Strassennamen in Duisburg
Die Radio Duisburg-Straßennamen-Serie - präsentiert von der Sparkasse Duisburg!
GUT. für Duisburg und Kamp-Lintfort!
Duisburg hat fast 500tausend Einwohner. In einer Stadt von dieser Größe gibt es logischerweise viele tausend Straßen - und jede dieser Straßen hat (genau so logischerweise) einen Namen. In dieser Serie geht es um diese Straßennamen - denn viele von ihnen erzählen eine Geschichte. Oder sogar mehrere...
Steinbruchstraße
Die Steinbruchstraße beginnt an der Koloniestraße und endet an der Lotharstraße. Benannt ist sie nach dem ehemaligen Steinbruch im Duisburger Stadtwald, an den auch der nahe gelegene Steinbruchweg erinnert. Einziges Relikt dieses Steinbruchs ist heute ein kleiner Teich. Dort sind viele Steine gebrochen worden, die immer noch in alten Duisburger Häusern verbaut sind. Und: Der Steinbruch ist Schauplatz einer richtigen Kriminalgeschichte. Einer echten Räubergeschichte, wenn Sie so wollen. Vor langer, langer Zeit - sagen wir gegen Ende des 18. Jahrhunderts - hat ein gefürchteter Räuber am Duisburger Steinbruch sein Hauptquartier. Manche Quellen vermuten in ihm den berühmten Schinderhannes, aber die meisten verweisen auf einen - Entschuldigung - Berufskollegen namens Mathias Weber, den man - warum auch immer - den „Fetzer" nennt. Der Fetzer hat seinen Unterschlupf in einer Höhle in der Nähe des Steinbruchs, dort hütet er die Beute seiner Raubzüge. Die laufen oft nach dem Robin-Hood-Prinzip ab: Der Fetzer nimmt von den Reichen und teilt mit den Armen. Auch aus diesem Grund ist er bei der Obrigkeit nicht sonderlich beliebt, um es mal charmant auszudrücken. Als der Fetzer irgendwann auf die Idee kommt, das Haus des Pfarrers in Mülheim an der Ruhr zu überfallen, dort aber auf heftigen Widerstand trifft, bleibt ihm nur noch die Flucht. Die Polizei jagt ihn durch den Duisburger Stadtwald, und der Fetzer muss sich tagelang in sein Versteck, die Höhle am Steinbruch, zurückziehen. Das ganze Waldgebiet ist umstellt - und der Fetzer weiß, dass er für eine erfolgreiche Flucht ein Pferd braucht. Er schnitzt sich aus einigen Ästen ein Paar Krücken, zerreißt seine Kleidung, macht daraus Verbände an Armen und Beinen und träufelt ein bisschen Blut darauf. Kurz: Der Fetzer sieht plötzlich aus wie ein richtiges Verbrechensopfer. So legt er sich auf den Ästen eines Baums auf die Lauer. Wenig später kommt ein Kohlenhändler aus Mülheim den Weg entlang geritten. Der Fetzer erzählt ihm seine Geschichte: Wie er von bösen Verbrechern auf den Baum gesetzt worden ist - und die Übeltäter auch noch seine Krücken auf die andere Seite des Wegs geschleudert haben. Der hilfsbereite Kohlenhändler gleitet vom Pferd, um die Krücken zu holen - und in diesem Moment springt der Fetzer aus dem Baum in den Sattel, gibt dem Tier die Sporen und reitet davon. Aber das Glück von Mathias Weber, dem Fetzer, ist nur von kurzer Dauer - 1803 wird er gefasst und später in Köln hingerichtet...
