingt imposant, reicht aber auf der Liste der längsten Flüsse Europas nur für Platz sieben, weltweit sogar nur für Rang 79. Es war aber sicher keine böse Absicht, dass auf einem Schild an der Rheinquelle wegen eines Zahlendrehers jahrzehntelang die falsche Längenangabe 1320 Kilometer stand – und dieser Fehler in fast allen Nachschlagewerken übernommen wurde. Wie auch immer: Der Name „Rhein“ leitet sich wahrscheinlich von einem indogermanischen Wort ab, das „fließen“ bedeutet, und das tut der Rhein bereits seit rund 15 Millionen Jahren. Dabei hat er oft seinen Lauf verändert, auch bei Duisburg, denn der heutige Außen- und Innenhafen ist ja zum Beispiel nichts anderes als ein altes Bett des Rheins, und das Gebiet des heutigen Neuenkamp lag früher auf der linken Rheinseite. Der heutige Verlauf des Flusses hat für Duisburg einige Vorteile – ein Rheinpegel, bei dem die Kölner Altstadt längst unter Wasser steht, entlockt uns in Ruhrort nur ein müdes Lächeln. Dafür ist Köln die größte Stadt entlang des Rheins, wenn auch beileibe nicht die einzige: Zwischen Basel bei Stromkilometer 167 und Rotterdam bei Stromkilometer 1000 liegen auch noch Straßburg, Mainz, Koblenz, Utrecht oder Leiden – um nur einige zu nennen. Und spätestens seit dem 19. Jahrhundert ist der Rhein der Mittelpunkt einer ganz speziellen deutschen Romantik, irgendwo zwischen Nibelungenlied, Ritterburgen, Loreley und gefüllten Weingläsern. Und diese Romantik zieht auch heute noch jedes Jahr Millionen Touristen aus aller Welt an...

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Mülheimer Straße

Die Mülheimer Straße beginnt an der Neudorfer Straße und endet an der Duisburger Stadtgrenze an der Monning. Dahinter beginnt Mülheim an der Ruhr, und deshalb trägt die Mülheimer Straße ihren Namen völlig zurecht. Die Straßenseite mit den geraden Hausnummern hat die Postleitzahl 47057 und liegt auf Neudorfer Gebiet, die Straßenseite mit den ungeraden Hausnummer die Postleitzahl 47058, also Duissern. Die postalische Adresse Mülheimer Straße 273 gehört folglich zu Duissern - und Briefe, die man an diese Adresse sendet, landen beim Duisburger Zoo. Gegründet wird der Zoo am 12. Mai 1934 als Duisburg-Hamborner Tierpark. Der Duisburger Tierparkverein präsentiert auf einem vier Hektar großen Gelände am Kaiserberg zunächst vor allem heimische Tierarten. Aber schon ein Jahr nach der Eröffnung kommen das erste Aquarium und das erste Affenhaus dazu. Auch eine Zoogaststätte gibt es bereits ab 1935. Im 2. Weltkrieg wird der Duisburger Zoo fast völlig zerstört - nur ein Emu, drei Flamingos, sowie einige Esel, Ziegen und Schafe überleben die Bombennächte. Nach dem Krieg wird der Zoo neu aufgebaut - die Tiere kommen zunächst als Leihgabe vom Münchener Tierpark Hellabrunn. 1959 erfolgt die Erweiterung des Geländes auf die andere Seite der A3, und sechs Jahre später wird im Duisburger Zoo das erste Delfinarium in Mitteleuropa eröffnet. 1969 kommen Beluga-Wale dazu - gefangen auf einer Expedition, die heute kein verantwortungsbewusster Zoo mehr planen würde. 1993 bekommt der Zoo sein zweites Alleinstellungsmerkmal: Er ist der erste in Deutschland, der Koalas hält und erfolgreich züchtet - und dieses Monopol behält er 20 Jahre lang. Im kommenden Monat wird der Duisburger Zoo 80 Jahre alt - aber die Zeiten sind schwierig: Regelmäßig muss die Stadt einspringen, um den Zoo finanziell über Wasser zu halten. Und die Delfinhaltung sorgt immer wieder für Proteste von Tierschützern.

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Drachenfelsstraße

Die Drachenfelsstraße beginnt an der Königswinterstraße, kreuzt die Siebengebirgsstraße und endet an der Löwenburgstraße. Und damit sind wir auch schon mitten im Thema, denn der Drachenfels liegt bekanntlich bei Königswinter und gehört genau wie der Berg Löwenburg zum Siebengebirge. Aber der Reihe nach: Von den irritierenderweise 13 Gipfeln des Siebengebirges steht der Drachenfels mit knapp 321 Metern in Sachen Höhe an achter Stelle. Er ist der westlichste Berg des Mittelgebirges und derjenige, der am nächsten zum Rhein liegt. Entstanden ist der Drachenfels durch vulkanische Aktivitäten, und sein Name hängt vermutlich mit der Sage über einen feuerspeienden Drachen zusammen, der auf dem Berg gehaust haben soll. Gleich zwei Burgen hat der Drachenfels zu bieten: Die ältere stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde im dreißigjährigen Krieg zerstört. Die andere ist das Schloss Drachenburg, das erst Ende des 19. Jahrhunderts von einem erfolgreichen Börsenmakler gebaut wurde. Zu dieser Zeit ist der Drachenfels bereits eine touristische Attraktion ersten Ranges: Die Bonn-Cölner Eisenbahn und die Köln-Düsseldorfer Passagierschifffahrt bringen auch ausländische Gäste an den Rhein. 1883 wird die Drachenfelsbahn eröffnet, die erste Zahnradbahn in Deutschland. Hotels und Gaststätten entstehen. Trotz rückläufiger Besucherzahlen in den letzten Jahren gilt der Drachenfels auch heute noch als der meistbestiegene Berg Europas, und wer die Zahnradbahn scheut, kann sich noch immer von einem Esel zum Gipfel tragen lassen. Außerdem hat der Drachenfels Eingang in die Weltliteratur gefunden - unter anderem durch Gedichte von Lord Byron und Heinrich Heine…

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Grüner Weg

Die Straße Grüner Weg beginnt an der Deichstraße und endet an der Asterlager Straße. Ruhige Wohnlage, Einfamilienhäuser - und eine unauffällige Markierung, die diagonal über die Fahrbahn verläuft. Diese Markierung ist praktisch der einzige Hinweis darauf, dass an dieser Stelle einmal die Grenze des Römischen Weltreichs war - denn hier stand die Außenmauer des Kleinkastells Werthausen. Nach der Vernichtung von drei Legionen in der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus enden die Bemühungen der Römer, die rechte Rheinseite zum Teil des Imperiums zu machen. Stattdessen entstehen auf der linken Rheinseite vermehrt Militär- und Zivilsiedlungen, unter anderem Asciburgium, das heutige Moers-Asberg. Tacitus erwähnt das Lager, das zu dieser Zeit direkt an einem schiffbaren Rheinarm liegt, in seinen "Historien" und erzählt in einem anderen Werk ("Germania"), dass sogar Odysseus auf seinen Irrfahrten in Asciburgium Station gemacht hat. Aber der Rheinarm verlandet immer mehr, und irgendwann um das Jahr 85 nach Christus sind die Römer gezwungen, das Kastell aufzugeben. Jetzt muss eine andere Möglichkeit gefunden werden, die gegenüberliegende Mündung der Ruhr in den Rhein zu überwachen. Das Kleinkastell Werthausen am heutigen Grünen Weg entsteht, eine eher kleine Anlage: 38 mal 44 Meter, 4 Türme, 2 Tore und Mauern, die gut einen Meter breit sind. Gut 150 Legionäre leben in den beiden Mannschaftsbaracken. Mitte des dritten Jahrhunderts nach Christus wird das Kleinkastell aufgegeben, und heute ist es als "oberirdisch nicht sichtbares Bodendenkmal" klassifiziert. An seine Existenz erinnert nur noch eine Hinweistafel aus Metall - und die unauffällige Fahrbahnmarkierung auf dem Grünen Weg…

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Röntgenstraße

Die Röntgenstraße zweigt als kurze Sackgasse von der Theodor-Heuss-Straße ab. Ihr Namensgeber, Wilhelm Conrad Röntgen, wird am 27. März 1845 in Lennep geboren, dem heutigen Stadtteil von Remscheid. Wilhelms Vater ist Tuchfabrikant, und als der Junge drei Jahre alt ist, zieht die Familie ins holländische Apeldoorn. Sein Abitur soll Wilhelm an der Technischen Schule in Utrecht machen, aber nachdem er in Verdacht geraten ist, eine Karikatur eines Lehrers angefertigt zu haben, muss er die Schule ohne Abschluss verlassen. 1864 beginnt er trotzdem ein Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule in Zürich – denn die verlangt nur eine erfolgreiche Aufnahmeprüfung, kein Abitur. 1868 macht Wilhelm Conrad Röntgen sein Diplom, anschließend absolviert er ein Aufbaustudium in Physik. Sein weiterer Weg führt in nach Straßburg, nach Gießen und schließlich nach Würzburg. Dort wird er 1888 endlich Professor für Experimentalphysik. Wegen des immer noch fehlenden Abiturzeugnisses muss der bayrische Prinzregent Luitpold ihm diesen Titel persönlich verleihen, aber schon fünf Jahre später wird Röntgen Rektor der Universität Würzburg. In dieser Zeit beginnt er, mit Kathodenstrahlen zu experimentieren – zunächst, ohne an ein konkretes Einsatzgebiet zu denken. Am 8. November 1985 entdeckt er in seinem Würzburger Labor das, was er selber „X-Strahlen“ nennt – und am 22. Dezember gelingt ihm das erste mit dieser Entdeckung aufgenommene Bild: Es zeigt die Hand seiner Frau Anna, und auf ihm ist nicht nur der Ehering genau zu erkennen, sondern auch die Handknochen. Wilhelm Conrad Röntgen hat eine Möglichkeit gefunden, den menschlichen Körper zu durchleuchten. Schnell wird klar, was das vor allem für die Medizin bedeutet. Röntgen könnte ein reicher Mann werden. Aber er verzichtet darauf, sich seine Entdeckung patentieren zu lassen, damit sie sich schneller verbreiten kann. 1901 bekommt Röntgen den ersten Nobelpreis für Physik, und als er am 8. November 1923 stirbt, sind „seine“ Strahlen aus der modernen Wissenschaft längst nicht mehr wegzudenken. Die Strahlen tragen im deutschen Sprachraum auch heute noch seinen Namen. In den meisten anderen Ländern werden sie so bezeichnet, wie Wilhelm Conrad Röntgen sie selber genannt hat: Als „X-Strahlen“.

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Franziskusstraße

Die Franziskusstraße beginnt an der Großenbaumer Allee und endet an der Straße Am Glockenturm. Benannt ist sie nach der benachbarten katholischen Pfarrkirche St. Franziskus, die im Jahr 1912 erbaut wurde. Vorher hatten die Großenbaumer Katholiken für ihre Gottesdienste bis nach Huckingen fahren müssen. Ihr Namensgeber, der Heilige Franziskus, wird 1181 oder 1182 als Giovanni Battista Bernardone in Assisi in Mittelitalien geboren. Sein Vater ist ein reicher Tuchhändler, und Franziskus – so wollen wir ihn weiter nennen – darf Lesen, Schreiben, Rechnen und Latein lernen. In der damaligen Zeit alles andere als eine Selbstverständlichkeit. In seiner Jugend lässt es Franziskus krachen: Mit dem Geld des Vaters finanziert er ausschweifende Feste für sich und seine Freunde. Das ändert sich nach einem Krieg gegen das benachbarte Perugia, den Assisi verliert: Franziskus landet bis 1204 im Kerker. Nach seiner Freilassung meldet er sich noch für einen Kriegszug nach Süditalien, kehrt aber bald wieder um. Der Legende nach hat ihm Gott im Traum befohlen, sich in seinen Dienst zu stellen. Franziskus unternimmt eine Wallfahrt nach Rom und tauscht seine Kleidung mit einem Bettler. Zurück in Assisi beginnt er, Waren aus dem väterlichen Geschäft an die Armen zu verschenken. Es kommt zum Bruch, und sogar zu einem Familienprozess. Franziskus sagt sich öffentlich von seinem Vater los. Dass er das dadurch unterstreicht, dass er sich auf dem Domplatz von Assisi nackt auszieht, sei hier nur am Rande vermerkt. Anschließend führt er ohne Geld das Leben eines Einsiedlers und pflegt Aussätzige. Diese Lebensführung sorgt bei seinen Mitmenschen für tiefes Misstrauen, bringt ihm aber auch Anhänger und Nachahmer. Franziskus bekommt vom Papst die Erlaubnis, eine ordensähnliche Gemeinschaft zu gründen, und als er 1219 als Missionar nach Palästina und Ägypten reist, haben sich seine „Minderen Brüder“ bereits über ganz Europa verbreitet. Aus dem nahen Osten kehrt Franziskus krank zurück. Wenig später gibt er die Leitung des Ordens ab – warum, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Am 3. Oktober 1226 stirbt Franziskus in einer Kapelle vor den Toren von Assisi. Zwei Jahre später wird er heilig gesprochen, und noch heute sind die Franziskaner die größte Ordensbewegung in der katholischen Kirche. Seit dem 13. März 2013 erinnert auch der aktuelle Papst mit seiner Namenswahl an den Heiligen Franziskus von Assisi.

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Werner-Heisenberg-Straße

Die Werner-Heisenberg-Straße verläuft zwischen der Alexstraße und der Fiskusstraße. Ihr Namensgeber, einer der größten Physiker des 20. Jahrhunderts, wird am 5. Dezember 1901 in Würzburg geboren. Werners Vater ist Historiker, sein Fachgebiet Byzanz. Aber den Sohn zieht es mehr zu den Naturwissenschaften. Nach dem Abitur will Werner Heisenberg in München Mathematik studieren, entscheidet sich dann aber für Physik. Das Studium beendet er in der Rekordzeit von drei Jahren, seine Dissertation schreibt er zum Thema „Turbulenz von Flüssigkeitsströmungen“. Heisenberg geht nach Göttingen und wird 1927 Professor an der Universität Leipzig. Während er auf Helgoland seinen Heuschnupfen auskuriert, formuliert er im selben Jahr die Ideen, die heute die Grundlagen der Quantenmechanik bilden, einer der wichtigsten Säulen der modernen Physik. Bereits 1932 wird Werner Heisenberg mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Als die Nazis in Deutschland die Macht ergreifen, emigrieren Physiker wie Albert Einstein oder Erwin Schrödinger. Heisenberg bleibt, aber die angeblich „jüdisch beeinflusste“ Quantenphysik wird im Dritten Reich abgelehnt. Trotzdem ist Heisenberg ab 1942 am deutschen Uranprojekt beteiligt, mit dem erforscht werden soll, wie die neu entdeckte Kernspaltung eingesetzt werden kann – zum Glück ohne konkrete Ergebnisse. Nach dem Krieg leitet Werner Heisenberg noch jahrzehntelang das Max-Planck-Institut für Physik. Am 1. Dezember 1976 stirbt er in München. Und was besagt nun die berühmt gewordene Heisenbergsche Unschärferelation? Zwei wichtige physikalische Eigenschaften eines Teilchens können nicht gleichzeitig genau ermittelt werden. Stellen wir uns eine Radarkontrolle vor: Entweder, wir können messen, wo das Auto sich in diesem Augenblick genau befindet – oder, wie schnell es gerade fährt. Beides zusammen geht nicht. So einfach ist das...

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Jakobsweg

Der Jakobsweg ist, spätestens seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“, auch in Deutschland der bekannteste Pilgerweg überhaupt. Dabei ist der Name eigentlich missverständlich, denn es gibt mehr als einen Jakobsweg. Und einer dieser Wege führt auch durch Duisburg. Spricht man vom Jakobsweg, dann ist üblicherweise die Route gemeint, die von den Pyrenäen über Pamplona, Burgos und Leon nach Santiago de Compostela in Galicien führt – wo das Grab des Apostels Jakobus vermutet wird. Jakobus der Ältere ist der Überlieferung nach einer der ersten Jünger Jesu. Nachdem sein Herr am Kreuz gestorben ist, wird auch Jakobus unter Herodes Agrippa dem Ersten hingerichtet. Seine Anhänger bringen seinen Leichnam auf ein Schiff ohne Besatzung, und dieses Schiff landet schließlich an der Küste von Galicien im Nordwesten von Spanien. Der Apostel wird von Einheimischen im Landesinneren begraben, aber dieses Grab gerät in Vergessenheit. Erst im 9. Jahrhundert wird es wiederentdeckt, und in seiner Umgebung entsteht eine Ortschaft, die den Namen Santiago bekommt. Santiago ist die spanische Form des Namens Jakobus. In den folgenden Jahrhunderten nimmt die Heiligenverehrung in der katholischen Kirche immer breiteren Raum ein, und der Jakobsweg wird zu einem der wichtigsten Pilgerpfade des Christentums. Seine Bedeutung endet mit der Reformation und der Aufklärung, und erst in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wird die Idee der Pilgerreise nach Santiago de Compostela wiederbelebt. Überall in Europa entstehen auf den alten Routen neue Pilgerwege, und einige von ihnen führen auch durch Nordrhein-Westfalen. Der Weg Nummer 9 verläuft von Dortmund bis nach Aachen und folgt einer Wegstrecke, die Kaiser Karl der Vierte im Jahr 1377 zu einer Reise nach Paris und zur Ile-de-France genutzt hat. Duisburger Boden erreicht dieser Jakobsweg im Stadtwald zwischen Mülheim und Neudorf. Er führt an der Universität vorbei und erreicht über die Landfermannstraße die Salvatorkirche am Burgplatz. Anschließend verläuft er nach Süden über das Gebiet der 6-Seen-Platte und am Dickelsbach entlang, bis er hinter Rahm das Duisburger Stadtgebiet wieder verlässt. Von hier nach Santiago de Compostela sind es noch fast 2000 Kilometer...

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Emscherstraße

Die Emscherstraße zweigt in Obermeiderich von der Neumühler Straße ab und endet am Hamborner Altmarkt. Dabei überquert sie mit der Alten Emscher auch den Fluss, dem sie ihren Namen verdankt – und der lange Zeit als das dreckigste Gewässer Europas gegolten hat. Dass die Emscherstraße aber auch vielen Nicht-Duisburgern ein Begriff ist, liegt daran, dass an ihr das mittlerweile wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt liegt: Der Landschaftspark Duisburg-Nord. Anfang des 20. Jahrhunderts ist das Ruhrgebiet längst die Industrieregion, die es noch jahrzehntelang bleiben soll. Die moderne Gesellschaft braucht riesige Mengen von Eisen und Stahl, und überall zwischen Bochum und Recklinghausen, zwischen Dortmund und Duisburg entstehen Hüttenwerke. 1901 lässt August Thyssen von den „Rheinischen Stahlwerken zu Meiderich bei Ruhrort“ die Hütte an der Emscherstraße bauen. Insgesamt fünf Hochöfen erzeugen in den folgenden Jahrzehnten mehr als 37 Millionen Tonnen Roheisen, der letzte von ihnen wird erst 1973 erbaut. Aber in den 80er Jahren gerät der europäische Stahlmarkt in eine Krise. Thyssen konzentriert seine Produktion auf das heutige Werksgelände in Bruckhausen und Schwelgern – die Meidericher Hütte ist überflüssig geworden. Nach der Schließung des Werks 1985 wäre Abriss die naheliegendste Lösung für das mehr als 200 Hektar große Gelände, aber dagegen wehrt sich schnell eine Bürgerinitiative. Viele Duisburger hängen an der Hütte, die ihnen, oft über mehrere Generationen, einen Arbeitsplatz geboten hat. Zur Hilfe kommt die Internationale Bauausstellung Emscherpark, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Zeichen der Industriegeschichte in der Region zu erhalten. Und so wird aus dem Meidericher Werk in den 90er Jahren der Landschaftspark Nord. Die Natur holt sich die Magazine, Bunker und Bahngleise zurück. Aus Werkshallen werden Veranstaltungsorte, der Gasometer zum Tauchrevier und die Schornsteine zu Kletterrouten. Gekrönt wird das Ensemble durch die spektakuläre Lichtinstallation des britischen Künstlers Jonathan Park. Mittlerweile zählt der Landschaftspark Duisburg-Nord mehr als eine Million Besucher pro Jahr und ist damit zum Touristenziel Nummer 1 in der Stadt geworden – und zum meistfotografierten sowieso. Nur zum Weltkulturerbe hat es für das ehemalige Werk – im Gegensatz zur Völklinger Hütte im Saarland – bislang noch nicht gereicht. Aber das kann ja noch werden...