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Xantener Straße
Die Xantener Straße beginnt an der Diergardstraße und endet an der Straße Im Bovenkamp. Benannt ist sie natürlich nach der Stadt Xanten am Niederrhein, einer der ältesten Städte Deutschlands. Bereits im Jahr 13 vor Christus gründen die Römer auf dem Fürstenberg beim heutigen Xantener Vorort Birten das Legionslager Vetera, das zeitweise mit 8.000 bis 10.000 Soldaten besetzt ist. Viele dieser Legionäre bleiben nach Ende ihrer Dienstzeit am Niederrhein - und so kommt es neben dem Lager zur Gründung einer zivilen Siedlung. Der römische Kaiser Marcus Ulpius Traianus gibt der neuen Stadt 110 nach Christus seinen Namen - Colonia Ulpia Traiana -, und die entwickelt sich mit den Jahren zum zweitwichtigsten Handelsposten der Römer in Germanien nach Köln. In diesem Gebiet ist auch die christliche Legende vom Heiligen Viktor angesiedelt, einem römischen Offizier, der sich weigert, seinem Glauben abzuschwören und deshalb den Märtyrertod sterben muss. Das Grab des Heiligen genießt bald große Verehrung, und nachdem die Colonia Ulpia Traiana Ende des dritten Jahrhunderts von den Franken zerstört wird, wird über diesem Grab eine Kirche gebaut und eine neue Siedlung entsteht. Aus dem lateinischen Begriff "Ad sanctos" ("Bei den Heiligen") wird über die Jahrhunderte der ungewöhnliche Stadtname Xanten. Heute gehört Xanten zum Kreis Wesel, hat gut 21tausend Einwohner und mit dem Archäologischen Park und seinen römischen Ruinen das größte Freilichtmuseum Deutschlands. Und Xanten ist die einzige deutsche Stadt, deren Name mit einem "X" beginnt.
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Lambarenestraße
Die Lambarenestraße liegt in der sogenannten Afrikasiedlung. Sie beginnt an der Zimmerstraße und endet an der Lüderitzallee. Benannt ist sie nach Lambarene im heutigen Gabun. Der Ort liegt nur wenige Kilometer südlich des Äquators mitten im zentralafrikanischen Regenwald, und sein Name bedeutet „Wir wollen es versuchen...". 27 Grad Durchschnittstemperatur im Jahresmittel, neun Monate Regenzeit, gut 26tausend Einwohner und Stadtbezirke, die wie in Paris „Rive Droite" und „Rive Gauche" heißen - über Lambarene gäbe es nur wenig Spektakuläres zu berichten, wenn Albert Schweitzer hier nicht 1913 sein berühmtes Urwaldhospital gegründet hätte. Albert Schweitzer wird am 14. Januar 1875 als deutscher Staatsbürger im Elsass geboren. Sein Vater betreut eine kleine evangelische Gemeinde, die Mutter ist Pfarrerstochter - kein Wunder, dass Schweitzer an der Universität Straßburg Theologie und Philosophie studiert. Aber Albert Schweitzer beschäftigt sich auch mit Musik, studiert Orgel und schreibt Bücher über Johann Sebastian Bach. Er ist bereits Doktor der Philosophie, als er 1905 mit dem Medizinstudium beginnt. 1913 legt er seine medizinische Doktorarbeit über die psychiatrische Beurteilung von Jesus Christus vor - anschließend geht er nach Lambarene im damaligen Französisch-Äquatorialafrika. Gemeinsam mit seiner Frau baut er das Urwaldkrankenhaus auf, aber nach dem Ausbruch des ersten Weltkriegs werden Beide als Deutsche von der französischen Armee unter Hausarrest gestellt. 1917, krank nach vier Jahren Arbeit in Westafrika, kehren die Schweitzers ins Elsass zurück, und Albert wird ein Jahr später französischer Staatsbürger. Mit Orgelkonzerten bezahlt er seine Schulden und kehrt 1924 nach Lambarene zurück, um das Urwaldhospital zu erweitern. Die kommenden Jahrzehnte verbringt er überwiegend in Afrika - aber auch in Europa macht er sich einen Namen als Pazifist, was dazu führt, dass Albert Schweitzer 1952 den Friedensnobelpreis bekommt. 1960 wird aus Französisch-Äquatorialafrika das unabhängige Land Gabun, und am 4. September 1965 stirbt Albert Schweitzer in Lambarene im Alter von 90 Jahren. Sein Werk, das Albert-Schweitzer-Hospital, existiert dort noch heute - mit Abteilungen für Innere Medizin und Chirurgie. Und mit einer Geburtsklinik...
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Prinz-Albrecht-Straße
Die Prinz-Albrecht-Straße beginnt an der Gerhart-Hauptmann-Straße und endet an der Königsberger Allee. Ihren Namen verdankt sie dem preußischen Prinzen Friedrich Wilhelm Nikolaus Albrecht, einem Neffen von Kaiser Wilhelm dem Ersten. Prinz Albrecht wird 1837 geboren und tritt früh in die Armee ein. Er nimmt am deutsch-französischen Krieg 1870/71 teil und wird später Generalleutnant. 1885 wird er zum Regenten des Herzogtums Braunschweig gewählt - ein politischer Schachzug Bismarcks, durch den der Regierungsantritt des rechtmäßigen Anwärters Ernst August von Cumberland verhindert wird. Prinz Albrecht stirbt 1906 - und dass in Duisburg eine Straße nach ihm benannt wird, liegt auch daran, dass er Ehrenförderer des "Duisburger Kriegervereins" ist. Kriegervereine stehen vermutlich auch noch in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Duisburg hoch im Kurs - und damit sind wir bei der zweiten Geschichte der Prinz-Albrecht-Straße. Denn die gehört damals zu den bevorzugten Wohngegenden des jüdischen Bürgertums in unserer Stadt. In einem der Häuser wohnt Walter Kaufmann. Er ist 1926 von einem jüdischen Anwaltsehepaar adoptiert worden und besucht das Steinbart-Gymnasium. Seine Stiefeltern werden nach der Pogromnacht vom November 1938 verhaftet, deportiert und später in Auschwitz ermordet. Kaufmann gelingt 1939 mit einem Kindertransport die Flucht ins Ausland - sein Elternhaus findet schnell neue Besitzer. Erst lange nach Ende des zweiten Weltkriegs kehrt Walter Kaufmann als Schriftsteller nach Deutschland zurück. Im Frühjahr 2002 habe ich mit ihm einen Streifzug durch Duissern unternommen - und daraus wurde mein allererster Beitrag für das Programm von Radio Duisburg. Auf unserem Weg haben wir damals auch an Kaufmanns ehemaligem Wohnhaus an der Prinz-Albrecht-Straße Halt gemacht...
O-Ton
Walter Kaufmann ist heute 89 Jahre alt - und er kommt noch immer regelmäßig nach Duisburg, um über sein Schicksal zu berichten...
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Daressalamstraße
Die Daressalamstraße liegt im Duisburger Süden, genauer in Großenbaum. Sie geht vom Altenbrucher Damm an der Ecke Lüderitzallee ab und liegt nah an der A59-Abfahrt Großenbaum.
Aber wer oder was ist Daressalam eigentlich?
O-Töne
Daressalam ist ein Städtename, wie der ein oder andere bereits gehört haben könnte.
Benannt wurde die Daressalamstraße nach der größten Stadt in Tansania. Der Hafen des Friedens - wie Dar es Salaam auch übersetzt heißt, ist eine Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern. Sie liegt im Osten von Tansania, direkt am Indischen Ozean. Interessant wurde Daressalam für die Deutschen Ende des 19. Jahrhunderts wegen seines Naturhafens. 1891 bezog die deutsche Kolonialverwaltung von Deutsch-Ostafrika dort ihren Sitz.
Und hier liegt auch der Kern, warum Daressalam als Straßenname in Duisburg verewigt wurde: In Großenbaum gibt es viele verschiedene Strassen, die in den 30er Jahren nach deutschen Kolonien benannt wurden - so eben die Daressalamstraße, aber auch beispielsweise die Togo-, die Sansibar-, die Kenia- oder die Windhukstraße.