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Böningerstraße

Die Böningerstraße beginnt an der Wallstraße und endet an der Düsseldorfer Straße, in etwa gegenüber vom Lehmbruck-Museum. Das ist kein Zufall, denn da, wo man heute das Museum findet, stand bis Anfang der 60er Jahre die Stadtvilla der Duisburger Fabrikantenfamilie Böninger. Ein gewisser Peter Böninger gründet im ersten dritten des 17. Jahrhunderts in Duisburg eine Kolonialwarenhandlung. Seine Nachfahren Johann Gerhard und Arnold beginnen gut 100 Jahre später mit dem Import und der Verarbeitung von Tabak. Die Pflanzen kommen aus Übersee nach Holland, und die Böningers profitieren von der günstigen Lage ihrer Heimatstadt. Arnold Böninger bringt es bereits zum Kommerzienrat, und sein Einfluss ist so groß, dass Napoleon persönlich bei ihm zum Frühstück vorbei geschaut haben soll. Arnolds Sohn Carl wird dann 1835 erster Präsident der neu gegründeten Duisburger Handelskammer. Das Unternehmen wächst weiter, eine Filiale in Amsterdam wird gegründet und die Schiffe der Familie Böninger fahren bis nach Amerika, Java und Australien. Böninger-Marken wie "Rhenania" werden auch noch in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts verkauft, aber heute lebt die Familie in Süddeutschland und in Duisburg verlieren sich ihre Spuren. Ein Rätsel umgibt zum Beispiel die Kunstschätze, die der Sammler und Weltreisende Eduard Böninger in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammengetragen hat. Die Sammlung, unter anderem mit Stücken aus Ägypten und Fernost, ist seit dem Ende des zweiten Weltkriegs größtenteils verschollen. Verschwunden sind heute auch die Böninger-Villa am Kantpark und die Gebäude der ehemaligen Tabakfabrik an der Stresemannstraße am Innenhafen, die Mitte der 90er Jahre abgerissen wurden. Geblieben sind die Böningerstraße, der Böninger Park und die imposante Familiengruft auf dem Alten Friedhof in Neudorf, die nach jahrzehntelangem Verfall gerade aufwändig renoviert worden ist.

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Zum Steinhof

Die Straße Zum Steinhof beginnt an der Albertus-Magnus-Straße und endet an der Hermann-Spillecke-Straße. Ihr Name erinnert an den westlich der Straße gelegenen ehemaligen Gutshof, zu dem das älteste in Duisburg erhaltene Gebäude gehört: Der mittelalterliche Wohnturm. Inzwischen gilt als gesichert, dass dieser Turm nach dem Jahr 1170 entstanden ist. Um erfassen zu können, wie lange das her ist, sollte man sich vor Augen führen, was um 1170 in der Welt passiert ist: Der vielleicht größte islamische Held Sultan Saladin belagert die Kreuzritterfestung Gaza. Die Normannen erobern Dublin. Durch eine Sturmflut entsteht die holländische Insel Texel. Und geboren werden der Minnesänger Walther von der Vogelweide und der Gründer des Dominikanerordens Dominikus. Aber der Wohnturm in Huckingen entsteht abseits vom Weltgeschehen, und seine Geschichte ist weitgehend unbekannt. Vielleicht dient er zunächst als Zollstation für den Kölner Erzbischof auf halber Strecke zwischen den ehemaligen Königshöfen Duisburg und Kaiserswerth. Ende des 13. Jahrhunderts wird er vermutlich Sitz eines Kleinadligen, und 1454 gelangt der Turm in den Besitz des Düsseldorfer Lambertusstifts – aus dieser Zeit stammt die erste urkundliche Erwähnung. In der Umgebung des Turms sind in der Zwischenzeit Wohngebäude entstanden, die immer wieder umgebaut werden. Nach dem zweiten Weltkrieg wird die Stadt Duisburg Eigentümerin des Steinhofs, und 1971 wird die landwirtschaftliche Nutzung eingestellt. Der Hof und der Wohnturm drohen zu verfallen, und beide sollen für den Bau der Hochtrasse der heutigen U79 in Richtung Düsseldorf abgerissen werden. Das kann verhindert werden, aber es soll noch fast 40 Jahre dauern, bis der Steinhof aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Heute dient er als Kultur- und Veranstaltungszentrum, und die Räumlichkeiten wie der große Saal mit rund 700 Plätzen sind mehr als nur gut gebucht.

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Hannibalstraße

Die Hannibalstraße beginnt an der Freiburger Straße und endet an der Hiberniastraße. Genau wie die Prosperstraße oder die Germaniastraße in der Nachbarschaft ist sie nach einem Bergwerk benannt. Genauer: Nach der ehemaligen Zeche Hannibal in Bochum-Hofstede, auf deren Gelände sich heute ein Einkaufszentrum befindet. Weil man aber davon ausgehen kann, dass diese Zeche ihren Namen dem punischen Feldherrn Hannibal zu verdanken hat, soll heute von ihm die Rede sein. Hannibal wird um 247 vor Christus in Karthago im heutigen Tunesien geboren - als ältester Sohn eines hohen Militärs. Bereits im Alter von neun Jahren begleitet er seinen Vater Hamilkar zum ersten Mal auf einem Feldzug. Auf der iberischen Halbinsel erobert Hamilkar große Gebiete, und Hannibal ist dabei – eine vorprogrammierte Karriere. Hannibal wird Kommandant der Reiterei und 221 vor Christus, mit 26 Jahren, Oberbefehlshaber des Heeres. Durch die militärischen Erfolge gerät Karthago wieder in Konflikt mit dem alten Rivalen Rom. Um zu verhindern, dass die Römer in Spanien einmarschieren, liefert Hannibal sein Glanzstück ab: Mit 50tausend Soldaten, 9tausend Reitern und knapp 40 Kriegselefanten überquert er die Alpen. Der zweite punische Krieg beginnt. In Italien fügt Hannibal den Römern mehrere schwere Niederlagen zu. Aber die Erfolge sind nicht von Dauer, und schließlich wird Hannibal in die Heimat zurück gerufen, denn der römische Feldherr Scipio hat mit seinen Legionen Nordafrika erreicht und den Krieg ins Mutterland der Karthager getragen. 202 vor Christus muss Hannibal bei Zama vor den Toren von Karthago die entscheidende Niederlage hinnehmen. Nach dem Friedensschluss müssen die Karthager an Rom hohe Reparationen zahlen – und Hannibal wird immer mehr zum Sündenbock. Er geht ins Exil, zuerst nach Syrien, dann nach Kreta, schließlich nach Bithynien in der heutigen Türkei. Als die Römer 183 vor Christus vom dortigen Herrscher Hannibals Auslieferung verlangen, begeht der mittlerweile über sechzigjährige Feldherr Selbstmord. Knapp vierzig Jahre später machen die Römer im dritten punischen Krieg seine Heimatstadt Karthago dem Erdboden gleich.

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Von-Spee-Straße

Die Von-Spee-Straße zweigt als kurze Sackgasse von der Forststraße ab. Ihre Namensgeber, die Familie von Spee, sind ein altes rheinisches Adelsgeschlecht. Urkundlich gesichert ist zum Beispiel ein gewisser Bruno Spede, der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in der Verwaltung des Kölner Erzbistums arbeitet. Später stellen die von Spees Ritter im Deutschen Orden und bekleiden hohe Ämter an den Höfen verschiedener rheinischer Fürsten. Einer der bedeutendsten Angehörigen der Familie ist der 1591 geborene Theologieprofessor Friedrich Spee von Langenfeld. Als einer der ersten wagt er es, sich gegen den Hexenwahn seiner Zeit und die Erpressung von Geständnissen durch Folter auszusprechen. Richtiger Gedanke, falsche Epoche: Friedrich Spee muss seine Schrift "Cautio criminalis" anonym erscheinen lassen. Nicht völlig gesichert ist, ob er als Beichtvater Frauen, die wegen Hexerei angeklagt sind, zum Scheiterhaufen begleitet. Erhalten ist aber die umfangreiche Lyrik, die Friedrich Spee geschrieben hat. Weitere wichtige Vertreter der Familie von Spee sind später Franz Josef Anton, der Anfang des 19. Jahrhunderts als Beamter gleich für drei Regierungen arbeitet - für die bayrische, die französische und die preußische -, und der kaiserliche General Maximilian. Sitz der Familie ist seit 1662 das Schloss Heltorf an der Stadtgrenze zwischen Duisburg und Düsseldorf. Dort wohnen die von Spees auch heute noch, der große Schlosspark ist öffentlich zugängig - ansonsten bleibt man aber lieber unter sich. Auf der Homepage der von Spee´schen Forstverwaltung heißt es: "Eine Besichtigung (des Schlosses) ist nicht möglich und nicht erwünscht. Bitte sehen Sie daher von einem Besuch ab, da das in den meisten Fällen von den Bewohnern als Störung der Privatsphäre angesehen würde…".

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Templerstraße

Die Templerstraße beginnt an der Felsenstraße und endet an der Blumenthalstraße. Ihr Name erinnert an den Orden der Tempelritter, oder vollständig: Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem. Nach dem Ende des ersten Kreuzzugs 1099 zieht es viele europäische Pilger nach Jerusalem, wo sie die Heiligen Stätten besuchen wollen. Dabei ist die Seereise über das Mittelmeer das geringste Problem. Aber auf dem weiteren Landweg in Palästina warten Räuberbanden auf die Pilger. Schutz gibt es kaum, denn die meisten Kreuzritter sind nach dem Ende des Krieges in ihre Heimat zurückgekehrt. Schließlich gründen einige französische Ritter einen neuen Orden – neben den klassischen Mönchstugenden Armut, Keuschheit und Gehorsam verpflichten sie sich, die Pilgerwege zu bewachen. Der König von Jerusalem, Balduin der Zweite, überlässt dem Orden 1119 seinen ehemaligen Palast auf dem Tempelberg, der auf den Grundmauern des salomonischen Tempels errichtet worden ist. Die Tempelritter gewinnen schnell neue Mitglieder, vor allem aus dem Adelsstand, und kommen so auch an Landbesitz – in Frankreich, England, Spanien, Portugal und Italien. 1139 wird der Orden direkt dem Papst unterstellt. Die Schatzkammern füllen sich weiter, und die mittlerweile immer mächtiger gewordenen Templer steigen ins Geldgeschäft ein. Sie erfinden einen Kreditbrief, den Vorläufer der heutigen Reiseschecks, und Anfang des 14. Jahrhunderts stehen die meisten europäischen Herrscher bei den Rittern in der Kreide. Vor allem Philipp der Schöne, König von Frankreich, dessen Mitgliedsantrag die Templer auch noch abgelehnt haben. Um aus der Misere herauszukommen, beschuldigt der König die Templer der Ketzerei und der Homosexualität. Am 13. Oktober 1307 werden nahezu alle Mitglieder verhaftet. 1312 wird der Orden endgültig verboten, der letzte Großmeister Jacques de Molay wird zwei Jahre später in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Orden hat aufgehört, zu existieren. Aber noch heute ranken sich um den Templerorden viele Gerüchte und Geschichten: Er soll den Heiligen Gral und die Bundeslade besessen haben, außerdem die Fähigkeit, Gold zum machen, und Jahrhunderte später soll er aus dem Untergrund heraus die französische Revolution angezettelt haben. Auch ein Aberglaube unserer Zeit erinnert an die Tempelritter – denn der 13. Oktober 1307, der dem Orden zum Verhängnis geworden ist, war ein Freitag...

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Wittekindstrasse

Die Wittekindstraße beginnt an der Cäcilienstraße und endet an der Mercatorstraße. „Wittekind“ ist eine Namensvariante von „Widukind“, und gemeint ist der gleichnamige Sachsenherzog. Und damit haben wir zum ersten Mal in dieser Serie eine Straße, die nach einem Mann benannt ist, von dem wir weder das Geburts- noch das Todesdatum kennen – und über den wir auch sonst nicht viel wissen. Wahrscheinlich nicht einmal seinen wirklichen Namen. Denn „Wittekind“ oder „Widukind“ bedeutet „Kind des Waldes“, und ist wohl eher als Ehrentitel zu verstehen. 772 fallen die Franken unter Karl dem Großen in Sachsen ein – wobei unter „Sachsen“ in diesem Zusammenhang eher das Gebiet des heutigen Westfalen zu verstehen ist. Die Eindringlinge zerstören die Irminsul, ein geheimnisvolles heidnisches Heiligtum. In den folgenden Jahren zwingt Karl die sächsischen Adligen, mit ihm Verträge abzuschließen, und will das Land zum Christentum bekehren. Fünf Jahre später, 777, begegnen wir zum ersten Mal dem großen Unbekannten: Als einziger sächsischer Adliger reist Widukind nicht zur fränkischen Reichsversammlung in Paderborn. Stattdessen flieht er nach Dänemark. In seiner Heimat beginnt eine Art Bürgerkrieg gegen die fränkischen Invasoren und die mit ihnen verbündete Oberschicht. Nach seiner Rückkehr führt Widukind seine Landsleute zum Sieg gegen ein fränkisches Heer, zwei hohe königliche Beamte sterben. Karl der Große rächt sich, indem er bei Verden an der Aller 4500 Sachsen hinrichten lässt. Kurz danach ist das kurze Strohfeuer des sächsischen Widerstands beendet: Anscheinend, um einen Waffenstillstand möglich zu machen, lässt sich Widukind Weihnachten 785 in der Königspfalz Attigny taufen. Karl der Große selber ist sein Taufpate. Danach verliert sich Widukinds Spur. Er sei als Mönch in ein Kloster gegangen, sagen die einen. Nein, er wurde von einem Schwager seines Königs erschlagen, berichten andere. Ein Gedenkstein für den Sachsenherzog findet sich jedenfalls in der Stiftskirche von Enger im Kreis Herford. Aber ob Widukind auch wirklich dort begraben wurde, ist bis heute völlig unklar.

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Sansibarstrasse

Die U-förmige Sansibarstraße beginnt und endet an der Daressalamstraße. Sansibar ist eine Inselgruppe 30 Kilometer vor Tansania an der Küste von Ostafrika. Und jetzt wird es ein bisschen kompliziert: Die größte Insel dieses Archipels wird umgangssprachlich ebenfalls Sansibar genannt, obwohl sie Unguja heißt. Dafür trägt die größte Stadt der Insel Unguja wieder den Namen Sansibar. Bereits im achten Jahrhundert erreichen arabische Händler die Inselgruppe. Sie gründen Niederlassungen, und als die Portugiesen Ende des 15. Jahrhunderts nach Sansibar kommen, finden sie dort reiche Städte vor, die Handelsbeziehungen bis nach Indien haben. Kurze Zeit später nimmt Portugal die Inseln in Besitz. Zweihundert Jahre später sind wieder die Araber an der Reihe, genauer gesagt der Sultan von Oman, der Sansibar zu einem Zentrum des Sklavenhandels macht. Im 19. Jahrhundert zieht sogar der komplette omanische Hofstaat auf die Insel Unguja, 50 Jahre später wird Sansibar Teil des britischen Kolonialreichs. Am 27. August 1896 kommt es zum wahrscheinlich kürzesten militärischen Konflikt der Weltgeschichte, dem Britisch-Sansibarischen Krieg. 38 Minuten lang beschießen englische Schiffskanonen den Palast eines selbsternannten Sultans, bis dieser kapituliert. 1963 wird Sansibar schließlich unabhängig, seit 1964 sind die Inseln ein Bundesstaat der Republik Tansania. Heute pflegt Sansibar sein Image als Ferienparadies. Ein Paradies mit erheblichen Problemen: Bei fast jeder Wahl kommt es zu Krawallen - und in den letzten Jahren mehren sich Aktionen von radikalislamischen Gewalttätern...

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Claubergstraße

Die Claubergstraße beginnt an der Königstraße und endet an der Friedrich-Wilhelm-Straße. Ihr Namensgeber Johannes Clauberg wird am 24. Februar 1622 in Solingen geboren. Mit 22 Jahren geht er nach Groningen und studiert dort Philosophie, Theologie und Hebräisch. Das Studium schließt er in gerade einmal 2 Jahren ab, danach reist er nach Frankreich und England, bevor er an der Universität Leiden weitere Vorlesungen über Naturphilosophie hört. Clauberg wendet sich den philosophischen Ansichten von René Descartes zu – und gerät damit ins Abseits. Sein neuer Arbeitgeber, die Universität Herborn, droht ihm mit dem Entzug des Professorentitels, wenn er weiterhin die Lehren des französischen Rationalisten verbreitet. Zusammen mit einigen seiner Studenten zieht Johannes Clauberg deshalb 1651 nach Duisburg und beginnt, am heutigen Landfermann-Gymnasium Philosophie zu unterrichten. Drei Jahre später, 1654, wird die erste Duisburger Universität gegründet. Clauberg gehört zu den Gründungsmitgliedern, wird erster Rektor der neuen Hochschule und lehrt an ihr bis zu seinem Tod am 31. Januar 1665 Theologie. Beigesetzt wird er in der Salvatorkirche, und heute noch erinnert dort eine Gedenktafel an ihn. Neben der Straße wird in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts auch ein Gymnasium im Duisburger Norden nach Johannes Clauberg benannt. Es entsteht in einer Zeit, in der auch Arbeiterkindern ermöglicht werden soll, das Abitur zu machen – in diesem Fall vor allem den Arbeiterkindern aus Hamborn und Marxloh. Mit Computerraum, Fotolabor und Bibliothek erfüllt das Clauberg-Gymnasium alle Voraussetzungen, die man damals an eine moderne Schule stellt – aber mit den Jahren sinken die Schülerzahlen. Als es 2006 nur 39 Neuanmeldungen gibt, untersagt die Bezirksregierung die Bildung von neuen fünften Klassen. Das Clauberg-Gymnasium ist ein Auslaufmodell geworden. 2010 legen die letzten Schüler ihr Abitur ab, danach wird die Schule geschlossen.

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Richard-Wagner-Straße

Die Richard-Wagner-Straße verläuft quer zur Koloniestraße und endet an der Brucknerstraße. Ihr Namensgeber wird als Wilhelm Richard Wagner am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren – als neuntes Kind eines Polizeischreibers und einer Bäckerstochter. Als Richard sechs Monate als ist, stirbt sein Vater an Typhus. Die Familie übersiedelt nach Dresden, aber 1821 – Wagner ist mittlerweile acht – stirbt auch sein Stiefvater. Der Junge kommt zu verschiedenen Verwandten „in Pflege“, wie man damals sagt. Schon als Schüler schreibt er sein erstes Drama „Leubald“. Dann hört er mit 16 Jahren Beethovens Oper Fidelio, und ihm ist klar: Er will Musiker werden. Wagner beginnt, nach Leipzig zurückgekehrt, ein Musikstudium und schreibt bald seine erste Oper „Die Hochzeit“, die nur in Fragmenten erhalten ist. Dann beginnen Richard Wagners Wanderjahre: Auf Umwegen wird er Kapellmeister in Riga im heutigen Lettland. Hier komponiert er seine erste Erfolgsoper „Rienzi“. Aber bald muss er weiterziehen, und dieses Wanderleben behält er über Jahrzehnte bei. Meist, weil der chronisch klamme Komponist Bürger seines jeweiligen Wirkungsortes angepumpt hat und später die Schulden nicht zurückzahlen kann. Ab 1840 lebt Wagner in Paris, der „Fliegende Holländer“ entsteht. Es folgen Dresden, Wien und Zürich. In Italien kommt ihm schließlich die Grundidee zum musikalischen Beginn seines Hauptwerks „Der Ring des Nibelungen“ - der Legende nach im Halbschlaf. Die Reise geht weiter über Venedig und ein kleines Dorf bei Luzern, und endet in Bayreuth. Am 21. September 1874 schließt Wagner die Partitur des „Rings“ ab und plant etwas, dass noch kein Komponist gewagt hat: Seine eigenen Festspiele. Bei den ersten Bayreuther Festspielen 1876 wird der „Ring des Nibelungen“ komplett aufgeführt. Am 13. Februar 1883 stirbt Richard Wagner in Venedig. Seine Opern gehören heute noch zum Standardrepertoire auf allen Bühnen der Welt. Getrübt wird Wagners Bedeutung allerdings von seinem unverhohlenen Antisemitismus, der sich zum Beispiel in seinem Hetzaufsatz „Das Judenthum in der Musik“ äußert. Und endgültige Ruhe gibt er anscheinend auch nicht: Als bei den Bayreuther Festspielen 2013 eine Aufführung vom Publikum gnadenlos ausgebuht wird, soll seine Grabplatte im benachbarten Park heftig gebebt haben.