Heute ist Daressalam nicht nur die größte Stadt Tansanias, sondern auch Hauptstadt, eine Stadt mit vielen wichtigen Regierungsfunktionen des Landes und eine Stadt mit verschiedenen Universitäten. Traurige Berühmtheit erlangte sie, als vor 15 Jahren ein Terroranschlag vor der Amerikanischen Botschaft in Daressalam elf Menschen tötete.
Eine deutsche Städtepartnerschaft gibt es zwar nicht mit Duisburg, aber seit drei Jahren mit Hamburg.
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Burgplatz
Der Burgplatz liegt zwischen Schwanenstraße, Poststraße und Salvatorstraße als Vorplatz des Duisburger Rathauses. Seinen Namen trägt er völlig zu Recht - die „Burg" war ein fränkischer Königshof, der wahrscheinlich im 8. Jahrhundert auf dem hochwasserfreien Terrain dicht am alten Flusslauf des Rheins erbaut wurde. Die Könige jener Zeit sind fahrendes Volk - in etwa getreu dem Motto „wherever I lay my crown..." ziehen sie durch ihr Land, von einer Pfalz zur anderen. Auch der Duisburger Königshof wird immer wieder zum Zentrum der Macht - alleine zwischen 922 und 1016 sind 18 Besuche von sächsischen Königen urkundlich bezeugt. Rund um den Burgplatz wächst eine Siedlung, und ab dem Jahr 1275 sind Duisburger Bürgermeister bekannt. Aber erst 1361 wird ein „domus consulum", ein Rathaus, erwähnt - wahrscheinlich handelt es sich um einen Teil der mittelalterlichen Königspfalz. Ein erstes neues Rathaus bekommt Duisburg 1843, aber auch das ist bald zu klein. Deshalb beschließt der Magistrat der Stadt 1895 den Bau des Rathauses, das wir noch heute kennen. Zwischen 1897 und 1902 entsteht der Bau im Stil des Historismus, der die italienische Frührenaissance nachahmt. Architekt ist der 27jährige Friedrich Ratzel aus Karlsruhe. Ratzel ist Perfektionist, und zwischen ihm und dem Stadtrat kommt es zu Problemen: Vor allem wegen des kostspieligen Innenausbaus verdreifachen sich die Baukosten auf letztlich 1,5 Millionen Goldmark. Es ist sicher kein Zufall, dass Ratzel als letzten Stein das Portrait eines Narren in die Fassade des Rathauses einsetzen lässt. Nach der kommunalen Neuordnung 1975 taucht das alte Platzproblem wieder auf: 83 Stadträte finden im altehrwürdigen Ratssaal kaum Platz. Die Mercatorhalle wird zur Zwischenlösung, aber in dem riesigen Bau wirken die 83 Volksvertreter mehr als verloren. 1980 kehren sie deshalb in den neu eingerichteten Ratssaal am Burgplatz zurück. Und seit 1995 kann man auch im Trausaal des Rathauses wieder heiraten - der hatte vorher jahrelang als Telefonzentrale der Stadtverwaltung gedient. Weitere Um- und Neubauten der letzten Jahre wie der Franz-Haniel-Hof mit seiner Glaskuppel haben das Duisburger Rathaus weiter aufgewertet. Ach ja: Wenn Sie mal dem Oberbürgermeister schreiben möchten - die korrekte Adresse lautet: Burgplatz 19...
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Curtiusstraße
Die Curtiusstraße in der Innenstadt ist gerade mal 400 Meter lang. Sie führt zwischen der Mercator- und der Düsseldorfer Straße direkt an der Polizeizentrale vorbei. Und wer einen genauen Blick in diese Straße wirft, wird in die Welt von Namensgeber Friedrich Wilhelm Curtius versetzt.
Vor allem auf der von der Düsseldorfer Straße aus gesehenen linken Seite finden sich alte Herrenhäuser, wunderschöne Villen aus längst vergangenen Tagen. Aber wer war dieser Curtius eigentlich?