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Gabrielstraße

Die Gabrielstraße beginnt am Sternbuschweg, mündet in den Gabrielkirchplatz und verläuft dann weiter bis zur Richard-Wagner-Straße. Ihr Namensgeber Gabriel ist ein Erzengel, und in den alten Schriften des Christentums gehen die Meinungen auseinander, ob diese Gattung sieben oder nur vier Exemplare zählt. Klar ist allerdings: Gabriel hat im Himmel einen Chefposten – er ist der Vorgesetzte der Cherubim und der Seraphim, und die wiederum sind selber schon ranghohe Engel. Sein hebräischer Name bedeutet so viel wie „Held Gottes“. Im neuen Testament hat der Erzengel Gabriel zwei große Auftritte, inklusive reichlich Theaterdonner: Zuerst erscheint er dem Ehepaar Elisabeth und Zacharias und verkündet ihnen, dass sie einen Sohn bekommen werden, den sie Johannes nennen sollen. Johannes, der Täufer. Einige Zeit später besucht Gabriel eine Jungfrau in Nazareth und teilt ihr mit, dass auch sie schwanger werden und einen Sohn gebären wird. Diese Nachricht dürfte bei Maria und ihrem um einige Jahre älteren Mann Josef für einige Überraschung gesorgt haben – dafür bringt der himmlische Bote auch diesmal gleich einen Namensvorschlag mit: Jesus soll das Kind heißen. Ansonsten spielt der Erzengel Gabriel in der Bibel keine größere Rolle mehr, aber bitte: Die beiden gerade geschilderten Szenen sind für die Entwicklung der Welt in den letzten 2000 Jahren nicht ganz unwichtig. Auch das Judentum und der Islam kennen den Erzengel. In der jüdischen Überlieferung ist Gabriel allerdings ein rauher Gesell, der ganz aus Feuer besteht und für die Zerstörung der sündigen Städte Sodom und Gomorra verantwortlich ist. Im Islam ist er, obwohl nur in drei Koranversen erwähnt, eine zentrale Figur: Er übermittelt Gottes Offenbarung an den Propheten Mohammed. Und es gibt noch einen Grund, sich an dieser Stelle mit dem Erzengel Gabriel zu beschäftigen – denn er ist der Schutzpatron der Diplomaten, der Müllmänner...und der Radiomoderatoren...

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Rudolf-Schock-Straße

Die Rudolf-Schock-Straße beginnt an der Sedanstraße und endet an der Wörthstraße. Der Mann, dem sie ihren Namen verdankt, wird am 4. September 1915 in Wanheimerort geboren. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie und verliert bereits im Alter von acht Jahren den Vater. Die ganze Familie ist gesangsbegeistert, und Rudolf und seine vier Geschwister treten auf Geburtstagen und Hochzeitsfeiern mit Volksliedern und Operettenmelodien auf. Die Mutter arbeitet als Putzfrau im Duisburger Stadttheater - und das erweist sich als Glücksfall. Rudolf lernt durch sie die Bühne kennen und wird 1932, mit 17 Jahren, in den Opernchor aufgenommen. Eine Karriere beginnt: Er singt erste Solopartien in Duisburg, später kommen Rollen bei den Bayreuther Festspielen, der Städtischen Oper Berlin und der Wiener Staatsoper dazu. Dann beginnt der zweite Weltkrieg, und Schock wird bis zum Kriegsende Soldat. Danach setzt er seine Laufbahn fort und wird 1948 als erster deutscher Sänger nach dem Krieg für die Londoner Oper Covent Garden verpflichtet. Tourneen führen ihn nach Australien und in die USA, er singt auf Schallplatten, in Fernsehproduktionen und Musikfilmen. Ab den 60er Jahren wendet sich Rudolf Schock dann mehr der Unterhaltungs- und Operettenmusik zu - viele Kritiker nehmen ihm das übel. Er selber hat keine Probleme damit. Rudolf Schock stirbt am 13. November 1986. Trotz seiner Ausflüge in die leichte Musik gilt er heute noch als einer der größten Tenöre des 20. Jahrhunderts.

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Schimmi-Gasse

Die Straße, über die wir jetzt sprechen wollen, ist keine Straße, sondern eine Gasse. Das manifestiert sich schon in ihrer überschaubaren Länge von etwa 25 Metern. Die kleine Gasse liegt zwischen dem Leinpfad, der parallel zum Hafenmund verläuft, und der Dammstraße, nicht weit vom Gustav-Sander-Platz. Und eigentlich sollte sie demnächst den klangvollen Namen „Schimmi-Gasse“ tragen. Aber der Reihe nach: In den späten 70er und frühen 80er Jahren gehört der deutsche Fernseh-Kommissar einem bestimmten Typus an: Meist handelt es sich um einen gesetzten, etwas väterlichen Herrn, der seine Fälle ausschließlich kraft der seinem Berufsstand angeborenen Logik löst. Aber dann kommt Horst Schimanski, Duisburg: Schon in seinem ersten Tatort „Duisburg Ruhrort“ prügelt, säuft und flucht sich Schimmi über den Bildschirm, dass es eine Freude ist. Eine Nation ist gespalten: Die Hüter der Fernsehmoral sehen den Untergang des Abendlandes kommen, nicht nur die Duisburger Polizei kritisiert die unrealistischen Ermittlungsmethoden des Berufsgenossen – aber der Mann mit der Feldjacke, der schnell das Attribut „Schmuddel-Kommissar“ angeheftet bekommt, wird Kult. So kultig, dass er Jahre nach dem letzten Tatort-Auftritt „Der Fall Schimanksi“ vom 29. Dezember 1991 zum beliebtesten Tatort-Kommissar aller Zeiten gewählt wird. Dieser Kult bleibt, natürlich auch durch die eigene „Schimanski“-Reihe, die seit 1997 in unregelmäßiger Folge ausgestrahlt wird. Zum Beispiel sind Schimanski-Touren der Renner im Duisburger Sightseeing-Programm. Dann tritt die Ruhrorter Strickguerilla auf den Plan, die bereits durch verschiedene Aktionen über die Grenzen des Stadtteils hinaus bekannt geworden ist: In den frühen Morgenstunden des 27. September 2013 werden in der kleinen Gasse zwischen Leinpfad und Dammstraße zwei gestrickte Straßenschilder aufgehängt, die den stolzen Namen „Schimmi-Gasse“ tragen. Und das nicht zufällig: Die Gasse ist völlig namenlos – und in der Tatort-Folge „Freunde“ von 1986 dient sie als Kulisse für einen Auftritt von Horst Schimanski und seinem Kumpel, gespielt von Klaus Wennemann. Schnell kommt der Wunsch auf, den Ort des Geschehens auch offiziell „Schimmi-Gasse“ zu nennen. Aber das ist nicht so einfach: Nach reiflicher Prüfung entscheidet die Duisburger Stadtverwaltung, dass Straßen nicht nach Kunstfiguren benannt werden dürfen. Außerdem fürchtet man eine Verwechslung mit dem Fußballer Horst Szymaniak. Der wurde ebenfalls „Schimmi“ genannt und soll der Figur des Horst Schimanski sogar als Vorbild gedient haben. Szymaniak kickte in den 50er und 60er Jahren unter anderem für die Spielvereinigung Erkenschwick, Inter Mailand und die Chicago Spurs – und es wäre in der Tat ein bisschen seltsam, in Duisburg eine Straße nach ihm zu benennen. Wie auch immer: Die kleine Gasse zwischen Leinpfad und Dammstraße wird wohl weiter namenlos bleiben. Und das ist natürlich irgendwie...

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Am Innenhafen

Es gibt kaum einen Straßennamen in Duisburg, der mehr Sinn macht als "Am Innenhafen". Die Straße geht aus dem Philosophenweg hervor, führt über den Portsmouthdamm und endet an der Schifferstraße. Und damit führt sie quer durch den…genau. Eigentlich markiert der heutige Innenhafen den alten Verlauf des Rheins. Bis zum 11. Jahrhundert fließt der Rhein direkt am heutigen Burgplatz vorbei, verlagert aber dann sein Bett - und Duisburg ist plötzlich ein gutes Stück weit vom Fluss entfernt. Der tote Rheinarm bleibt aber weitere 400 Jahre schiffbar - erst nachdem er versandet, verliert Duisburg vorübergehend seine Bedeutung als Handelsplatz. Erst im 19. Jahrhundert arbeitet die Stadt an ihrer Rückkehr an den Fluss: Zuerst wird der alte Rheinarm zum heutigen Außenhafen ausgebaggert, später der anschließende Ruhrkanal mit einem 800 Meter langen Hafenbassin. Aus dem Ruhrkanal wird schließlich zwischen 1889 und 1893 der Innenhafen. Erst findet die Holzindustrie hier ihre Heimat, dann die Getreidemühlen mit ihren Speichern, von denen einige noch heute das Bild des Innenhafens prägen. Duisburg wird zum "Brotkorb des Ruhrgebiets". Aber nach 1960 folgt der Wirtschaftliche Niedergang, und der Innenhafen wird zur Terra Incognita am Rande der City - mit Lagerhallen und vor sich hin rostenden Kränen. Das ändert sich in den 90ern mit der Internationalen Bauaustellung Emscherpark: Das Kultur- und Stadthistorische Museum zeigt, was man aus einem alten Speichergebäude machen kann. Andere Beispiele folgen, und der Innenhafen mit seiner Mischung aus Büros, Restaurants und Kulturbetrieben wird zum Vorzeigeobjekt des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Mittlerweile ist der Lack aber schon wieder ein bisschen ab: Der Reiz des Neuen und Exotischen hat sich überlebt, ambitionierte Bauprojekte wie das Eurogate sind zu Totgeburten geworden, und bei dem Metallkubus, der als Erweiterungsbau für das Museum Küppersmühle gedacht war, warten die Duisburger nur auf eins: Dass er endlich weg kommt…

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Goerdeler Park

Der Goerdeler Park beginnt an der Mülheimer Straße und verläuft entlang der Bahngleise Richtung Essen und Oberhausen. Er endet an der Hansastraße auf Höhe der Königsberger Allee – und das ist kein Zufall, denn der Namensgeber des Parks Carl Friedrich Goerdeler war für eine Zeit lang Zweiter Bürgermeister von Königsberg, dem heutigen Kaliningrad.
Aber die Geschichte dieses Mannes beginnt in Schneidemühl. Dort wird Carl Friedrich Goerdeler am 31. Juli 1884 geboren – als Sohn eines hohen preußischen Beamten. Nach dem Abitur studiert er Jura, zuerst in Tübingen, später an der Albertina in Königsberg. Nach dem Examen beschließt Carl Friedrich, Kommunalpolitiker zu werden. Als Vorbereitung darauf und um ökonomische Zusammenhänge zu verstehen, absolviert er Praktika bei der „Bank der ostpreußischen Landschaft“ und der Preußischen Staatsbank in Berlin. Dann bietet ihm die Stadt Solingen die Chance, Gerichtsassessor in der Stadtverwaltung zu werden. Goerdelers politische Karriere beginnt: Schnell bekommt er in Solingen den Posten eines Beigeordneten, kämpft dann aber als Offizier im ersten Weltkrieg. Nach Kriegsende wird er – wie bereits erwähnt – zweiter Bürgermeister von Königsberg und schließlich 1930 Oberbürgermeister der Metropole Leipzig. Bald gilt Carl Friedrich Goerdeler als Favorit auf das Amt des Reichskanzlers, während die NSDAP zu einer starken politischen Kraft in Deutschland wird. Nachdem die Nazis 1933 die Macht übernommen haben, ist er einer der wenigen deutschen Oberbürgermeister, die im Amt bleiben dürfen – obwohl er zuvor mehrmals ein Verbot der NSDAP gefordert hat. Während es sogenannten Judenboykotts am 1. April 1933 besucht Goerdeler demonstrativ ein jüdisches Geschäft, das von SA-Männern umzingelt ist. Vom Amt des Oberbürgermeisters tritt er schließlich 1936 zurück. Goerdelers Weg führt in den Widerstand: Er ist Mitglied eines Kreises von konservativen Politikern, der den Sturz Hitlers vorbereitet. Nach dem Ende der Naziherrschaft soll er das Amt des Reichskanzlers bekommen. Am 14. Juli 1944, sechs Tage vor dem Stauffenberg-Attentat auf Hitler, wird Haftbefehl gegen Carl Friedrich Goerdeler erlassen. Er flieht, wird im August festgenommen und wegen „Verrats am Volke“ zum Tode verurteilt. Vollstreckt wird das Urteil erst am 2. Februar 1945 – der Mann, der eine rechtmäßige neue deutsche Regierung hätte anführen sollen, wird in der Haftanstalt Plötzensee in Berlin erhängt...

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Hertzstraße

Die Hertzstraße beginnt an der Fraunhoferstraße und endet am Sternbuschweg gegenüber vom Alten Friedhof. Benannt ist sie nach dem Physiker Heinrich Hertz. Heinrich Rudolf Hertz wird am 22. Februar 1857 in Hamburg geboren. Er entstammt einer angesehen Familie: Sein Vater ist vom Judentum zum Christentum konvertiert – und bringt es als Jurist bis zum Senator der Hansestadt. Nach dem Abitur beginnt Heinrich in Dresden ein Ingenieurstudium. Nach dem ersten Semester bricht er ab, denn außer den Mathematikvorlesungen langweilt ihn die Thematik. Deshalb geht er nach dem Militärdienst nach München und studiert dort Physik und Mathematik. Schließlich promoviert er 1880 in Berlin im Alter von nur 23 Jahren – mit einer Arbeit über die Rotation von Metallkugeln in einem Magnetfeld – und wird Assistent des berühmten Physikers Hermann von Helmholtz. Drei Jahre später wird Heinrich Hertz Privatdozent für theoretische Physik in Kiel. 1885 wechselt er nach Karlsruhe. Hier forscht Hertz über Radiowellen und weist nach, dass sie sich auf die gleiche Art und Weise und in der gleichen Geschwindigkeit ausbreiten wie das Licht. Täten die Radiowellen das nicht, könnten Sie diesen Beitrag über Heinrich Rudolf Hertz jetzt nicht hören. Ihm gelingt die Übertragung von elektromagnetischen Wellen von einem Sender zu einem Empfänger, außerdem schafft er die Grundlagen für das, was Albert Einstein später in seiner Lichtquantenhypothese formuliert. Berufungen nach Berlin, Gießen und Amerika lehnt Hertz 1889 ab und wechselt an die Universität Bonn – vielleicht, weil er zu dieser Zeit schon nicht mehr gesund ist. Seine Bonner Jahre sind von Krankheiten geprägt, und am 1. Januar 1894 stirbt Heinrich Rudolf Hertz im Alter von nur 36 Jahren an der Wegener-Granulomatose, einer Entzündung des Gefäßsystems. Seit dem Jahr 1930 heißt die physikalische Einheit für die Frequenz „Hertz“. Im gleichen Jahr lassen die neuen Machthaber das Portrait von Heinrich Hertz wegen seiner jüdischen Abstammung aus dem Hamburger Rathaus entfernen – und seine Witwe verlässt mit den gemeinsamen Töchtern Deutschland und zieht nach England...

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Kuhlenwall

Der Kuhlenwall beginnt am Kuhtor und endet am Stapeltor – und folgt damit dem Verlauf der alten Duisburger Stadtmauer. Dass eine solche Mauer für den aufstrebenden Handelsplatz Duisburg sinnvoll sein könnte, dürften die damaligen Stadtoberen spätestens 883 gemerkt haben, als das ungeschützte Duisburg von den Wikingern dem Erdboden gleichgemacht wird. Trotzdem dauert es bis zum Jahr 1120, bis mit dem Bau der Befestigung begonnen wird. Sie hat eine Länge von fast 2 ½ Kilometern und 4 Tore. Geschützt wird die Stadtmauer von zwei Wassergräben – und zwischen diesen Gräben verläuft ein Wall. Zwischen den beiden Stadttoren Kuhtor und Stapeltor, deren Namen sich bis heute im Straßenregister erhalten haben, nennen die Duisburger den Wall „Lindenwall“ - natürlich, weil in dem Gebiet viele dieser Bäume stehen. Im Sommer spenden die Linden aber auch Schatten und Kühle, und deshalb prägt sich mit der Zeit der Name „Kuhlenwall“ ein. Der Dichter Johann Heinrich Christian Nonne widmet dem offenbar idyllischen Platz im 19. Jahrhundert sogar ein Gedicht: „Wie Palisaden stehen um den Wall / die dunklen Linden, deren Schattengang / von einem Tore sich zum andern zieht / und freundlich ladet er zur Wandrung ein“. Zu dieser Zeit hat die Duisburger Stadtmauer längst ihre Funktion verloren – aber sie bleibt ein Teil des Stadtbilds. Noch kurz vor dem zweiten Weltkrieg sind 80 Prozent des Mauerwerks erhalten, oft dient es als Rückwand der Bürgerhäuser, wie man es heute noch an der Untermauerstraße sehen kann. Die verläuft übrigens parallel zum Sonnenwall, der – auch hier spricht der Name Bände – deutlich wärmer gelegen ist als der Kuhlenwall. Wie auch immer: Während des 2. Weltkriegs und beim anschließenden Neuaufbau Duisburgs werden große Teile der Stadtmauer zerstört. Auch der Mauerzug, den man heute am Kuhlenwall sehen kann, ist nicht wirklich original – vielmehr wird er in den 60er Jahren aus Abbruchsteinen auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut. Trotzdem hat die Duisburger Mauer auch heute noch eine Länge von 670 Metern – und ist damit die älteste in diesem Umfang erhaltene mittelalterliche Stadtmauer im deutschen Sprachraum...

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Gutenbergstraße

Die Gutenbergstraße beginnt an der Poststraße und geht am Kuhlenwall in die Köhnenstraße über. Ihr Namensgeber Johannes Gutenberg ist weltberühmt, seine Erfindung des Buchdrucks gehört zu den größten Meilensteinen der Menschheitsgeschichte - aber über sein Leben ist erstaunlich wenig bekannt. Große Teile seiner Biographie stützen sich auf Spekulationen, und es gibt kein einziges authentisches Bildnis von ihm. So viel ist klar: Johannes Gutenberg wird als Johannes Gensfleisch um 1400 in Mainz geboren - oder in der Umgebung von Mainz, jedenfalls als Bürger der Stadt. Sein Vater ist ein wohlhabender Kaufmann, und deshalb ist es wahrscheinlich, dass Johannes eine Lateinschule besucht, vielleicht die Klosterschule St. Viktor. Ab 1420 nennt sich die Familie nun nach dem Hof der Eltern "Gutenberg" - aber was Johannes zu dieser Zeit macht, ist unbekannt. Erst 1434 findet sich sein Name in Straßburg wieder - dort existieren Gerichtsakten über einen Rechtsstreit Gutenbergs. Außerdem taucht er bis 1444 in den Straßburger Steuerlisten auf. Was Johannes Gutenberg in den folgenden vier Jahren treibt, ist wieder völlig unklar. Aber im Oktober 1448 nimmt er - nach Mainz zurückgekehrt - einen Kredit über 150 Gulden auf, um eine Druckwerkstatt aufzubauen. Bereits zwei Jahre später haben Gutenbergs Experimente Erfolg: Mit seiner komplett maschinell betriebenen Druckerpresse mit beweglichen Lettern stellt er unter anderem die berühmte, 42zeilige Gutenberg-Bibel her - in rund 180 Exemplaren, von denen heute noch knapp 50 existieren. Außerdem produziert Gutenberg Wörterbücher, Kalender - und Ablassbriefe für die katholische Kirche. Als Drucker in Mainz arbeitet Gutenberg bis 1468, dann stirbt er. Johannes Gutenbergs Grab ist heute unauffindbar, aber sein Buchdruck wird 1997 vom amerikanischen Time-Life-Magazin zur bedeutendsten Erfindung des zweiten Jahrtausends gewählt...