Friedrich Wilhelm Curtius wurde 1782 in Goch geboren , versuchte sich an einer Apothekerlehre, scheiterte aber und büchste seinem Vater und Lehrherren aus um nach Amerika zu reisen. Wenig später kehrte er zurück und landete 1802 in Duisburg. Er arbeitete zunächst als Buchhalter und Reisender einer Materialwaren- und Weinhandlung. Hier heiratete er 1805 die Amsterdamer Kaufmannstochter Theodore Wilhelmine Pilgrim, die ihm elf Kinder schenkte. Im gleichen Jahr gründete Curtius eine so genannte Drogengroßhandlung und erweiterte diese im Jahr 1824 um eine Schwefelsäurefabrik. Mit ihr entstand das erste industrielle Unternehmen in Duisburg.
Es kamen in den nächsten Jahren eine Sodafabrik, eine Chlorkalkproduktion, eine Allaunproduktionsstätte, eine Tonerdesulfatfabrik und eine Ultramarinfabrik hinzu. Alle Unternehmen blieben an sich selbstständig, wurden aber von Friedrich Wilhelm Curtius im Ganzen geleitet. 1857, also im Alter von 75 Jahren, gab er die Verantwortung für die Unternehmen an seinen Sohn Julius ab. Am Kaiserberg steht ein Denkmal dieses Sohnes.
Die Strasse in der Innenstadt wurde erst im Jahr 1924 nach Friedrich-Wilhelm Curtius und seiner Familie benannt. Die Familie selbst baute die Straße, genau wie die anschließenden Straßen Brockhoff- und Pilgrimstraße selbst aus. Im Jahre 1926 ging sie dann in den Besitz der Stadt über.
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Hanielstraße
Die Hanielstraße liegt in Ruhrort - und das aus gutem Grund. Sie beginnt an der Bergiusstraße und endet an der Eisenbahnstraße. Benannt ist sie nach der Duisburger Unternehmerfamilie Haniel. Im Jahr 1756 eröffnet der Zollbeseher Jan Willem Noot in den Königlichen Gärten in Ruhrort ein Packhaus für Kolonialwaren. Das Grundstück dafür erwirbt er in Erbpacht vom Preußenkönig Friedrich dem Zweiten persönlich. Seine Tochter Aletta führt das Geschäft zusammen mit ihrem Mann bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weiter - und dessen Name ist Jacob Wilhelm Haniel. Später wird das Erbe unter den Söhnen des Paares, Franz und Gerhard, aufgeteilt. Franz kümmert sich zunächst um den Handel mit Steinkohle - später kauft er zusammen mit seinem Bruder und seinen Schwägern drei Eisenhütten in Essen und Oberhausen, darunter die Gutehoffnungshütte. Hinzu kommen der Bau von Dampfschiffen, Lokomotiven und Brücken. Aus dem Familienunternehmen wird ein Konzern, der maßgeblich für die Industrialisierung des Ruhrgebiets verantwortlich ist. Vor allem Franz Haniel fühlt sich dabei sozialen Gedanken verpflichtet: Er gründet für seine Arbeiter eine Kranken- und Unfallkasse und baut Häuser für seine Beschäftigten - zum Beispiel die Siedlung Eisenheim in Oberhausen-Osterfeld. Heute ist Haniel ein weltweit agierendes Unternehmen, das im Hintergrund immer noch von den Mitgliedern der Gründerfamilie gelenkt wird - das operative Geschäft überlässt man aber angestellten Managern. Und der Hauptsitz von Haniel liegt immer noch in Ruhrort.