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Felix-Dahn-Straße

Die Felix-Dahn-Straße beginnt an der Barbarastraße. Sie ist auf beiden Seiten von Häusern einer ehemaligen Zechensiedlung gesäumt und endet an der Kreuzung Kalthoffstraße / Sterkrader Straße. Ihren Namen verdankt sie dem Schriftsteller, Juristen und Historiker Felix Dahn - wie man an dieser Aufzählung schon erkennen kann, ein Multitalent. Felix wird am 9. Februar 1834 in Hamburg geboren, sein Vater ist Schauspieler und später schlägt auch sein jüngerer Bruder die Bühnenlaufbahn ein. Die Familie zieht nach München, dort macht Felix Dahn auch sein Abitur und beginnt, Rechtswissenschaften zu studieren. Er wird Professor, zuerst in Würzburg, dann in Königsberg, schließlich in Breslau. Nebenbei betreibt er Geschichtsforschung: 1861 erscheint der erste Band seines wissenschaftlichen Hauptwerks "Die Könige der Germanen", das es bis 1909 auf 11 Bände bringt. Außerdem schreibt er weitere Bücher zu den Themen Spätantike und Völkerwanderung. Aber die reine Wissenschaft ist Felix Dahn zu wenig: In der "Gartenlaube", der damals auflagenstärksten deutschsprachigen Zeitschrift, veröffentlicht er Gedichte, und 1876 erscheint sein noch heute bekannter Roman "Ein Kampf um Rom". Das Buch über den Niedergang des Ostgotenreichs wird 1968 verfilmt - mit Orson Welles in der Hauptrolle. Und Dahn schreibt weiter: dicke historische Romane, Sammlungen von Sagen, außerdem "Kleine Romane aus der Völkerwanderung" in 13 Bänden. Schließlich stirbt Felix Dahn am 3. Januar 1912 in Breslau. Mit mehr als 30tausend Druckseiten ist er zumindest quantitativ einer der bedeutendsten Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts.

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Schulte-Marxloh-Straße

Die Schulte-Marxloh-Straße beginnt an der Ecke Stockholmer Straße / Markgrafenstraße und endet an der Kaiser-Friedrich-Straße. Der Name Marxloh leitet sich von den Begriffen "Mersch" für Weideland und "Loh" für Wald ab - vor einigen hundert Jahren gab es also dort, wo man heute überwiegend Industriekulissen vermutet, vor allem eines: Natur. An der Stelle der Schulte-Marxloh-Straße steht damals der Schultenhof zu Marxloh. Urkundlich erwähnt wird er erstmals 1421. Der Hof ist von Wassergräben umgeben und hat einen Turm, der als Vorratsspeicher, aber auch als Zufluchtsort genutzt wird. Die Eigentümer haben das Recht, für die Obrigkeit - in diesem Fall für das Stift Essen - Steuern einzutreiben. Rund um den Schultenhof entsteht ein Dorf, in dem Mitte des 19. Jahrhunderts rund 300 Menschen leben. Im Jahr 1900 wird Marxloh zusammen mit anderen Dörfern wie Alsum, Bruckhausen und Fahrn zur neuen Landbürgermeisterei Hamborn. Dann beginnt auch hier die Industrialisierung, Werke werden gebaut, und 1925 hat Marxloh bereits 35tausend Einwohner. Trotzdem: Noch nach dem 2. Weltkrieg ist Marxloh, das mittlerweile zu Duisburg gehört, ein Vorzeigestadtteil. Hier gibt es Einkaufsstraßen, Tanzcafés, schicke Restaurants und Kinos - und das alles inmitten von Schwerindustrie und Arbeitersiedlungen. Erst der Strukturwandel Mitte der 70er Jahre verändert den Stadtteil: Die Großindustrie zieht sich zurück, in der Folge müssen auch viele kleinere Betriebe aufgeben. ThyssenKrupp bleibt - und im Schatten der Hochöfen bekommt Marxloh seinen Ruf als "Schmuddelviertel". Aber bei allen Problemen sind mittlerweile Fortschritte zu erkennen - nicht nur durch die mehr als 50 Brautmodeläden, die Kunden aus halb Europa anziehen, und die trotzige Imagekampagne "Made in Marxloh"…

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Philosophenweg

Der Philosophenweg beginnt am Stapeltor. Nach einem Rechtsknick verläuft er parallel zum Innenhafen und endet unterhalb der A59. Aber wer sind die Philosophen, denen der Weg seinen Namen verdankt? Es sind nicht die, die früh am Morgen die Kneipen und Clubs am Innenhafen verlassen und durch die feuchte Luft nach Hause gehen. Vielmehr soll es sich bei den Namensgebern um die Professoren und Studenten der alten Duisburger Universität handeln. Einer Universität, die einen so guten Ruf hatte, dass sie der Stadt im 17. Jahrhundert den Beinamen „Duisburg doctum“, also „gelehrtes Duisburg“, eingebracht hat. Schon ab 1559 hat Duisburg ein akademisches Gymnasium. Hier unterrichtet der Kartograph und Universalgelehrte Gerhard Mercator, und die Schule ist Vorläufer des heutigen Landfermanngymnasiums. 1564 bekommt das Herzogtum Kleve die päpstliche Erlaubnis, in Duisburg eine Universität zu gründen. Zwei Jahre später stimmt auch Kaiser Maximilian II. zu. Der Herrscher fühlt sich geschmeichelt, weil Johannes Corputius ihm seinen heute berühmten Duisburger Stadtplan widmet. Endgültig gegründet wird die Universität allerdings erst fast ein Jahrhundert später, 1654. Duisburg gehört mittlerweile zu Kurbrandenburg, und am 14. Oktober 1655 wird der Lehrbetrieb aufgenommen. Vier Fakultäten hat die neue Hochschule: Medizin, Jura, Theologie und Philosophie. Ihre Gebäude gehören zum Teil zum Katharinenkloster in der heutigen Altstadt. Der große Hörsaal, die Bibliothek und der botanische Garten sind hier untergebracht. Reste der ehemaligen Klosteranlage sind gerade erst im Rahmen der Bauarbeiten für das Stadtfenster an der Steinschen Gasse ausgegraben worden – und es ist kein Zufall, dass gleich nebenan noch heute die Universitätsstraße liegt. Insgesamt rund 6000 Studenten werden über die Jahre an der Duisburger Universität ausgebildet. Aber die Uni bekommt Probleme: Sie gehört zum Reich eines reformierten Herrschers. Die meisten Niederrheiner aber sind Katholiken und schicken ihre Söhne lieber an die katholischen Hochschulen in den Niederlanden. 1818 kommt das Aus. Die Bibliothek und das Universitätszepter ziehen an die Uni Bonn. Eine Hochschule bekommt Duisburg erst 1968 wieder. Ab 1994 heißt sie Gerhard-Mercator-Universität und fusioniert 2003 zur Universität Duisburg-Essen. Immer wieder verhandelt die neue Duisburger Uni mit Bonn über die Rückgabe der Bibliothek und des Universitätszepters – bis heute ohne Erfolg. 

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Verdistraße

Die Verdistraße beginnt an der Nibelungenstraße und endet nach gerade einmal hundert Metern an der Waldstraße. Benannt ist sie nach dem italienischen Komponisten Giuseppe Verdi. Bis heute ist nicht klar, ob Giuseppe Fortunino Francesco Verdi am 9. oder am 10. Oktober 1813 geboren wurde. Er selbst feierte am 9., und deswegen wollen wir bei dieser Version bleiben. Keine Zweifel bestehen am Geburtsort: Le Roncole, ein Dorf im damaligen Herzogtum Parma. Giuseppes Vater ist Gastwirt und betreibt nebenbei noch Landwirtschaft. Sein Talent zeigt sich früh, und Verdi bekommt musikalischen Unterricht von einem Organisten aus der Nachbarschaft. Der reiche Kaufmann Antonio Barezzi sorgt dafür, dass er das Gymnasium besuchen kann und später Musikdirektor im nahe gelegenen Busseto wird. 1838 geht Giuseppe Verdi nach Mailand – er hat mittlerweile das Komponieren von Opern für sich entdeckt. Sein Erstling über den Heiligen Bonifatius wird erfolgreich an der Scala aufgeführt, aber zwei Jahre später wird der Nachfolger „Un giorno di regno“ erbarmungslos ausgepfiffen. Außerdem sterben seine Frau – eine Tochter seines Gönners Barezzi – und seine beiden Kinder. Verdi ist tief getroffen und beschließt, das Komponieren aufzugeben. Erst 1842 kann ihn der Direktor der Scala überreden, wieder eine Oper zu schreiben: „Nabucco“ wird ein sensationeller Erfolg, der Gefangenenchor entwickelt sich zur zweiten italienischen Nationalhymne. Und dieser Erfolg bleibt Verdi treu: In den folgenden Jahrzehnten entstehen unter anderem „Rigoletto“, „La traviata“, „Ein Maskenball“ oder „Don Carlos“. 1871 folgt dann „Aida“. Dass die Oper über die Liebe zwischen einem ägyptischen Heerführer und einer Sklavin zur Eröffnung des Suezkanals komponiert wurde, ist ein hartnäckiges, aber falsches Gerücht – aber immerhin ist der ägyptische Vizekönig der Auftraggeber und die Uraufführung findet in Kairo statt. Mit über 70 Jahren komponiert Giuseppes Verdi noch „Othello“ und „Falstaff“, schließlich stirbt er am 27. Januar 1901 in Mailand. Dort existiert heute noch die „Casa Verdi“, ein von ihm gestiftetes Altersheim für Sänger und Musiker – Verdi selbst soll das Haus sein „bestes Werk“ genannt haben...

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Marientor

Die Straße Marientor beginnt da, wo die Alte Rheinstraße, die Beekstraße und die Kieferstraße aufeinander treffen. Sie unterquert die Hochstraße, die zum Kaßlerfelder Kreisel führt, und geht dann in die Charlottenstraße über. Und: Sie wäre in dieser Serie nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht an ihrem einen Ende die Marienkirche liegen würde – und die hat eine ganz besondere Geschichte. Sie beginnt in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Zeiten sind unruhig: Die Kirche predigt wieder einmal, dass das Ende der Welt kurz bevor steht – und zu allem Überfluss gehören die Heiligen Stätten in Palästina, insbesondere Jerusalem, zum Machtbereich der Muslime, der Ungläubigen. Um das zu ändern, rufen die europäischen Kaiser und Könige zu Kreuzzügen auf – aber der zweite Kreuzzug endet 1148 mit einer vernichtenden Niederlage. Jetzt kommen die Johanniter ins Spiel: Der Orden gründet in Jerusalem ein Hospiz, eine Art Mischung aus Herberge und Krankenhaus. Hier können sich Pilger aus Europa von den Strapazen der monatelangen Reise erholen – aber auch Verwundete werden hier gepflegt. Das Geld für den Bau stammt von einem Reeder aus Amalfi, der gleichzeitig Schiffspassagen ins Heilige Land anbietet und seine Kundschaft gut und sicher untergebracht wissen will. Aber schon der Landweg zur Einschiffung in Italien ist gefährlich, und deshalb beginnen die Johanniter, entlang des Hauptpilgerweges am Rhein weitere Hospize zu bauen. Das erste auf deutschem Boden entsteht 1150 in Duisburg, etwas außerhalb der damaligen Stadtmauern. Gleich nebenan errichtet der Orden eine Kirche, genau da, wo heute die Marienkirche steht. Aber als 100 Jahre später die Duisburger Stadtmauern erweitert werden und die Marienkirche die zweite Pfarrkirche der Stadt wird, existiert das Hospiz wahrscheinlich schon nicht mehr. Auch die Kirche der Johanniter wird Ende des 18. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgerissen und der heutige Kirchenbau entsteht. Aber neben dem Eingang der Marienkirche findet man heute noch die Grundmauern der Apsis der alten Kirche, und davor einen Gedenkstein mit einem Malteserkreuz und der eingravierten Jahreszahl 1150 – zur Erinnerung an die Johanniter, die sich später Malteserritter nennen...

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Am Blumenkampshof

Die Straße Am Blumenkampshof beginnt an der Biegung, in der sich die Kaßlerfelder Straße und die Straße Am Schlütershof treffen, und endet als Sackgasse zwischen der Trasse der A40 und dem Hochwasserschutzdeich am Rheinufer. Ihren Namen verdankt sie einem Bauernhof, der hier bis vor etwa 45 Jahren gestanden hat – einem der ältesten Höfe in der Umgebung. Das Gebiet des heutigen Kaßlerfeld lag ursprünglich am linken Rheinufer. Aber im 12. Jahrhundert, nach einem strengen Eiswinter, sucht sich der Fluss ein neues Bett westlich von seinem ursprünglichen Verlauf. Die Gegend, die die Duisburger „Im Kasseler Feld“ nennen und das benachbarte „Neue Feld“, das heutige Neuenkamp, gehören plötzlich zum rechten Rheinufer. Jahrhundertelang ist die Gegend praktisch unbesiedelt. Das liegt an den häufigen Überschwemmungen, die eine Nutzung des Bodens für die Landwirtschaft schwierig machen. Erst um 1750 werden auf dem Kasseler Feld die ersten Höfe gebaut, einer davon etwas nördlich vom heutigen Ende der Straße Am Blumenkampshof. Erster Eigentümer ist ein Bauer namens van den Berg oder von Berg. Eine seiner Nachfahren, Hendrina von Berg, heiratet um 1800 einen gewissen Theodor Blumenkamp – und der Name des Ehemanns prägt sich auch für den Hof ein. Der Blumenkampshof bleibt bis 1859 in Familienbesitz, danach übernimmt Haniel das Anwesen und verpachtet es weiter. 1905 kauft die Betriebsgemeinschaft Duisburg-Ruhrorter Häfen den Hof – ebenfalls um ihn zu verpachten. 1961 schließlich fällt der in die Jahre gekommenen Blumenkampshof an die Stadt Duisburg, die ihn bis zum Oktober 1967 als Unterkunft für Obdachlose nutzt. Danach wird er abgerissen. Heute erinnert nur noch der Straßenname an den Blumenkampshof.

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Kolpingstraße

Die Kolpingstraße beginnt an der Wittfelder Straße unterhalb der Trasse der A42 und endet an der Kreuzung mit der Jägerstraße. Benannt ist sie nach dem katholischen Priester Adolph Kolping, dem Begründer des Kolpingwerkes. Adolph Kolping wird am 8. Dezember 1813 in Kerpen geboren. Er wächst mit vier Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf: Sein Vater ist Schäfer, und nach der Volksschule macht Adolph eine Lehre als Schuhmacher. Als Handwerksgeselle stellt er während der damals üblichen Wanderschaft fest: Er und seine Berufskollegen müssen unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen leben und arbeiten. Kolping geht nach Köln und beginnt – mit fast 24 Jahren – das Gymnasium zu besuchen. Nach dem Abitur studiert er Theologie, finanziell unterstützt von einer Tochter des Gutsbesitzers, dessen Schafe sein Vater jeden Tag hütet. 1845 wird Adolph Kolping zum Priester geweiht, anschließend arbeitet er in Wuppertal als Kaplan und Religionslehrer. Auch hier sieht er das Elend der Handwerksgesellen. Aber in Wuppertal gibt es einen katholischen Gesellenverein, der sich vor allem um die wandernden Handwerker kümmert – und Kolping beschließt, dieses Modell auch in anderen Städten zu etablieren. 1849 gründet er einen Gesellenverein in Köln – fünfzehn Jahre später existieren bereits mehr als 400 dieser Vereine, die den jungen Handwerkern soziale Unterstützung, Bildung und Unterhaltung bieten. Adolph Kolping stirbt 1865 im Alter von nur 51 Jahren – aber seine Idee lebt weiter: Das Kolpingwerk, der Zusammenschluss der ehemaligen Gesellenvereine, betreibt heute noch in Deutschland rund 260 Kolpinghäuser, die auch den sogenannten Kolpingsfamilien als Treffpunkt dienen. Im ehemaligen Duisburger Kolpinghaus am Dellplatz hat heute die Hausbrauerei Webster ihren Sitz – und wenige Meter weiter findet man das Studentenwohnheim „Adolph Kolping“...

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Zum Schlagbaum

Zum Schlagbaum ist mehr ein Fußgänger- und Fahrradweg als eine Straße. Er beginnt am Großenbaumer Bahnhofsvorplatz und endet an der Brücke, die vom Ortszentrum über die Trasse der Eisenbahn nach Großenbaum-West führt. Der Schlagbaum, dem die Straße ihren Namen verdankt, war Teil einer Zollstelle zwischen dem Herzogtum Berg und dem Herzogtum Kleve. In den Zeiten der EU haben Grenzen für uns beinahe Seltenheitswert – zur Zeit der deutschen Kleinstaaten und Fürstentümer gibt es sie fast an jeder Ecke. Der Schlagbaum, von dem wir sprechen und der die Nordgrenze des Herzogtums Berg gegen die Nachbarn aus Kleve schützen soll, steht im 16. Jahrhundert mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet – genauer gesagt: Im Huckinger Gemarkenwald, der sogenannten Grindsmark. Aber 1532 siedeln sich hier die ersten Menschen an: Die Eheleute Jan und Bede Meypels bauen „an dem großen Baum“, also am Schlagbaum, ihr Wohnhaus. Es ist sehr wahrscheinlich, dass hier bereits kurze Zeit später eine Schankwirtschaft zur Verpflegung von Reisenden entsteht – und diese Tradition setzt sich über die Jahrhunderte fort: Die ehemalige Gaststätte „Huntgeburth“ in dem Haus am Bahnhofsvorplatz, das ungefähr an der Stelle des Schlagbaums steht, ist bei alten Großenbaumern Legende, und heute findet sich dort ein griechisches Restaurant. Trotzdem: Zu einer größeren Ansiedlung wird Großenbaum erst nach 1890, als der Unternehmer Albert Hahn hier ein Stahlwalzwerk aufbaut. 1920 hat das Werk bereits 3500 Mitarbeiter – viele von ihnen siedeln sich mit ihren Familien in der Umgebung an. Bis 1929 gehört Großenbaum zur Bürgermeisterei Angermund, dann wird es nach Duisburg eingemeindet. Heute hat Großenbaum mehr als 10.000 Einwohner – und die feiern die Ursprünge ihres Stadtteils einmal im Jahr mit dem großen Schlagbaumfest...

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Steinsche Gasse

Die Steinsche Gasse beginnt da, wo die Schwanenstraße und die Kuhstraße aufeinandertreffen und endet unterhalb der Hochstraße am Marientor. In ihrer heutigen Form existiert sie erst seit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Nachdem die durch die Bomben der Alliierten entstandenen Trümmer abgetragen waren, wurde die heutige Straßenführung der Steinschen Gasse angelegt. Aber an der gleichen Stelle gab es vorher die Steinstraße – und die verdankte ihren Namen der Tatsache, dass sie wahrscheinlich die erste Straße in Duisburg war, die mit Steinen gepflastert war. Und damit sind wir auch schon beim Thema Straßenbau: Straßen gibt es mindestens seit der Bronzezeit. In den Siedlungen der ersten indischen Hochkultur, der sogenannten Indus-Kultur zwischen 2600 und 1800 vor Christus, konnten gepflasterte Straßen nachgewiesen werden, die sogar über eine Kanalisation verfügten. Später wurden zunächst vor allem große Königs- oder Prozessionsstraßen gebaut, zum Beispiel im Zweistromland, dem heutigen Irak, oder im persischen Reich. Die Etrusker, die vor den Römern große Teile Italiens beherrschten, bauten bis zu 15 Meter breite Straßen, die ebenfalls gepflastert waren und sogar über Fußgängerwege verfügten. Die Römer selber perfektionierten später diese Ideen: Das Imperium, das zu den Zeiten seiner größten Ausdehnung von England bis nach Ägypten und von Nordafrika bis nach Arabien reichte, wurde von tausenden von Straßenkilometern durchschnitten. Der Aufbau der Römerstraßen folgte immer dem gleichen Muster: Grobe Steine, darauf ein Kiesbett, anschließend Sand und ganz oben die Pflastersteine. Diese meist schnurgeraden Straßen wurden von Reisenden genutzt – vor allem aber von den römischen Legionen auf ihren Feldzügen. Dummerweise geriet diese Straßenbaukunst wie so vieles andere im Mittelalter in Vergessenheit – die mittelalterlichen Straßen waren meist Erdwege, auch in den Städten. Nach Regenfällen verwandelten sich diese Wege oft in tiefen Morast. Und deshalb muss es die Bürger des mittelalterlichen Duisburg tief beeindruckt haben, als sie ihre erste gepflasterte Straße bekamen. So tief, dass sie ihr eben den Namen Steinstraße gaben. Die Steinstraße, die Vorgängerin der Steinschen Gasse.

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Nikolaus-Groß-Straße

Die Nikolaus-Groß-Straße beginnt an der Hochstraße und endet an der Straße Zum Aufhauen. Ihren Namen verdankt sie Nikolaus Groß, einem Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Nikolaus Groß wird am 30. September 1898 in Niederwenigern geboren, einem heutigen Ortsteil von Hattingen. Sein Vater ist Zechenschmied, und nach dem Besuch der Volksschule und der Zeit in einem Blechwalzwerk geht auch Nikolaus unter Tage – zuerst als Schlepper, später als Hauer arbeitet er fünf Jahre lang in einem Kohlenbergwerk. In seiner Freizeit bildet Groß sich weiter: Er wird Mitglied im „Gewerkverein christlicher Bergarbeiter“, Jugendsekretär der christlichen Bergarbeitergewerkschaft und mit 23 Jahren Hilfsredakteur der Zeitung „Bergknappe“. 1927, mit 29 Jahren, wechselt er zur Westdeutschen Arbeiterzeitung, deren Chefredakteur er bald wird. Den aufkommenden Nationalsozialismus sieht Groß mit Sorge. Am 14. September 1930 schreibt er: „Wir lehnen als katholische Arbeiter den Nationalsozialismus nicht nur aus politischen und wirtschaftlichen Gründen, sondern entscheidend auch aus unserer religiösen und kulturellen Haltung entschieden und eindeutig ab“. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 gilt die Westdeutsche Arbeiterzeitung als „staatsfeindlich“, aber Nikolaus Groß gelingt es, das Blatt am Leben zu erhalten, ohne inhaltliche Zugeständnisse zu machen. Erst 1938 wird die Zeitung endgültig verboten. Aber Groß schreibt weiter. Zwei seiner Schriften fallen der Gestapo in die Hände – eine von ihnen trägt den Titel „Ist Deutschland verloren?“. Nikolaus Groß muss Verhöre und Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gerät er wieder in den Fokus der Nazis – obwohl er mit der Planung und Ausführung des Attentats nichts zu tun hat. Am 12. August 1944 wird Nikolaus Groß verhaftet und nach Berlin gebracht. Vor dem Volksgerichtshof wird ihm der Prozess gemacht – und sein Richter ist der berüchtigte Roland Freisler. Dessen einzige Begründung für das verhängte Todesurteil lautet: „Er schwamm mit im Verrat, muss folglich auch darin ertrinken“. Am 23. Januar 1945 wird Nikolaus Groß in der Haftanstalt Berlin-Plötzensee erhängt, seine Asche wird über den Feldern verstreut. 2001 wird Nikolaus Groß von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Die Grubenlampe aus seiner Bergmannszeit steht heute in der Krypta des Xantener Doms.

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August-Bebel-Platz

Der August-Bebel-Platz erstreckt sich zwischen der Duisburger Straße und der Friedrich-Engels-Straße. Benannt ist er nach dem Politiker August Bebel, dem Begründer der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Deutschland. August Bebel wird am 22. Februar 1840 im heutigen Kölner Stadtteil Deutz geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters zieht Bebels Mutter mit ihren Kindern zu Verwandten nach Wetzlar. Dort besucht August die Volksschule und macht – nachdem seine Mutter ebenfalls gestorben ist – eine Lehre als Drechsler. Danach unternimmt er 1858 die damals übliche Gesellenwanderung, die ihn bis nach Salzburg führt. Zwei Jahre später eröffnet er in Leipzig eine Werkstatt. Seinen Angestellten zahlt er höhere Löhne als die Konkurrenz – und das bei kürzeren Arbeitszeiten. Und August Bebels Denken wird zunehmend politischer: Er wendet sich dem aufkeimenden Sozialismus zu und wird Delegierter beim „Vereinstag deutscher Arbeitervereine“. Der Kampf der Arbeiter für ihre Rechte wird seine Lebensaufgabe. Zusammen mit Wilhelm Liebknecht gründet er 1866 die radikaldemokratische Sächsische Volkspartei, 1869 schließlich die Sozialdemokratische Arbeiterpartei SDAP. Sein Weg führt ihn in den Reichstag, aber 1870 wird Bebel wegen Hochverrats angeklagt. Später muss er wegen eines anderen angeblichen Delikts tatsächlich für 9 Monate ins Gefängnis. 1892 gibt sich seine Partei, die zwischenzeitlich sogar verboten war, den neuen Namen SPD. Bebel wird einer von zwei Vorsitzenden und verteidigt die junge Sozialdemokratie in den folgenden Jahrzehnten gegen alle Anfeindungen. Erst 1911 hält er seine letzte große Reichstagsrede, in der er vor einem drohenden Krieg warnt. Schließlich stirbt der Mann, den der Volksmund „Arbeiterkaiser“ nennt, im August 1913 in der Schweiz. Am vergangenen Dienstag hat sich sein Todestag zum 100. Mal gejährt.

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Dr.-Alfred-Herrhausen-Allee

Die Dr.-Alfred-Herrhausen-Alle beginnt an der Essenberger Straße und endet als Sackgasse in einem Gewerbegebiet. Benannt ist sie nach dem deutschen Bankmanager Alfred Herrhausen. Herrhausen wird zusammen mit seiner Zwillingsschwester Anne am 30. Januar 1930 in Essen geboren. Sein Vater Karl ist Vermessungsingenieur. Seine Schulzeit verbringt er zum Teil in der Ausleseschule Feldafing der NSDAP – vielleicht ein Detail in Alfred Herrhausens Lebenslauf, das zu den Ereignissen vom 30. November 1989 führt. Nach dem 2. Weltkrieg studiert er Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in Köln. Nach seinem Abschluss arbeitet er bei der Ruhrgas AG und den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen, bis er 1969 zur Deutschen Bank wechselt. Bereits ein Jahr später wird Herrhausen Vorstandsmitglied. Seine Karriere nimmt Fahrt auf: Er wird von der Bundesregierung beauftragt, ein Konzept für den kriselnden deutschen Stahlmarkt zu entwickeln, und schließlich wird er 1988 alleiniger Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Bei allem Erfolg bleibt Alfred Herrhausen der „andere Banker“: Er betont die Verantwortung der Banken und ihrer Manager. Und er tritt für einen teilweisen Schuldenerlass für die Länder der dritten Welt ein. Vielleicht deshalb ist er in den Augen mancher seiner Vorstandskollegen bei der Deutschen Bank ein intellektueller Snob, fast ein Alien. Auch die 80er Jahre sind noch bestimmt von der Angst vor dem Terror der RAF – und Alfred Herrhausen weiß, dass er ein potentielles Opfer ist. In seinem Nachtschrank liegt ein Brief, in dem er schreibt, dass man bei seiner möglichen Entführung den Forderungen der Entführer nicht nachgeben solle. Dann kommt der 30. November 1989: Herrhausen verlässt am Morgen sein Haus in Bad Homburg in seinem Dienstwagen. Nach drei Minuten Fahrzeit, um 8 Uhr 37, detoniert an seiner Wegstrecke eine Bombe, die auf einem Fahrrad am Straßenrand befestigt ist. Alfred Herrhausen bleibt bewusstlos in dem Autowrack sitzen und stirbt nach wenigen Minuten an seinen schweren Verletzungen. Die RAF schickt ein Bekennerschreiben – aber endgültig bewiesen wird die Täterschaft nie. Die zentrale Aussage eines V-Manns des hessischen Verfassungsschutzes entpuppt sich als Luftblase, und noch heute läuft das Ermittlungsverfahren im Mordfall Alfred Herrhausen gegen „unbekannt“...    

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Neanderstraße

Die Neanderstraße beginnt an der Friedrich-Ebert-Straße und endet an der Werntgenstraße. Benannt ist sie nach dem deutschen Kirchenlieddichter Joachim Neander. Neander wird 1650 als Sohn eines Pastors in Bremen geboren. Eigentlich heißt die Familie "Neumann", aber sie geht mit der Mode der Zeit und wählt die griechische Form des Namens. Joachim studiert Theologie und wird 1674 Rektor der Lateinschule in Düsseldorf. Zum Komponieren zieht er sich oft in eine Schlucht bei Mettmann zurück, die von der Düssel durchflossen wird. Nach Neanders frühem Tod 1680 bürgert sich für die Schlucht der Name "Neandertal" ein - und in diesem Tal stoßen Steinbruch-Arbeiter im Jahr 1856 auf Knochenfragmente. Zuerst interessiert sich niemand für den Fund, aber als der Teil eines menschlichen Schädels auftaucht, ziehen die Eigentümer des Steinbruchs den Naturforscher Johann Carl Fuhlrott zu Rate. Der ist schnell der Überzeugung, dass die Knochen zum Skelett eines Urzeitmenschen gehören. Aber nachdem auch der berühmte Pathologe Rudolf Virchow die Knochen untersucht hat und sie für die Reste eines durch Krankheit degenerierten Zeitgenossen hält, gerät der Fund für Jahrzehnte in Vergessenheit. Dann wird klar: Der "Neandertaler", wie der Urzeitmensch mittlerweile genannt wird, hat vor mehr als 40tausend Jahren gelebt. Mittlerweile sind Neandertaler-Knochen in vielen Ländern gefunden worden, einige von ihnen sind sogar bis zu 130tausend Jahre alt. Und auch im Neandertal selbst sind in den letzten Jahren weitere Funde aufgetaucht, unter anderem der ausgefallene Zahn eines Neandertaler-Kindes...

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Schillerstraße

Die Schillerstraße gibt es gleich fünf Mal in Duisburg – zum Beispiel in Rheinhausen zwischen der Schwarzenberger Straße und der Goethestraße. Wie man an der Nachbarschaft zur letztgenannten erkennen kann, ist sie benannt nach dem deutschen Dichter und Philosophen Johann Christoph Friedrich von Schiller. Friedrich Schiller wird am 10. November 1759 in Marbach am Neckar in Württemberg geboren. Er ist der einzige Sohn eines Wundarztes und hat noch fünf Schwestern. Nach dem Umzug nach Ludwigsburg besucht er dort die Lateinschule und schreibt im Alter von 13 Jahren seine ersten Theaterstücke. Auf Befehl des Herzogs geht er später auf die Militärakademie in Stuttgart und studiert dort Medizin. 1776 – Friedrich Schiller ist mittlerweile 17 Jahre alt – erscheint sein erstes gedrucktes Gedicht „Der Abend“. Im gleichen Jahr beginnt er mit der Arbeit an „Die Räuber“ - es soll sein erster Klassiker werden. Aber das Freiheitsdrama erzürnt den Landesherrn, und Schiller wird Festungshaft angedroht. Er flieht und landet zunächst in Thüringen, wo er „Luise Millerin“ schreibt, das später den griffigeren Titel „Kabale und Liebe“ bekommt. Schiller zieht weiter nach Jena und wird dort Professor für Geschichte. 1788 lernt er Johann Wolfgang von Goethe kennen – aber die beiden großen Dichter sind zunächst erbitterte Konkurrenten. Erst später werden sie enge Freunde, auch wenn sie einiges aneinander auszusetzen haben: Goethe nervt Schillers Vorliebe für Tabak und Kartenspiele, Schiller nörgelt über Goethes „wilde Ehe“ mit Christiane Vulpius. Trotzdem zieht er 1799 in Goethes Nähe nach Weimar, wird geadelt und darf sich von da an Friedrich von Schiller nennen. In den folgenden Jahren entstehen unter anderem „Wallenstein“, „Das Lied von der Glocke“ und „Wilhelm Tell“. Aber Schiller ist schwer krank – schon lange leidet er an Tuberkulose. Schließlich stirbt er am 9. Mai 1805. Seine letzte Ruhestätte findet er in der Fürstengruft auf dem Neuen Weimarer Friedhof. 27 Jahre später wird auch Goethe dort bestattet – es ist sein ausdrücklicher Wunsch „an Schillers Seite“ begraben zu werden.

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Kantpark

Der Kantpark liegt mitten im Dellviertel zwischen Friedrich-Wilhelm-Straße, Düsseldorfer Straße und Tonhallenstraße. Entstanden ist er aus dem ehemaligen Villengarten des „Haus Rhein“, das dem Duisburger Kaufmann Theodor Böninger junior gehörte. Schon 1866 wird ein Teil des heutigen Parkgeländes als „Stadtgarten“ bezeichnet. Auf einer Karte aus dem Jahr 1910 findet sich zum ersten Mal die Bezeichnung „Immanuel-Kant-Park“ - denn so heißt der Kantpark vollständig. Der Philosoph Immanuel Kant wird am 22. April 1724 im preußischen Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, geboren. Er ist das vierte Kind eines Handwerkers. Seine Mutter Anna Regina unterstützt seinen Wissensdrang, und Kant studiert an der Universität von Königsberg unter anderem Philosophie, Physik und Mathematik. Hier lernt er die Lehren von Leibniz und Newton kennen – aber nachdem seine erste größere philosophische Abhandlung nicht als Abschlussarbeit anerkannt wird, unterbricht er sein Studium und wird Hauslehrer. 1754, im Alter von 30 Jahren, nimmt er sein Studium wieder auf und schreibt ein Jahr später die „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“. Aber seine akademische Karriere stagniert – erst mit 46 Jahren wird er 1770 Professor für Logik und Metaphysik an der Universität Königsberg. Ab 1781 veröffentlicht er die „Kritik der reinen Vernunft“ und die „Kritik der praktischen Vernunft“ mit dem berühmt gewordenen Kategorischen Imperativ. Dessen Kernsatz lautet: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Vereinfacht ausgedrückt: Das einzig Wichtige und Richtige im Leben ist der gute Wille. Immanuel Kant stirbt am 12. Februar 1804 in Königsberg. Seine letzten Worte sind angeblich „Es ist gut!“. Eine Feststellung, der sich heute nicht alle Besucher des Duisburger Kantparks anschließen werden. Denn der Park gilt als unsicheres Pflaster, und ihn nachts allein zu durchqueren, ist – ehrlich gesagt – vermutlich keine besonders gute Idee...

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Otto-Hahn-Straße

Die Otto-Hahn-Straße beginnt in der Nähe der Gesamtschule Emschertal. Sie überquert die Kleine Emscher und geht schließlich in die Thüringer Straße über. Benannt ist sie nach dem deutschen Chemiker Otto Hahn. Otto Hahn wird am 8. März 1879 in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater ist Glasermeister und hat ein Glasbauunternehmen aufgebaut. Auf seinen Wunsch hin soll Otto Architekt werden, aber der beginnt schon mit 15 Jahren in der elterlichen Waschküche mit chemischen Experimenten. An der Universität Marburg studiert Otto Hahn Chemie, Mineralogie, Physik - und Philosophie. Nach seiner Promotion geht er zunächst nach London, später dann nach Montreal. 1906, nach Deutschland zurückgekehrt, wird er Mitarbeiter der Berliner Universität und entdeckt mit äußerst primitiven Mitteln mehrere radioaktive Substanzen. Unterbrochen vom ersten Weltkrieg forscht Hahn weiter - und 1921 gelingt ihm schließlich die Entdeckung des Uran Z, für die damals neue Wissenschaft Kernphysik ein bahnbrechender Fortschritt. Otto Hahn ist ein Gegner der Nazis, aber nach deren Machtergreifung 1933 denkt er nicht an Emigration und bleibt in Berlin. Es gelingt ihm, zusammen mit seiner Frau Edith viele jüdische Angehörige seines Instituts vor der Deportation in ein Konzentrationslager zu bewahren. Und 1938 schafft er den Triumph: Ausgehend von den Experimenten des Italieners Enrico Fermi beschießt Hahn Uran mit Neutronen und kann nachweisen, dass die Urankerne in mittelschwere Atomkerne zerplatzen - es ist die erste gelungene Kernspaltung. Hahn bekommt den Nobelpreis für Chemie, aber gegen Kriegsende 1945 wird er von den Briten festgenommen und nach Cambridge gebracht - dort erfährt er vom Abwurf der beiden japanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Hahn ist verzweifelt und denkt an Selbstmord - als Entdecker der Kernspaltung fühlt er sich für den Tod von hunderttausenden japanischen Zivilisten verantwortlich. Wenn Otto Hahn vorher noch kein Pazifist war, wird er es jetzt. In den folgenden Jahren wird er zu einem der engagiertesten Vorkämpfer für den Frieden. Otto Hahn stirbt am 28. Juli 1968 im Alter von 89 Jahren in Göttingen. Auf seinem Grabstein ist die Formel der Uranspaltung eingemeißelt.

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Berzeliusstraße

Die Berzeliusstraße beginnt an der Kaiserswerther Straße und endet als Sackgasse am Angerpark. Jöns Jakob Berzelius war ein schwedischer Chemiker, dem wir unter anderem die Buchstabenkürzel für chemische Elemente verdanken - also zum Beispiel das „O" für Sauerstoff. Berzelius ist aber auch der Name eines Unternehmens, dem mehrere Bleihütten gehören und das zu den Marktführern der deutschen Bleiproduktion gehört. Wie auch immer: Zentraler Punkt des Angerparks ist die Heinrich-Hildebrand-Höhe, benannt nach einem Duisburger Heimatforscher. Der 35 Meter hohe künstliche Hügel wurde ab dem Jahr 2006 unter anderem aus den Produktionsabfällen der insolventen Metallhütte Sudamin errichtet. Heute sind der Angerpark und die Heinrich-Hildebrand-Höhe weit über Duisburgs Grenzen hinaus bekannt, denn auf dem Gipfel der begrünten Abraumhalde erhebt sich die Landmarke „Tiger & Turtle - Magic Mountain". Im Frühjahr 2009 ruft die Stadt Duisburg für die Entwicklung dieser Landmarke einen Ideenwettbewerb ins Leben. Mehrere Künstler liefern Entwürfe ab - der Zuschlag geht schließlich an Heike Mutter und Ulrich Genth. Schon die ersten Skizzen der riesigen Skulptur, die einer Achterbahn ähnelt, werden neugierig bestaunt. Der Bau beginnt im August 2010. Finanziert wird das letztlich 2 Millionen Euro teure Objekt zu großen Teilen vom Land Nordrhein-Westfalen, weitere Mittel kommen vom Projekt Kulturhauptstadt 2010. Viele ausführende Firmen arbeiten umsonst an der neuen Landmarke. Aus verzinktem Stahl als Reminiszenz an den Standort entsteht so die 220 Meter lange Gesamtstrecke mit einer Höhe von gut 20 Metern. Am 12. November 2011 wird „Tiger & Turtle - Magic Mountain" eröffnet - und sofort von den Duisburgern und auswärtigen Besuchern in Beschlag genommen. Der Andrang auf die begehbare Achterbahn ist so groß, dass die Skulptur immer wieder gesperrt werden muss. Mittlerweile ist die Idee von Heike Mutter und Ulrich Genth aus dem Duisburger Stadtbild nicht mehr weg zu denken. Aber was haben die Künstler uns mit „Tiger & Turtle" eigentlich sagen wollen? Zitat aus einem Pressetext anlässlich der Eröffnung: „Tiger and Turtle nimmt über die in ihm angelegte Dialektik von Geschwindigkeit und Stillstand Bezug auf die Umbruchsituation in der Region und deren Wandel durch Rückbau und Umstrukturierung....Eine absurd-widersprüchliche Struktur, die sich einer eindeutigen Interpretation widersetzt." Wenn Ihnen das jetzt zu kompliziert war: Kommen Sie einfach mal zur Heinrich-Hildebrand-Höhe und sehen Sie selbst. Ist schön da. Aber reisen Sie am besten mit dem Fahrrad an - darüber freuen sich auch die Anwohner an der Berzeliusstraße, unserem Ausgangspunkt. Denn Parkplätze gibt es nach wie vor so gut wie keine...