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Hans-Raulien-Platz
Der Hans-Raulien-Platz liegt in Bruckhausen in der Nähe der Dieselstraße, er existiert aber noch nicht auf allen STraßenkarten. Denn bis zum 12. Mai 2006 gab es hier nur den Heinrichplatz - also den Platz, auf dem das Bruckhauser Leben pulsiert, wo der Wochenmarkt stattfindet und die Menschen sich treffen. An besagtem 12. Mai vor sieben Jahren wurde der neugestaltete, nördliche Teil nach Hans Raulien benannt. Und es hätte keinen passenderen Platz geben können. Hans Raulien war der Schimmi von Bruckhausen, der Polizist im Dorf oder einfach der Mann, der versuchte, in diesem doch recht problematischen Stadtteil für Ordnung zu sorgen und den Menschen zu helfen, wo er nur konnte. Er füllte für sie amtliche Formulare aus, wenn sie es nicht selber konnten, schlichtete Nachbarschaftsstreitigkeiten oder kümmerte sich um Steuererklärungen. Nicht immer stieß er auf Verständnis, wenn er seinen Job über das normale Maß hinaus ausübte. Als er mit seiner Art einmal dermaßen aneckte, dass er von seinem Posten abgelöst werden sollte, stellten sich die Bruckhauser schützend hinter ihn. Privat hatte es Hans Raulien nicht leicht. Er musste in seiner engsten Familie schwere Schicksalsschläge hinnehmen, pflegte auch seine Frau bis zu seinem Tod 19983. Hans Raulien starb mit nur 62 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. Im Jahr 2005 beschloss der Rat, diesem außergewöhnlichen Mann ein Ehrendenkmal zu setzen. Seitdem gibt es in Bruckhausen den Hans Raulien Platz.
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Yitzhak-Rabin-Platz
Der Yitzhak-Rabin-Platz bildet das Ende der Straße Springwall. An ihm liegt das Jüdische Gemeindezentrum und er führt weiter zum „Garten der Erinnerung" am Innenhafen. Benannt ist er nach dem israelischen Militär und Politiker Yitzhak Rabin.
Yitzhak Rabin wird am 1. März 1922 in Jerusalem geboren. Sein Vater war aus der Ukraine nach Palästina ausgewandert. Nach der Schule entscheidet sich Rabin zunächst für den bewaffneten Kampf: 1941 wird er Mitglied einer Eliteeinheit einer zionistischen Befreiungsorganisation und nimmt als Angehöriger der britischen Armee am Syrisch-Libanesischen Feldzug teil. Nach der Gründung des Staates Israel wird er als Offizier in die reguläre israelische Armee übernommen. Unter Rabins Kommando gewinnt Israel den Sechstagekrieg gegen Ägypten, Syrien und Jordanien. Ab 1967 beginnt seine politische Karriere - zunächst als israelischer Botschafter in den USA. 1974 löst er Golda Meir als Regierungschef ab - aber nur bis 1977, sein Rücktritt ist die Folge von zwei politischen Krisen. 1984 feiert er sein politisches Comeback als Verteidigungsminister, und 1992 beginnt seine zweite Amtszeit als Ministerpräsident. Der ehemalige Soldat Rabin setzt sich jetzt für Friedensgespräche mit den Palästinensern und den arabischen Ländern ein. Verträge werden abgeschlossen, die unter anderem den Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland vorsehen. 1994 wird Yitzhak Rabin dafür zusammen mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres und PLO-Chef Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Aber seine Friedenspläne bringen ihm nicht nur Freunde ein: Auf Plakaten wird er als Verräter und Mörder bezeichnet, Fotomontagen zeigen ihn mit dem Kopftuch der Palästinenser. Am Abend des 4. November 1995 wird er schließlich während einer großen Friedenskundgebung in Tel Aviv von dem jüdischen Fundamentalisten Jigal Amir erschossen. Wenige Minuten zuvor hat Rabin eine Rede gehalten, in der es heißt: „Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage Euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war...".