 

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Fakir-Baykurt-Platz

Der Fakir-Baykurt-Platz liegt da, wo sich die Augustastraße und die Schillerstraße treffen. Sein Namensgeber Fakir Baykurt war ein türkischer Schriftsteller und Lehrer, der lange in Duisburg gelebt hat. Fakir Baykurt wird am 15. Juni 1929 in einem kleinen Dorf in der südwestanatolischen Provinz geboren. Seine Eltern sind arme Bauern, Fakir ist das zweite von sechs Kindern. Sein Vater stirbt früh, und Fakir kommt zu einem Onkel, der ihn in einer Weberei arbeiten lässt. Erst im Alter von elf Jahren besucht er zum ersten Mal eine Schule - aber schon mit 15 wird er zum Dorfschullehrer ausgebildet. Während dieser Zeit beginnt er zu schreiben - vor allem Erzählungen und Romane. Bereits sein Erstling „Die Rache der Schlangen" bekommt einen Literaturpreis, wird verfilmt und später zu einer Trilogie über seine anatolische Heimat erweitert. Fakir Baykurt geht nach Ankara und studiert an der Pädagogischen Hochschule Literatur. Er setzt sein Studium in den USA fort, und nach seiner Rückkehr in die Türkei wird er Schulinspektor und gründet die demokratische Lehrergewerkschaft. Wegen seiner kritischen Äußerungen gegenüber der Regierung wird Baykurt mehrfach verhaftet. 1979 geht er zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn nach Deutschland. In Duisburg arbeitet Fakir Baykurt als Lehrer in der „Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher". Als Schriftsteller befasst er sich mit dem Leben seiner Landsleute in dem fremden Land - zum Beispiel in „Nachtschicht und andere Erzählungen aus Deutschland". 1984 erhält er den Kinderbuch-Literaturpreis der Stadt Berlin für „Die Friedenstorte". Am 11. Oktober 1999 stirbt Fakir Baykurt an Krebs. Im Jahr 2011 erscheint in Duisburg anlässlich des 50. Jahrestags des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens die erste deutsche Übersetzung seines Romans „Halbes Brot". Das Buch erzählt die Geschichte einer türkischen Witwe, die in Duisburg lebt - und deren Leben anders verläuft, als geplant...

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Steinbruchstraße


Die Steinbruchstraße beginnt an der Koloniestraße und endet an der Lotharstraße. Benannt ist sie nach dem ehemaligen Steinbruch im Duisburger Stadtwald, an den auch der nahe gelegene Steinbruchweg erinnert. Einziges Relikt dieses Steinbruchs ist heute ein kleiner Teich. Dort sind viele Steine gebrochen worden, die immer noch in alten Duisburger Häusern verbaut sind. Und: Der Steinbruch ist Schauplatz einer richtigen Kriminalgeschichte. Einer echten Räubergeschichte, wenn Sie so wollen. Vor langer, langer Zeit - sagen wir gegen Ende des 18. Jahrhunderts - hat ein gefürchteter Räuber am Duisburger Steinbruch sein Hauptquartier. Manche Quellen vermuten in ihm den berühmten Schinderhannes, aber die meisten verweisen auf einen - Entschuldigung - Berufskollegen namens Mathias Weber, den man - warum auch immer - den „Fetzer" nennt. Der Fetzer hat seinen Unterschlupf in einer Höhle in der Nähe des Steinbruchs, dort hütet er die Beute seiner Raubzüge. Die laufen oft nach dem Robin-Hood-Prinzip ab: Der Fetzer nimmt von den Reichen und teilt mit den Armen. Auch aus diesem Grund ist er bei der Obrigkeit nicht sonderlich beliebt, um es mal charmant auszudrücken. Als der Fetzer irgendwann auf die Idee kommt, das Haus des Pfarrers in Mülheim an der Ruhr zu überfallen, dort aber auf heftigen Widerstand trifft, bleibt ihm nur noch die Flucht. Die Polizei jagt ihn durch den Duisburger Stadtwald, und der Fetzer muss sich tagelang in sein Versteck, die Höhle am Steinbruch, zurückziehen. Das ganze Waldgebiet ist umstellt - und der Fetzer weiß, dass er für eine erfolgreiche Flucht ein Pferd braucht. Er schnitzt sich aus einigen Ästen ein Paar Krücken, zerreißt seine Kleidung, macht daraus Verbände an Armen und Beinen und träufelt ein bisschen Blut darauf. Kurz: Der Fetzer sieht plötzlich aus wie ein richtiges Verbrechensopfer. So legt er sich auf den Ästen eines Baums auf die Lauer. Wenig später kommt ein Kohlenhändler aus Mülheim den Weg entlang geritten. Der Fetzer erzählt ihm seine Geschichte: Wie er von bösen Verbrechern auf den Baum gesetzt worden ist - und die Übeltäter auch noch seine Krücken auf die andere Seite des Wegs geschleudert haben. Der hilfsbereite Kohlenhändler gleitet vom Pferd, um die Krücken zu holen - und in diesem Moment springt der Fetzer aus dem Baum in den Sattel, gibt dem Tier die Sporen und reitet davon. Aber das Glück von Mathias Weber, dem Fetzer, ist nur von kurzer Dauer - 1803 wird er gefasst und später in Köln hingerichtet...

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Xantener Straße

Die Xantener Straße beginnt an der Diergardstraße und endet an der Straße Im Bovenkamp. Benannt ist sie natürlich nach der Stadt Xanten am Niederrhein, einer der ältesten Städte Deutschlands. Bereits im Jahr 13 vor Christus gründen die Römer auf dem Fürstenberg beim heutigen Xantener Vorort Birten das Legionslager Vetera, das zeitweise mit 8.000 bis 10.000 Soldaten besetzt ist. Viele dieser Legionäre bleiben nach Ende ihrer Dienstzeit am Niederrhein - und so kommt es neben dem Lager zur Gründung einer zivilen Siedlung. Der römische Kaiser Marcus Ulpius Traianus gibt der neuen Stadt 110 nach Christus seinen Namen - Colonia Ulpia Traiana -, und die entwickelt sich mit den Jahren zum zweitwichtigsten Handelsposten der Römer in Germanien nach Köln. In diesem Gebiet ist auch die christliche Legende vom Heiligen Viktor angesiedelt, einem römischen Offizier, der sich weigert, seinem Glauben abzuschwören und deshalb den Märtyrertod sterben muss. Das Grab des Heiligen genießt bald große Verehrung, und nachdem die Colonia Ulpia Traiana Ende des dritten Jahrhunderts von den Franken zerstört wird, wird über diesem Grab eine Kirche gebaut und eine neue Siedlung entsteht. Aus dem lateinischen Begriff "Ad sanctos" ("Bei den Heiligen") wird über die Jahrhunderte der ungewöhnliche Stadtname Xanten. Heute gehört Xanten zum Kreis Wesel, hat gut 21tausend Einwohner und mit dem Archäologischen Park und seinen römischen Ruinen das größte Freilichtmuseum Deutschlands. Und Xanten ist die einzige deutsche Stadt, deren Name mit einem "X" beginnt.

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Lambarenestraße

Die Lambarenestraße liegt in der sogenannten Afrikasiedlung. Sie beginnt an der Zimmerstraße und endet an der Lüderitzallee. Benannt ist sie nach Lambarene im heutigen Gabun. Der Ort liegt nur wenige Kilometer südlich des Äquators mitten im zentralafrikanischen Regenwald, und sein Name bedeutet „Wir wollen es versuchen...". 27 Grad Durchschnittstemperatur im Jahresmittel, neun Monate Regenzeit, gut 26tausend Einwohner und Stadtbezirke, die wie in Paris „Rive Droite" und „Rive Gauche" heißen - über Lambarene gäbe es nur wenig Spektakuläres zu berichten, wenn Albert Schweitzer hier nicht 1913 sein berühmtes Urwaldhospital gegründet hätte. Albert Schweitzer wird am 14. Januar 1875 als deutscher Staatsbürger im Elsass geboren. Sein Vater betreut eine kleine evangelische Gemeinde, die Mutter ist Pfarrerstochter - kein Wunder, dass Schweitzer an der Universität Straßburg Theologie und Philosophie studiert. Aber Albert Schweitzer beschäftigt sich auch mit Musik, studiert Orgel und schreibt Bücher über Johann Sebastian Bach. Er ist bereits Doktor der Philosophie, als er 1905 mit dem Medizinstudium beginnt. 1913 legt er seine medizinische Doktorarbeit über die psychiatrische Beurteilung von Jesus Christus vor - anschließend geht er nach Lambarene im damaligen Französisch-Äquatorialafrika. Gemeinsam mit seiner Frau baut er das Urwaldkrankenhaus auf, aber nach dem Ausbruch des ersten Weltkriegs werden Beide als Deutsche von der französischen Armee unter Hausarrest gestellt. 1917, krank nach vier Jahren Arbeit in Westafrika, kehren die Schweitzers ins Elsass zurück, und Albert wird ein Jahr später französischer Staatsbürger. Mit Orgelkonzerten bezahlt er seine Schulden und kehrt 1924 nach Lambarene zurück, um das Urwaldhospital zu erweitern. Die kommenden Jahrzehnte verbringt er überwiegend in Afrika - aber auch in Europa macht er sich einen Namen als Pazifist, was dazu führt, dass Albert Schweitzer 1952 den Friedensnobelpreis bekommt. 1960 wird aus Französisch-Äquatorialafrika das unabhängige Land Gabun, und am 4. September 1965 stirbt Albert Schweitzer in Lambarene im Alter von 90 Jahren. Sein Werk, das Albert-Schweitzer-Hospital, existiert dort noch heute - mit Abteilungen für Innere Medizin und Chirurgie. Und mit einer Geburtsklinik...

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Prinz-Albrecht-Straße

Die Prinz-Albrecht-Straße beginnt an der Gerhart-Hauptmann-Straße und endet an der Königsberger Allee. Ihren Namen verdankt sie dem preußischen Prinzen Friedrich Wilhelm Nikolaus Albrecht, einem Neffen von Kaiser Wilhelm dem Ersten. Prinz Albrecht wird 1837 geboren und tritt früh in die Armee ein. Er nimmt am deutsch-französischen Krieg 1870/71 teil und wird später Generalleutnant. 1885 wird er zum Regenten des Herzogtums Braunschweig gewählt - ein politischer Schachzug Bismarcks, durch den der Regierungsantritt des rechtmäßigen Anwärters Ernst August von Cumberland verhindert wird. Prinz Albrecht stirbt 1906 - und dass in Duisburg eine Straße nach ihm benannt wird, liegt auch daran, dass er Ehrenförderer des "Duisburger Kriegervereins" ist. Kriegervereine stehen vermutlich auch noch in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Duisburg hoch im Kurs - und damit sind wir bei der zweiten Geschichte der Prinz-Albrecht-Straße. Denn die gehört damals zu den bevorzugten Wohngegenden des jüdischen Bürgertums in unserer Stadt. In einem der Häuser wohnt Walter Kaufmann. Er ist 1926 von einem jüdischen Anwaltsehepaar adoptiert worden und besucht das Steinbart-Gymnasium. Seine Stiefeltern werden nach der Pogromnacht vom November 1938 verhaftet, deportiert und später in Auschwitz ermordet. Kaufmann gelingt 1939 mit einem Kindertransport die Flucht ins Ausland - sein Elternhaus findet schnell neue Besitzer. Erst lange nach Ende des zweiten Weltkriegs kehrt Walter Kaufmann als Schriftsteller nach Deutschland zurück. Im Frühjahr 2002 habe ich mit ihm einen Streifzug durch Duissern unternommen - und daraus wurde mein allererster Beitrag für das Programm von Radio Duisburg. Auf unserem Weg haben wir damals auch an Kaufmanns ehemaligem Wohnhaus an der Prinz-Albrecht-Straße Halt gemacht...

O-Ton

Walter Kaufmann ist heute 89 Jahre alt - und er kommt noch immer regelmäßig nach Duisburg, um über sein Schicksal zu berichten...

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Daressalamstraße

Die Daressalamstraße liegt im Duisburger Süden, genauer in Großenbaum. Sie geht vom Altenbrucher Damm an der Ecke Lüderitzallee ab und liegt nah an der A59-Abfahrt Großenbaum.
Aber wer oder was ist Daressalam eigentlich?
O-Töne
Daressalam ist ein Städtename, wie der ein oder andere bereits gehört haben könnte.
Benannt wurde die Daressalamstraße nach der größten Stadt in Tansania. Der Hafen des Friedens - wie Dar es Salaam auch übersetzt heißt, ist eine Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern. Sie liegt im Osten von Tansania, direkt am Indischen Ozean. Interessant wurde Daressalam für die Deutschen Ende des 19. Jahrhunderts wegen seines Naturhafens. 1891 bezog die deutsche Kolonialverwaltung von Deutsch-Ostafrika dort ihren Sitz.
Und hier liegt auch der Kern, warum Daressalam als Straßenname in Duisburg verewigt wurde: In Großenbaum gibt es viele verschiedene Strassen, die in den 30er Jahren nach deutschen Kolonien benannt wurden - so eben die Daressalamstraße, aber auch beispielsweise die Togo-, die Sansibar-, die Kenia- oder die Windhukstraße.
Heute ist Daressalam nicht nur die größte Stadt Tansanias, sondern auch Hauptstadt, eine Stadt mit vielen wichtigen Regierungsfunktionen des Landes und eine Stadt mit verschiedenen Universitäten. Traurige Berühmtheit erlangte sie, als vor 15 Jahren ein Terroranschlag vor der Amerikanischen Botschaft in Daressalam elf Menschen tötete.
Eine deutsche Städtepartnerschaft gibt es zwar nicht mit Duisburg, aber seit drei Jahren mit Hamburg.

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Burgplatz

Der Burgplatz liegt zwischen Schwanenstraße, Poststraße und Salvatorstraße als Vorplatz des Duisburger Rathauses. Seinen Namen trägt er völlig zu Recht - die „Burg" war ein fränkischer Königshof, der wahrscheinlich im 8. Jahrhundert auf dem hochwasserfreien Terrain dicht am alten Flusslauf des Rheins erbaut wurde. Die Könige jener Zeit sind fahrendes Volk - in etwa getreu dem Motto „wherever I lay my crown..." ziehen sie durch ihr Land, von einer Pfalz zur anderen. Auch der Duisburger Königshof wird immer wieder zum Zentrum der Macht - alleine zwischen 922 und 1016 sind 18 Besuche von sächsischen Königen urkundlich bezeugt. Rund um den Burgplatz wächst eine Siedlung, und ab dem Jahr 1275 sind Duisburger Bürgermeister bekannt. Aber erst 1361 wird ein „domus consulum", ein Rathaus, erwähnt - wahrscheinlich handelt es sich um einen Teil der mittelalterlichen Königspfalz. Ein erstes neues Rathaus bekommt Duisburg 1843, aber auch das ist bald zu klein. Deshalb beschließt der Magistrat der Stadt 1895 den Bau des Rathauses, das wir noch heute kennen. Zwischen 1897 und 1902 entsteht der Bau im Stil des Historismus, der die italienische Frührenaissance nachahmt. Architekt ist der 27jährige Friedrich Ratzel aus Karlsruhe. Ratzel ist Perfektionist, und zwischen ihm und dem Stadtrat kommt es zu Problemen: Vor allem wegen des kostspieligen Innenausbaus verdreifachen sich die Baukosten auf letztlich 1,5 Millionen Goldmark. Es ist sicher kein Zufall, dass Ratzel als letzten Stein das Portrait eines Narren in die Fassade des Rathauses einsetzen lässt. Nach der kommunalen Neuordnung 1975 taucht das alte Platzproblem wieder auf: 83 Stadträte finden im altehrwürdigen Ratssaal kaum Platz. Die Mercatorhalle wird zur Zwischenlösung, aber in dem riesigen Bau wirken die 83 Volksvertreter mehr als verloren. 1980 kehren sie deshalb in den neu eingerichteten Ratssaal am Burgplatz zurück. Und seit 1995 kann man auch im Trausaal des Rathauses wieder heiraten - der hatte vorher jahrelang als Telefonzentrale der Stadtverwaltung gedient. Weitere Um- und Neubauten der letzten Jahre wie der Franz-Haniel-Hof mit seiner Glaskuppel haben das Duisburger Rathaus weiter aufgewertet. Ach ja: Wenn Sie mal dem Oberbürgermeister schreiben möchten - die korrekte Adresse lautet: Burgplatz 19...

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Curtiusstraße

Die Curtiusstraße in der Innenstadt ist gerade mal 400 Meter lang. Sie führt zwischen der Mercator- und der Düsseldorfer Straße direkt an der Polizeizentrale vorbei. Und wer einen genauen Blick in diese Straße wirft, wird in die Welt von Namensgeber Friedrich Wilhelm Curtius versetzt.
Vor allem auf der von der Düsseldorfer Straße aus gesehenen linken Seite finden sich alte Herrenhäuser, wunderschöne Villen aus längst vergangenen Tagen. Aber wer war dieser Curtius eigentlich?
Friedrich Wilhelm Curtius wurde 1782 in Goch geboren , versuchte sich an einer Apothekerlehre, scheiterte aber und büchste seinem Vater und Lehrherren aus um nach Amerika zu reisen. Wenig später kehrte er zurück und landete 1802 in Duisburg. Er arbeitete zunächst als Buchhalter und Reisender einer Materialwaren- und Weinhandlung. Hier heiratete er 1805 die Amsterdamer Kaufmannstochter Theodore Wilhelmine Pilgrim, die ihm elf Kinder schenkte. Im gleichen Jahr gründete Curtius eine so genannte Drogengroßhandlung und erweiterte diese im Jahr 1824 um eine Schwefelsäurefabrik. Mit ihr entstand das erste industrielle Unternehmen in Duisburg.
Es kamen in den nächsten Jahren eine Sodafabrik, eine Chlorkalkproduktion, eine Allaunproduktionsstätte, eine Tonerdesulfatfabrik und eine Ultramarinfabrik hinzu. Alle Unternehmen blieben an sich selbstständig, wurden aber von Friedrich Wilhelm Curtius im Ganzen geleitet. 1857, also im Alter von 75 Jahren, gab er die Verantwortung für die Unternehmen an seinen Sohn Julius ab. Am Kaiserberg steht ein Denkmal dieses Sohnes.
Die Strasse in der Innenstadt wurde erst im Jahr 1924 nach Friedrich-Wilhelm Curtius und seiner Familie benannt. Die Familie selbst baute die Straße, genau wie die anschließenden Straßen Brockhoff- und Pilgrimstraße selbst aus. Im Jahre 1926 ging sie dann in den Besitz der Stadt über.

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Hanielstraße

Die Hanielstraße liegt in Ruhrort - und das aus gutem Grund. Sie beginnt an der Bergiusstraße und endet an der Eisenbahnstraße. Benannt ist sie nach der Duisburger Unternehmerfamilie Haniel. Im Jahr 1756 eröffnet der Zollbeseher Jan Willem Noot in den Königlichen Gärten in Ruhrort ein Packhaus für Kolonialwaren. Das Grundstück dafür erwirbt er in Erbpacht vom Preußenkönig Friedrich dem Zweiten persönlich. Seine Tochter Aletta führt das Geschäft zusammen mit ihrem Mann bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weiter - und dessen Name ist Jacob Wilhelm Haniel. Später wird das Erbe unter den Söhnen des Paares, Franz und Gerhard, aufgeteilt. Franz kümmert sich zunächst um den Handel mit Steinkohle - später kauft er zusammen mit seinem Bruder und seinen Schwägern drei Eisenhütten in Essen und Oberhausen, darunter die Gutehoffnungshütte. Hinzu kommen der Bau von Dampfschiffen, Lokomotiven und Brücken. Aus dem Familienunternehmen wird ein Konzern, der maßgeblich für die Industrialisierung des Ruhrgebiets verantwortlich ist. Vor allem Franz Haniel fühlt sich dabei sozialen Gedanken verpflichtet: Er gründet für seine Arbeiter eine Kranken- und Unfallkasse und baut Häuser für seine Beschäftigten - zum Beispiel die Siedlung Eisenheim in Oberhausen-Osterfeld. Heute ist Haniel ein weltweit agierendes Unternehmen, das im Hintergrund immer noch von den Mitgliedern der Gründerfamilie gelenkt wird - das operative Geschäft überlässt man aber angestellten Managern. Und der Hauptsitz von Haniel liegt immer noch in Ruhrort.