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Arndtstraße

- Die Arndtstraße in Homberg
Die Arndtstraße ist in Duisburg gleich mehrfach vertreten: Es gibt sie in der Innenstadt, in Rheinhausen, in Laar und in Essenberg. Benannt wurde sie nach Ernst Moritz Arndt - geboren 1769 in Schweden. Er studierte Theologie, wurde Professor der Philologie. Als solcher wurde er zum einen einer, der als bedeutendster Lyriker der Epoche der Freiheitskriege gilt. Zum anderen war Arndt Politiker durch und durch. Er war Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und wurde auch der "Franzosenfresser" genannt, weil er politisch und in seinen Schriften gegen Napoleon kämpfte. Es darf also nicht verwundern, dass Ernst Moritz Arndt mehr als umstritten ist, so sagt der Duisburger Historiker und Strassenkenner Heid über ihn:
O-Ton
Tatsächlich betrachteten die Nationalsozialisten Arndt als einen ihrer Vordenker, nicht zuletzt, weil er das Volk in "reinem" Zustand sehen wollte und weil er Äußerungen wie diese machte:
„Es wird ja hoffentlich einmal eine glückliche deutsche Stunde für die Welt kommen und auch ein gottgeborener Held, [...] der mit scharfem Eisen und mit dem schweren Stock, Scepter genannt, [das Reich] zu einem großen würdigen Ganzen zusammenschlagen kann."
Ernst Moritz Arnd bleibt auch nach seinem Tod 1860 umstritten. Die Umbenennung einer Strasse ist allerdings sehr aufwändig, wird oft von den Anwohnern abgelehnt und bedarf einer Ratsentscheidung.
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Großenbaumer Allee
Die Großenbaumer Allee beginnt am Großenbaumer Bahnhof an der Einmündung der Saarner Straße und endet an der Kreuzung Sittardsberger Allee / Neidenburger Straße. Benannt ist sie - natürlich - nach der Tatsache, dass sie längs durch den Duisburger Stadtteil Großenbaum führt. Aber das würde für eine Folge dieser Serie alleine nicht ausreichen, und deswegen wenden wir uns dem Grundstück mit der Nummer 139 zu - auf dem vor mehr als 75 Jahren ein Schatz gefunden wurde.
Wir schreiben das Jahr 1937: Bei Arbeiten auf dem eben genannten Grundstück schimmert in der Erde plötzlich Gold. Elf römische Goldmünzen, sogenannte Solidi, und ein kleiner, hufeisenförmig gebogener Golddraht kommen nach rund 1600 Jahren wieder ans Tageslicht. Untersuchungen zeigen: Die Münzen sind bis zum Jahr 353 nach Christus geprägt worden. Ihr Erhaltungszustand ist fantastisch, heutzutage würde man ihn „stempelfrisch" nennen, was beweist, dass die Münzen nicht lange im Umlauf gewesen sein können. Die Portraitseiten zeigen Magnentius und Decentius, zwei aufständische Brüder, von denen sich einer zur Zeit Constantius des Zweiten zum Gegenkaiser ausrufen lässt. Aber der Fund gibt Rätsel auf: Während die westliche Rheinseite im vierten Jahrhundert römisches Territorium ist, ist das Land östlich des Rheins von germanischen und fränkischen Stämmen besiedelt. Wie hat sich also ein römischer Goldschatz in dieses Gebiet verirrt? Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass ein germanischer Söldner die Münzen - die damals ein kleines Vermögen darstellten - auf dem Heimweg vergraben hat, als ihm klar wurde, dass es an der Seite von Magnentius und Decentius keine Chance auf den Sieg gab. Warum auch immer: Später kam der Soldat offenbar nicht mehr dazu, seinen Schatz abzuholen.
Die elf Goldmünzen und der kleine Golddraht finden ihre neue Heimat im damaligen Niederrheinischen Museum am Kantpark, da, wo heute das Café Museum und die Cubus-Kunsthalle stehen. Aber im Jahr 1972 werden die Münzen bei einem Einbruch aus ihrer gesicherten Vitrine gestohlen und verschwinden zunächst spurlos. 1979 werden fünf der Münzen bei einem belgischen Kunsthändler sichergestellt - sie sind heute im Kultur- und Stadthistorischen Museum am Innenhafen zu sehen. Die restlichen sechs Goldsolidi von Großenbaum sind immer noch verschollen...