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Hans-Raulien-Platz

Der Hans-Raulien-Platz liegt in Bruckhausen in der Nähe der Dieselstraße, er existiert aber noch nicht auf allen STraßenkarten. Denn bis zum 12. Mai 2006 gab es hier nur den Heinrichplatz - also den Platz, auf dem das Bruckhauser Leben pulsiert, wo der Wochenmarkt stattfindet und die Menschen sich treffen. An besagtem 12. Mai vor sieben Jahren wurde der neugestaltete, nördliche Teil nach Hans Raulien benannt. Und es hätte keinen passenderen Platz geben können. Hans Raulien war der Schimmi von Bruckhausen, der Polizist im Dorf oder einfach der Mann, der versuchte, in diesem doch recht problematischen Stadtteil für Ordnung zu sorgen und den Menschen zu helfen, wo er nur konnte. Er füllte für sie amtliche Formulare aus, wenn sie es nicht selber konnten, schlichtete Nachbarschaftsstreitigkeiten oder kümmerte sich um Steuererklärungen. Nicht immer stieß er auf Verständnis, wenn er seinen Job über das normale Maß hinaus ausübte. Als er mit seiner Art einmal dermaßen aneckte, dass er von seinem Posten abgelöst werden sollte, stellten sich die Bruckhauser schützend hinter ihn. Privat hatte es Hans Raulien nicht leicht. Er musste in seiner engsten Familie schwere Schicksalsschläge hinnehmen, pflegte auch seine Frau bis zu seinem Tod 19983. Hans Raulien starb mit nur 62 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. Im Jahr 2005 beschloss der Rat, diesem außergewöhnlichen Mann ein Ehrendenkmal zu setzen. Seitdem gibt es in Bruckhausen den Hans Raulien Platz.

 

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Yitzhak-Rabin-Platz

Der Yitzhak-Rabin-Platz bildet das Ende der Straße Springwall. An ihm liegt das Jüdische Gemeindezentrum und er führt weiter zum „Garten der Erinnerung" am Innenhafen. Benannt ist er nach dem israelischen Militär und Politiker Yitzhak Rabin.
Yitzhak Rabin wird am 1. März 1922 in Jerusalem geboren. Sein Vater war aus der Ukraine nach Palästina ausgewandert. Nach der Schule entscheidet sich Rabin zunächst für den bewaffneten Kampf: 1941 wird er Mitglied einer Eliteeinheit einer zionistischen Befreiungsorganisation und nimmt als Angehöriger der britischen Armee am Syrisch-Libanesischen Feldzug teil. Nach der Gründung des Staates Israel wird er als Offizier in die reguläre israelische Armee übernommen. Unter Rabins Kommando gewinnt Israel den Sechstagekrieg gegen Ägypten, Syrien und Jordanien. Ab 1967 beginnt seine politische Karriere - zunächst als israelischer Botschafter in den USA. 1974 löst er Golda Meir als Regierungschef ab - aber nur bis 1977, sein Rücktritt ist die Folge von zwei politischen Krisen. 1984 feiert er sein politisches Comeback als Verteidigungsminister, und 1992 beginnt seine zweite Amtszeit als Ministerpräsident. Der ehemalige Soldat Rabin setzt sich jetzt für Friedensgespräche mit den Palästinensern und den arabischen Ländern ein. Verträge werden abgeschlossen, die unter anderem den Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland vorsehen. 1994 wird Yitzhak Rabin dafür zusammen mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres und PLO-Chef Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Aber seine Friedenspläne bringen ihm nicht nur Freunde ein: Auf Plakaten wird er als Verräter und Mörder bezeichnet, Fotomontagen zeigen ihn mit dem Kopftuch der Palästinenser. Am Abend des 4. November 1995 wird er schließlich während einer großen Friedenskundgebung in Tel Aviv von dem jüdischen Fundamentalisten Jigal Amir erschossen. Wenige Minuten zuvor hat Rabin eine Rede gehalten, in der es heißt: „Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage Euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war...".

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Arndtstraße
Die Arndtstraße in Homberg

Die Arndtstraße ist in Duisburg gleich mehrfach vertreten: Es gibt sie in der Innenstadt, in Rheinhausen, in Laar und in Essenberg. Benannt wurde sie nach Ernst Moritz Arndt - geboren 1769 in Schweden. Er studierte Theologie, wurde Professor der Philologie. Als solcher wurde er zum einen einer, der als bedeutendster Lyriker der Epoche der Freiheitskriege gilt. Zum anderen war Arndt Politiker durch und durch. Er war Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und wurde auch der "Franzosenfresser" genannt, weil er politisch und in seinen Schriften gegen Napoleon kämpfte. Es darf also nicht verwundern, dass Ernst Moritz Arndt mehr als umstritten ist, so sagt der Duisburger Historiker und Strassenkenner Heid über ihn:

O-Ton

Tatsächlich betrachteten die Nationalsozialisten Arndt als einen ihrer Vordenker, nicht zuletzt, weil er das Volk in "reinem" Zustand sehen wollte und weil er Äußerungen wie diese machte:

„Es wird ja hoffentlich einmal eine glückliche deutsche Stunde für die Welt kommen und auch ein gottgeborener Held, [...] der mit scharfem Eisen und mit dem schweren Stock, Scepter genannt, [das Reich] zu einem großen würdigen Ganzen zusammenschlagen kann."

Ernst Moritz Arnd bleibt auch nach seinem Tod 1860 umstritten. Die Umbenennung einer Strasse ist allerdings sehr aufwändig, wird oft von den Anwohnern abgelehnt und bedarf einer Ratsentscheidung.

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Großenbaumer Allee

Die Großenbaumer Allee beginnt am Großenbaumer Bahnhof an der Einmündung der Saarner Straße und endet an der Kreuzung Sittardsberger Allee / Neidenburger Straße. Benannt ist sie - natürlich - nach der Tatsache, dass sie längs durch den Duisburger Stadtteil Großenbaum führt. Aber das würde für eine Folge dieser Serie alleine nicht ausreichen, und deswegen wenden wir uns dem Grundstück mit der Nummer 139 zu - auf dem vor mehr als 75 Jahren ein Schatz gefunden wurde.
Wir schreiben das Jahr 1937: Bei Arbeiten auf dem eben genannten Grundstück schimmert in der Erde plötzlich Gold. Elf römische Goldmünzen, sogenannte Solidi, und ein kleiner, hufeisenförmig gebogener Golddraht kommen nach rund 1600 Jahren wieder ans Tageslicht. Untersuchungen zeigen: Die Münzen sind bis zum Jahr 353 nach Christus geprägt worden. Ihr Erhaltungszustand ist fantastisch, heutzutage würde man ihn „stempelfrisch" nennen, was beweist, dass die Münzen nicht lange im Umlauf gewesen sein können. Die Portraitseiten zeigen Magnentius und Decentius, zwei aufständische Brüder, von denen sich einer zur Zeit Constantius des Zweiten zum Gegenkaiser ausrufen lässt. Aber der Fund gibt Rätsel auf: Während die westliche Rheinseite im vierten Jahrhundert römisches Territorium ist, ist das Land östlich des Rheins von germanischen und fränkischen Stämmen besiedelt. Wie hat sich also ein römischer Goldschatz in dieses Gebiet verirrt? Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass ein germanischer Söldner die Münzen - die damals ein kleines Vermögen darstellten - auf dem Heimweg vergraben hat, als ihm klar wurde, dass es an der Seite von Magnentius und Decentius keine Chance auf den Sieg gab. Warum auch immer: Später kam der Soldat offenbar nicht mehr dazu, seinen Schatz abzuholen.
Die elf Goldmünzen und der kleine Golddraht finden ihre neue Heimat im damaligen Niederrheinischen Museum am Kantpark, da, wo heute das Café Museum und die Cubus-Kunsthalle stehen. Aber im Jahr 1972 werden die Münzen bei einem Einbruch aus ihrer gesicherten Vitrine gestohlen und verschwinden zunächst spurlos. 1979 werden fünf der Münzen bei einem belgischen Kunsthändler sichergestellt - sie sind heute im Kultur- und Stadthistorischen Museum am Innenhafen zu sehen. Die restlichen sechs Goldsolidi von Großenbaum sind immer noch verschollen...

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Die Hardenbergstraße

Wir finden sie zwischen der Nettelbeck- und der Kammerstraße in Neudorf. Auf dieser Straße wohnt der Duisburger Historiker Dr. Ludger Hoseph Heid, der sich mit Straßennamen in Duisburg intensiv beschäftigt hat. Als er vor vielen Jahren auf die Hardenbergstraße zog, stellte er fest, dass fast niemand wusste, wer Hardenberg eigentlich war. Novalis, oder eben Georg Friedrich Freiherr von Hardenberg wurde am 2. Mai 1772 geboren. Er war Schriftsteller und Philosoph genauso wie Bergbauingenieur - und hier auf der ewigen Suche nach der Verbindung von Wissenschaft und Poesie. Hardenberg starb am 25. März 1801 um genau 13 Uhr in Weißenfels an einem Blutsturz infolge der „Schwindsucht" - auch Tuberkulose genannt. Viele seiner Werke wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht.

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Franz-Liszt-Straße

Die Franz-Liszt-Straße zweigt von der Bonertstraße ab. Sie hat mehrere Verzweigungen, die zum Teil als Sackgassen enden und zum Teil auf die Wagnerstraße führen. Benannt ist sie nach dem österreichisch-ungarischen Komponisten und Pianisten Franz Liszt. Franz Liszt wird am 22. Oktober 1811 in Raiding geboren. Der Ort gehört heute zum österreichischen Burgenland, damals aber zum ungarischen Kronland der KuK-Monarchie - und Liszt bevorzugt zeitlebens die ungarische Variante seines Vornamens „Ferenc". Franz Liszt - wir wollen bei dieser Namensvariante bleiben - ist der Sohn eines Verwaltungsbeamten in Diensten des Fürsten Esterhazy, der nebenbei im Orchester des Adeligen das Cello spielt. Sein einziger Sohn ist ein Wunderkind: Franz bringt sich mit sieben Jahren selber das Notenlesen bei und spielt als Neunjähriger sein erstes öffentliches Klavierkonzert - mit einer von ihm selbst komponierten Improvisation. 1822, mit elf Jahren, reist er zum weiteren Klavierstudium nach Wien und erhält dort unter anderem Unterricht von Antonio Salieri, dem angeblichen Mozartmörder. 1823 geht er nach Paris, um dort am Konservatorium zu studieren, und wird als „Petit Litz" bald die Sensation der Pariser Salons. Kritiker nennen ihn den „wiedergeborenen Mozart". Nach dem Tod des Vaters 1827 und dem Scheitern einer Beziehung mit der Tochter des französischen Innenministers verfällt Franz Liszt in tiefe Depressionen und spielt fast zwei Jahre lang keine Konzerte mehr. Er liest religiöse und philosophische Literatur und lernt Schriftsteller wie Victor Hugo und Heinrich Heine kennen. Ab 1832, Liszt ist mittlerweile 21 Jahre alt, wendet sich das Blatt: Franz Liszt bemüht sich, der größte Klaviervirtuose seiner Zeit zu werden - was Paganini für die Geige ist, will er am Klavier sein. Und der Erfolg stellt sich ein. Die nächsten Jahre sind geprägt von Reisen durch ganz Europa, von Triumphen und Misserfolgen - und von Affären. Liszt komponiert immer mehr aufsehenerregende Stücke: Klavierkonzerte, Sinfonien und sinfonische Dichtungen, die ihrer Zeit zum Teil weit voraus sind - vor allem während der 18 Jahre ab 1843, in denen er Kapellmeister in Weimar ist. 1861 verlässt er Weimar, um in Rom seine langjährige Freundin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein zu heiraten - die hat aber plötzlich keine Lust mehr. Liszt bleibt in Rom, wohnt zeitweise im Vatikan und erhält 1865 die niederen Priesterweihen. Sein Hang zum Katholizismus bleibt, trotz seines Lebenswandels, bis zu seinem Tod ungebrochen. 1886 reist er nach Bayreuth, wo seine Tochter Cosima inzwischen als Ehefrau von Richard Wagner lebt. Dort stirbt Franz Liszt am 31. Juli 1886. Auf seinem Begräbnis spielt der nicht minder berühmte Anton Bruckner die Orgel.

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Der Portsmouthplatz

Der Portsmouthplatz ist der Vorplatz des Duisburger Hauptbahnhofs. Er verbindet das Bahnhofsgebäude mit der Mercatorstraße. Dass er nach der Stadt Portsmouth an der englischen Südküste benannt ist, liegt daran, dass Portsmouth und Duisburg seit 1950 Partnerstädte sind. Und dass sie Partnerstädte sind, liegt vielleicht auch daran, dass beide Kommunen einen großen Hafen ihr Eigen nennen. Portsmouth wurde 1180 gegründet und bekam schon 1194 von König Richard I. die Stadtrechte. Zeitgleich wurde im Westen der Hafen angelegt. Ende des 15. Jahrhunderts wurde Portsmouth zum "Royal Dockyard" mit dem ersten europäischen Trockendock seit der Antike. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt nicht nur ein Zentrum der Schwerindustrie, sondern auch der wichtigste Marinestützpunkt der Royal Navy. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 begann von Portsmouth aus die Landung der Alliierten in der Normandie. Heute hat Portsmouth gut 200tausend Einwohner und die größte Bevölkerungsdichte in Großbritannien. Und die Stadt versucht sich - genau wie Duisburg - im Strukturwandel. Die Städtepartnerschaft mit Portsmouth war die erste, die die Stadt Duisburg eingegangen ist. Mittlerweile sind sieben weitere Städte dazu gekommen, zuletzt San Pedro Sula in Honduras. Und das die Frau des scheidenden Kulturdezernenten Karl Janssen Präsidentin der deutsch-honduranischen Gesellschaft ist, ist in diesem Zusammenhang sicher nur ein Zufall...

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Die Krefelder Straße

Die Krefelder Straße beginnt an der Kreuzung Duisburger Straße / Atroper Straße. An der Kreuzung mit der Rheingoldstraße geht sie in den Schelmenweg über. Benannt ist sie - natürlich - nach unserer Nachbarstadt auf der linken Rheinseite, Krefeld. Krefeld (bis 1929 auch mit großem „C" geschrieben) hat heute rund 235.000 Einwohner. Ihre Gründung verdankt die Stadt - wie so viele andere in Deutschland - den Römern. Die errichteten im 1. Jahrhundert nach Christus auf dem Gebiet des heutigen Krefelder Stadtteils Gellep das Kastell Gelduba - eine von vielen Bastionen an der Grenze des Imperiums. Im Mittelalter entstand daraus ein Bauerndorf namens Krinvelde. Krefeld selber wird erstmals 1105 urkundlich erwähnt und erhält 1361 das Recht, einen Jahr- und Wochenmarkt abzuhalten. 1373 folgen die Stadtrechte. Die Stadt wächst, wird aber Ende des 16. Jahrhunderts im Truchsessischen Krieg völlig zerstört und bleibt jahrzehntelang beinahe unbewohnt. Im dreißigjährigen Krieg bleibt Krefeld neutral und wird zum Zufluchtsort von Mennoniten, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Einer von ihnen ist Adolf von der Leyen, dessen Söhne später die erste Seidenweberei in der Stadt gründen. Die sogenannten Seidenbarone verhelfen Krefeld zu Reichtum. Nachdem sich aus den Seidenwebereien eine ausgeprägte Textilindustrie entwickelt hat, bekommt Krefeld den Beinamen „Samt- und Seidenstadt". Im 19. Jahrhundert arbeitet die Hälfte der Bevölkerung in den Textilfabriken, und auch heute noch wird überall in Krefeld Kleidung produziert. Und das Deutsche Textilmuseum hat hier seinen Sitz - mit mehr als 30.000 Ausstellungsstücken aus mehreren Jahrhunderten.

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Die Fraunhoferstraße

Die Fraunhoferstraße beginnt an der Wegnerstraße. Nach zwei 90-Grad-Biegungen führt sie wieder auf die Wegnerstraße zurück. Benannt ist sie nach dem Optiker und Physiker Joseph Fraunhofer. Joseph Fraunhofer wird am 6. März 1787 in Straubing geboren - er ist das elfte Kind eines Glasmeisters. Früh arbeitet er im Betrieb der Eltern mit, aber als Joseph 11 Jahre alt ist, sterben seine Eltern kurz nacheinander. Sein Vormund verschafft ihm eine Lehrstelle als Spiegelschleifer in München - 6 Jahre soll die Ausbildung dauern. 1801, Fraunhofer ist mittlerweile 14, bricht das Wohnhaus seines Lehrherrn über ihm zusammen. Fraunhofer wird gerettet, und diese Rettung erlebt zufälligerweise der bayrische Kurfürst Maximilian IV. mit. Spontan schenkt er dem Waisenkind 18 Dukaten - damals eine beträchtliche Summe. Joseph Fraunhofer beendet seine Lehre und kauft von dem Geld eine Glasschneidemaschine. Ein anderer Förderer ermöglicht dem Jungen den Besuch der Sonntagsschule und verschafft ihm mathematische und optische Fachliteratur. Fraunhofer bildet sich weiter und wird in Benediktbeuern in Oberbayern Werkmeister einer optischen Werkstätte. Er entwickelt neue Glassorten - und neue Schleifmaschinen für optische Gläser. Dann beginnt er mit der Entwicklung von Teleskopen und macht bahnbrechende Erfindungen: Zum Beispiel das Spektroskop, mit dem Licht gebrochen und in seine Bestandteile zerlegt werden kann. Die „Fraunhofersche Beugung" ist noch heute ein fester Begriff in der Physik. Für die Stative seiner Teleskope entwickelt Joseph Fraunhofer die sogenannte „deutsche Montierung", die zumindest in der Amateurastronomie immer noch Standard ist. Einziger Wermutstropfen: In die renommierte bayrische Akademie der Wissenschaften wird Fraunhofer erst nach einigen Querelen aufgenommen, und das auch nur als außerordentliches Mitglied - Schuld ist seine fehlende wissenschaftliche Ausbildung. Als er 1823 endlich vollwertiger Professor wird, hat er nur noch drei Jahre zu leben. 1826 stirbt Joseph Fraunhofer an Lungentuberkulose, im Alter von nur 39 Jahren. Heute ist ein Krater auf dem Mond nach ihm benannt. Und die Idee, dass man forschen, aber gleichzeitig auch Geld verdienen kann, findet sich in der Fraunhofer-Gesellschaft wieder, die auch am Campus der Uni Duisburg-Essen aktiv ist...

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Alte Friedhof

Der Alte Friedhof liegt zwischen dem Sternbuschweg, der Waldstraße und der Güterbahnlinie von Mülheim nach Rheinhausen. Er entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Ersatz für den bisherigen Duisburger Begräbnisplatz, der ungefähr zwischen dem heutigen Amtsgericht und dem CityPalais lag. Im Sommer 1866 wird Duisburg von einer Cholera-Epidemie heimgesucht. Vor allem in Stadtvierteln mit schlechten hygienischen Verhältnissen - und davon gibt es viele - sorgt die Seuche für viele Todesopfer. Ein neuer Friedhof muss her - und auf der Neudorfer Heide findet sich ein noch unbebautes, hochwassergeschütztes Grundstück. Im Oktober 1867 genehmigt die Landesregierung in Düsseldorf das Projekt, eingeweiht wird der Friedhof allerdings erst 1871. Um die neue Begräbnisstätte populärer zu machen, greift Bürgermeister Keller zu ungewöhnlichen Mitteln: Für jede noch nicht belegte Grabstelle auf dem alten Stadtfriedhof bekommt der Eigentümer zwei Gräber in Neudorf. Und viele alte Grabsteine bedeutender Duisburger werden aus der Innenstadt abtransportiert und auf dem neuen Friedhof wieder aufgebaut. Wer ruht nicht gerne in der Nähe von Prominenz. Der Plan geht auf, und heute ist das mittlerweile Alter Friedhof genannte Gelände ein Spiegelbild der jüngeren Duisburger Stadtgeschichte. Hier finden sich unter anderem die Gräber der Oberbürgermeister Carl Lehr und August Seeling, die Gruften der Händlerfamilie Böninger und der Tabakfabrikanten Carstanjen oder das Grabmal des Stadtforschers Heinrich Averdunk. Nicht zu vergessen das Grab von Rochus Styrnol, der wegen seines Soßenrezeptes zumindest in Neudorf weltberühmt ist...

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Friedrich-Alfred-Straße

Die Friedrich-Alfred-Straße beginnt an der Moerser Straße. In ihrem Verlauf wird sie zur Fußgängerzone und endet an der Ecke Atroper Straße / Franz-Schubert-Straße. Benannt ist sie nach dem Industriellen Friedrich Alfred Krupp. Friedrich Alfred Krupp wird am 17. Februar 1854 geboren - in Essen, wie es sich für einen Träger seines Namens gehört. Am Königlichen Gymnasium am Burgplatz erhält er seine humanistische Ausbildung - und sein Weg ist vorgezeichnet, wie schon seine Vornamen verraten: Sein Großvater Friedrich und sein Vater Alfred haben aus der Kruppschen Gussstahlfabrik bereits eines der größten Industrieunternehmen Europas gemacht. Unter dem Enkel Friedrich Alfred Krupp expandiert das Werk weiter. Aus 20tausend Mitarbeitern werden mehr als 45tausend - und allein das Schienennetz der Essener Werksbahn ist mehr als 70 Kilometer lang. 1896 beginnen schließlich die Planungen für das Krupp-Werk in Rheinhausen - und bereits ein Jahr später geht die Friedrich-Alfred-Hütte in Betrieb. Unter anderem werden im damals größten Werk Europas Profilstahl und Walzdraht hergestellt. Aber der erfolgreiche Unternehmer Friedrich Alfred Krupp hat auch - mindestens - eine andere Seite: Sein bevorzugtes Winterdomizil wird die Insel Capri. Hier widmet er sich der Meeresforschung und lässt einen Serpentinenweg in die Küstenfelsen schlagen, der unter dem Namen Via Krupp bis heute eine Touristenattraktion ist. Außerdem baut er eine Höhle für „diverse Festivitäten" aus - und hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass Friedrich Alfred Krupp dort Orgien mit jugendlichen Liebhabern feiert. Kurz nachdem ihn die sozialdemokratische Zeitung „Vorwärts" als Homosexuellen gebrandmarkt hat, stirbt Friedrich Alfred Krupp. Offizielle Todesursache ist ein Gehirnschlag - aber ein Teil der Presse geht von Selbstmord aus...

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Kremerstraße

Die Kremerstraße geht aus der Plessingstraße hervor und endet an der Kreuzung mit der Düsseldorfer Straße. Benannt ist sie nach dem Mathematiker, Geographen, Philosophen, Theologen und vor allem Kartographen - kurz: nach dem Universalgelehrten - Gerhard Mercator. Und Sie fragen sich jetzt natürlich, wie das zusammen passt. Ganz einfach: Gerhard Mercator wurde als Gerard De Kremer am 5. März 1512 in Rupelmonde in Flandern geboren. Und „Mercator" - üblicherweise mit „Kaufmann" übersetzt - ist nichts anderes als die lateinische Fassung des Namens Kremer. Gerard De Cremer - wir wollen zunächst bei diesem Namen bleiben - ist das sechste Kind eines Schuhmachers. Nach dem Tod seines Vaters wird er vom Orden der „Brüder vom gemeinsamen Leben" erzogen. Ab 1530 studiert er an der Universität von Leuwen, Nach seinem Abschluss ist er an der Herstellung von Erd- und Himmelsgloben beteiligt. 1536 heiratet Gerard de Kremer, und zwei Jahre später entsteht seine erste eigene Weltkarte. 1541 wird daraus ein Globus - ein Verkaufserfolg, der über Jahrzehnte anhält. Aber 1544 wird Gerhard Mercator - so wollen wir ihn ab jetzt nennen - wegen Ketzerei für monatelang eingekerkert. Er hatte einen Briefwechsel mit dem Reformator Philipp Melanchthon geführt. Als ihn Wilhelm der Reiche einlädt, Professor an der neuen Universität in Duisburg zu werden, sagt Mercator zu - die Stadt gilt als tolerant in religiösen Ansichten. Mercator wird Lehrer am Akademischen Gymnasium, dem heutigen Landfermann-Gymnasium. Dann veröffentlicht er seine große Weltkarte, die ihn bis in die arabische Welt zur Berühmtheit macht. Gerhard Mercator stirbt am 2. Dezember 1594 als reicher, angesehener Mann in Duisburg. In der Salvatorkirche findet man ein Denkmal für ihn, das Grab selbst ist verschollen. Ach ja: Die sogenannte „Mercatorprojektion" wird heute noch in der See- und Luftfahrt eingesetzt. Einziger Nachteil: Der Nord- und der Südpol sind viel zu groß dargestellt. Aber - wer will da schon hin...

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Die Bertha-von-Suttner-Straße

Die Bertha-von-Suttner-Straße beginnt an der Duisburger Straße, vollführt einen 90-Grad-Linksknick und endet als Sackgasse. Benannt ist sie nach der Pazifistin und Friedensforscherin Bertha von Suttner. Bertha von Suttner wird am 9. Juni 1843 als Bertha Sophia Felicita Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau in Prag geboren. Ihr Vater, ein General, stirbt noch vor ihrer Geburt - er ist bereits 75 Jahre alt. Als Kind lebt Bertha das Leben einer böhmischen Adeligen: Sie lernt mehrere Sprachen, beschäftigt sich mit Musik und reist. Aber ihre Mutter hat eine Leidenschaft für Glücksspiele. Irgendwann ist das Erbe des Vaters aufgebraucht, und Bertha muss 1873 eine Stelle im Haushalt des Industriellen Karl von Suttner in Wien annehmen. Sie verliebt sich in den sieben Jahre jüngeren Arthur, den jüngsten Sohn der Suttners - und er sich in sie. Um die Beziehung zu beenden, schickt Arthurs Mutter Bertha nach Paris - wo sie für einige Zeit Privatsekretärin von Alfred Nobel wird. Dann heiratet Bertha Arthur von Suttner gegen den Willen seiner Eltern. Der wird enterbt, und das Ehepaar geht für acht Jahre nach Georgien, in den Kaukasus. Dort übersetzen beide Bücher und schreiben Unterhaltungsromane. Im Jahr 1889 veröffentlicht Bertha von Suttner den pazifistischen Roman „Die Waffen nieder!", der sie auf einen Schlag berühmt macht - sie wird der erste große Promi der damals brandneuen Friedensbewegung. Sie gründet die „Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde", wir deren erste Präsidentin und bleibt es bis zu ihrem Tod. Später bereist sie monatelang die USA - und die „Friedens-Bertha" (wie sie von deutschen Konservativen abwertend genannt wird) trifft Theodore Roosevelt im Weißen Haus. Am 10. Dezember 1905 erhält Bertha von Suttner schließlich als erste Frau den Friedensnobelpreis. Am 21. Juni 1914, wenige Wochen vor Beginn des Ersten Weltkriegs, stirbt sie an Krebs. Ach ja: Die etwas streng blickende Dame auf der österreichischen 2 Euro-Münze - das ist nicht die Sissi. Das ist Bertha von Suttner.

Der Rabbiner-Neumark-Weg
Gedenkstein für Rabbiner Manass Neumark auf dem Alten Friedhof in Neudorf

Der Rabbiner-Neumark-Weg beginnt an der Gutenbergstraße. Er verläuft parallel zum Kuhlenwall entlang der alten Stadtmauer. Benannt ist er nach Dr. Manass Neumark, dem ersten Rabbiner der alten jüdischen Gemeinde in Duisburg. Als Manass Neumark 1905 mit seiner Frau aus Posen nach Duisburg kommt, ist er 30 Jahre alt. Die jüdische Gemeinde in Duisburg ist stark an die deutsche Gesellschaft, die sie umgibt, angepasst.
Bildung und ein bürgerlicher Lebensstandard haben einen hohen Stellenwert. Auf der anderen Seite streben immer mehr jüdische Zuwanderer aus Osteuropa in die Stadt - meist Handwerker und Industriearbeiter. Neumark versucht, eine Spaltung der Gemeinde zu verhindern und wirbt für Solidarität mit den Ostjuden. Aber seine Plan scheitert: Die Differenzen sind zu groß, und die Zuwanderer gründen eine eigene orthodoxe Gemeinde. Mit der Machtergreifung durch die Nazis 1933 beginnt auch in Duisburg der Untergang der jüdischen Kultur, die seit dem 12. Jahrhundert belegt ist. Manass Neumark wird mit Berufsverbot belegt und darf nicht mehr als Lehrer am Steinbart-Gymnasium arbeiten.

Am 23. März wird der Rabbiner der orthodoxen Gemeinde schwer misshandelt und vor tausenden Schaulustigen durch die Straßen der Innenstadt gehetzt - es ist der erste Fall einer öffentlichen Misshandlung eines Juden in Deutschland im dritten Reich. Und in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 werden neben der Synagoge auf der Junkernstraße auch die Synagogen in Ruhrort und Hamborn in Brand gesteckt. Aber Manass Neumark bleibt bei seiner Gemeinde.

Im Oktober 1941 beginnt schließlich die Deportation der Duisburger Juden nach Lodz. Am 25. Juli 1942 wird Neumark zusammen mit den letzten Duisburger Juden nach Theresienstadt gebracht - in einem Güterwagen. Hier verliert sich seine Spur. Heute findet man in der Salvatorkirche ein Fenster, das eine brennende Synagoge zeigt. Davor sieht man Dr. Manass Neumark in Häftlingskleidung...

Ein Mann wohnt im Haus, der spielt mit den Schlangen
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland:
Dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith
Er spielt mit den Schlangen und träumet
Der Tod ist ein Meister aus Deutschland
(aus der „Todesfuge" von Paul Celan)

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Der Paul-Klee-Weg

Der Paul-Klee-Weg zweigt von der Düsseldorfer Straße in den Kantpark ab. Der kleine Weg führt im 90-Grad-Winkel um das Lehmbruck-Museum herum. Benannt ist er nach dem Maler und Grafiker Paul Klee. Ernst Paul Klee wird am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee in der Schweiz geboren - als Sohn eines deutschen Musiklehrers und somit deutscher Staatsbürger, was für diese Geschichte noch von Bedeutung sein wird. Schon als Schüler beginnt er zu malen und zu zeichnen - in seinen Schulbüchern finden sich zahllose Karikaturen. 1898 geht er nach München, um dort Kunst zu studieren - gegen den Willen seiner Eltern, die in ihm eher einen Musiker sehen. Später bricht Klee sein Studium ab, unternimmt eine längere Italienreise und kehr anschließend in die Schweiz zurück. Nach 1910 schließt sich Klee der Münchener Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" an, wo er unter anderem Franz Marc, Wassily Kandinsky und August Macke kennen lernt. Mit Macke und Louis Mouilliet unternimmt er im Frühjahr 1914 eine dreiwöchige Studienreise nach Tunesien, die für alle drei zum prägenden Erlebnis wird. Viele hundert Werke entstehen - vor allem farbenfrohe, vom orientalischen Flair geprägte Aquarelle. Klee notiert in sein Tagebuch: "Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler." Wenig später beginnt der erste Weltkrieg. August Macke fällt noch im Herbst 1914 in der Champagne. Auch Klee muss als deutscher Staatsbürger Wehrdienst leisten, aber er hat Glück: Er bleibt hinter der Front, repariert Flugzeuge und kann weiter malen. Nach dem Krieg beginnt sein künstlerischer Aufstieg - bis er von den Nazis als "entartet" eingestuft wird. 1933 kehrt er in die Schweiz zurück. Das Ende des dritten Reichs erlebt er nicht mehr: Am 29. Juni 1940 stirbt Paul Klee. Heute gilt er als einer der größten deutschen Expressionisten des 20. Jahrhunderts.

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Die Brücke der Solidarität

Die Brücke der Solidarität verbindet Rheinhausen und Hochfeld ungefähr in Höhe von Rheinkilometer 775. Im Jahr 1950 wird sie dem Verkehr übergeben - als Nachfolgerin der alten Admiral-Graf-Spee-Brücke, die 1945 von Truppen der deutschen Wehrmacht gesprengt worden ist. Heute ist die Brücke das Symbol für den Arbeitskampf der Rheinhauser Krupp-Arbeiter, der im November 1987 begonnen hat - vor genau 25 Jahren.

Das Kruppsche Hüttenwerk in Rheinhausen wird Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Am 18.12.1897 werden die ersten Hochöfen angeblasen, und vor dem 1. Weltkrieg gilt das Werk als größte Hütte Europas. Bis in die 80er Jahre arbeitet das Werk profitabel, aber am 26. November 1987 kommt der Schlag: Krupp will das Hüttenwerk Rheinhausen innerhalb von einem Jahr schließen. Die Lokal- und Landespolitik ist über die bevorstehende Schließung nicht informiert - sie erfährt die Hiobsbotschaft vom Betriebsrat der Krupp Stahl AG. Bereits einen Tag später empfangen die Rheinhauser Kruppianer den damaligen Vorstandsvorsitzenden der AG, Gerhard Cromme - mit einem Pfeifkonzert. Eier und Obst fliegen auf den Konzernchef. Cromme verspricht den Arbeitern neue Jobs bei Mannesmann in Hüttenheim. Aber die wollen ihre Hütte nicht aufgeben - in vielen Familien wird seit drei oder vier Generationen bei Krupp in Rheinhausen gearbeitet. Die Proteste beginnen: Am 10. Dezember 1987 besetzen Krupp-Arbeiter erstmals die Rheinbrücke. Am 20. Januar 1988 ziehen rund 50.000 Stahlkocher aus mehr als 60 Hüttenwerken zur Brücke. Die wird von den Protestierenden in „Brücke der Solidarität" umbenannt - das neue Namensschild ist über Nacht von Mitgliedern der Krupp-Lehrwerkstatt gefertigt worden. Und die Stahlarbeiter bekommen Unterstützung: Von den Duisburgern und von Prominenz wie dem damaligen Duisburger Oberbürgermeister Josef Krings - oder einen gewissen Götz George alias Horst Schimanski. Verhindern können die Proteste, die mehr als ein halbes Jahr dauern, die Schließung der Hütte nicht. Aber immerhin fällt der letzte Vorhang für Krupp in Rheinhausen erst fünfeinhalb Jahre später, im August 1993. Und: Den Namen „Brücke der Solidarität" hat die Stadt Duisburg längst offiziell übernommen...

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Willy-Brandt-Ring

Der Willy-Brandt-Ring beginnt an der Stockholmer Straße. Er beschreibt eine 180-Grad-Kurve rund um Marxloh und endet ungefähr dort, wo sich die Walsumer Straße und die Weseler Straße treffen. Benannt ist er – logisch – nach dem deutschen Politiker und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt.

Willy Brandt wird als Herbert Ernst Karl Frahm am 18. Dezember 1913 in Lübeck geboren. Als uneheliches Kind – eine Tatsache, die seine politischen Gegner immer wieder mit Häme vermerken. Später wird er sagen „Herkunft und üble Nachrede“ hätten ihm „einen Stachel eingepflanzt“. 1930 tritt er in die SPD ein, wechselt aber schon ein Jahr später in die Sozialistische Arbeiter Partei. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wird die SAPD verboten und kämpft im Untergrund gegen die Nationalsozialisten. Frahm emigriert nach Norwegen und studiert in Oslo Geschichte. Aus dieser Zeit stammt sein Deckname Willy Brandt, den er später als offiziellen Namen anerkennen lässt. 1938 wird er von den Nazis ausgebürgert. Nach Kriegsende kehrt er nach Deutschland zurück und berichtet für skandinavische Zeitungen über die Nürnberger Prozesse. Danach beginnt seine politische Karriere: Brandt wird 1949 Abgeordneter im ersten deutschen Bundestag. 1957 wird er zum regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt. In seine Amtszeit fällt der Besuch von John F. Kennedy in der geteilten Stadt mit dem berühmt gewordenen Zitat „Ich bin ein Berliner“. 1966 wird er Außenminister, 1969 Bundeskanzler der ersten SPD-geführten Regierung in der Geschichte der Bundesrepublik. 1971 bekommt Brandt für seine Ostpolitik den Friedensnobelpreis – speziell für die Aussöhnung mit Polen, dokumentiert in einem der berühmtesten Pressefotos des Jahrhunderts: dem Kniefall am Mahnmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto. Er übersteht ein Misstrauensvotum im Bundestag - aber nicht die Affäre um seinen Mitarbeiter Günter Guillaume, der als DDR-Spion enttarnt wird. Am 6. Mai 1974 tritt Brandt vom Amt des Bundeskanzlers zurück. Vorsitzender der SPD bleibt er aber bis 1987, und er ist jahrelang Alterspräsident des deutschen Bundestags. Am 8. Oktober 1992 stirbt Willy Brandt in Unkel am Rhein. Heute heißt die Bundeszentrale der SPD in Berlin-Kreuzberg „Willy-Brandt-Haus“. Und in Jerusalem gibt es ein Willy-Brandt-Zentrum an der Grenze zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt.

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Kruppstraße

Die Kruppstraße beginnt am Kalkweg. Sie verläuft entlang der Nordseite des Sportparks Duisburgs und endet an der Koloniestraße. Ihren Namen muss man in unserer Region eigentlich nicht erklären - er erinnert an die Essener Unternehmerfamilie Krupp.

Die Krupps stammen ursprünglich aus Holland. 1587 wird ein gewisser Arndt Krupp als Zuwanderer im Verzeichnis der Kaufmannsgilde der damals kleinen Stadt Essen genannt. Der Erfolg für die Familie in der neuen Heimat kommt schnell: Sie sind Händler, stellen aber auch mehr als ein mal den Essener Bürgermeister. Mitte des 19. Jahrhunderts erfindet Alfred Krupp einen nahtlosen Radreifen, den er sich als bruchgeschütztes Eisenbahnrad patentieren lässt. Der Verkauf dieses Radreifens - vor allem an die neue Eisenbahn in Nordamerika - begründet den Erfolg des Unternehmens. 1912 folgt das Patent zur Herstellung von nichtrostendem Stahl unter dem Markenzeichen „Nirosta". Aber der Krupp-Konzern ist vor allem auch eine Waffenschmiede - zwischen 1860 und 1945 werden wahrscheinlich alle weltweiten Konflikte mit Waffen ausgetragen, die in dem Essener Konzern erdacht und hergestellt worden sind. Das treibt teilweise abstruse Blüten: Im ersten Weltkrieg rüstet Krupp die deutschen Truppen mit Waffen aus (die bekannteste Kanone trägt den seltsamen Namen „Dicke Bertha") - verkauft aber auch Granaten an die Kriegsgegner England und Frankreich. Der englische Vickers-Konzern muss für jede Granate, die auf die deutsche Armee wird, Lizenzgebühren nach Essen überweisen. Nach dem zweiten Weltkrieg verbieten die Alliierten Krupp die Waffenherstellung. Berg- und Stahlwerke müssen verkauft werden, und Berthold Beitz wird zum Generalbevollmächtigten ernannt. Er prägt das neue Bild des Unternehmens. Nach dem Tod von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach im Jahr 1967 geht das gesamte Familienvermögen der Krupps in eine gemeinnützige Stiftung über - Vorsitzender des Kuratoriums und damit Testamentsvollstrecker des Kruppschen Vermögens wird ebenfalls Berthold Beitz. Dieses Amt hat er bis heute inne. 2013 wird er hundert Jahre alt.

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