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Die Hardenbergstraße
Wir finden sie zwischen der Nettelbeck- und der Kammerstraße in Neudorf. Auf dieser Straße wohnt der Duisburger Historiker Dr. Ludger Hoseph Heid, der sich mit Straßennamen in Duisburg intensiv beschäftigt hat. Als er vor vielen Jahren auf die Hardenbergstraße zog, stellte er fest, dass fast niemand wusste, wer Hardenberg eigentlich war. Novalis, oder eben Georg Friedrich Freiherr von Hardenberg wurde am 2. Mai 1772 geboren. Er war Schriftsteller und Philosoph genauso wie Bergbauingenieur - und hier auf der ewigen Suche nach der Verbindung von Wissenschaft und Poesie. Hardenberg starb am 25. März 1801 um genau 13 Uhr in Weißenfels an einem Blutsturz infolge der „Schwindsucht" - auch Tuberkulose genannt. Viele seiner Werke wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht.
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Franz-Liszt-Straße
Die Franz-Liszt-Straße zweigt von der Bonertstraße ab. Sie hat mehrere Verzweigungen, die zum Teil als Sackgassen enden und zum Teil auf die Wagnerstraße führen. Benannt ist sie nach dem österreichisch-ungarischen Komponisten und Pianisten Franz Liszt. Franz Liszt wird am 22. Oktober 1811 in Raiding geboren. Der Ort gehört heute zum österreichischen Burgenland, damals aber zum ungarischen Kronland der KuK-Monarchie - und Liszt bevorzugt zeitlebens die ungarische Variante seines Vornamens „Ferenc". Franz Liszt - wir wollen bei dieser Namensvariante bleiben - ist der Sohn eines Verwaltungsbeamten in Diensten des Fürsten Esterhazy, der nebenbei im Orchester des Adeligen das Cello spielt. Sein einziger Sohn ist ein Wunderkind: Franz bringt sich mit sieben Jahren selber das Notenlesen bei und spielt als Neunjähriger sein erstes öffentliches Klavierkonzert - mit einer von ihm selbst komponierten Improvisation. 1822, mit elf Jahren, reist er zum weiteren Klavierstudium nach Wien und erhält dort unter anderem Unterricht von Antonio Salieri, dem angeblichen Mozartmörder. 1823 geht er nach Paris, um dort am Konservatorium zu studieren, und wird als „Petit Litz" bald die Sensation der Pariser Salons. Kritiker nennen ihn den „wiedergeborenen Mozart". Nach dem Tod des Vaters 1827 und dem Scheitern einer Beziehung mit der Tochter des französischen Innenministers verfällt Franz Liszt in tiefe Depressionen und spielt fast zwei Jahre lang keine Konzerte mehr. Er liest religiöse und philosophische Literatur und lernt Schriftsteller wie Victor Hugo und Heinrich Heine kennen. Ab 1832, Liszt ist mittlerweile 21 Jahre alt, wendet sich das Blatt: Franz Liszt bemüht sich, der größte Klaviervirtuose seiner Zeit zu werden - was Paganini für die Geige ist, will er am Klavier sein. Und der Erfolg stellt sich ein. Die nächsten Jahre sind geprägt von Reisen durch ganz Europa, von Triumphen und Misserfolgen - und von Affären. Liszt komponiert immer mehr aufsehenerregende Stücke: Klavierkonzerte, Sinfonien und sinfonische Dichtungen, die ihrer Zeit zum Teil weit voraus sind - vor allem während der 18 Jahre ab 1843, in denen er Kapellmeister in Weimar ist. 1861 verlässt er Weimar, um in Rom seine langjährige Freundin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein zu heiraten - die hat aber plötzlich keine Lust mehr. Liszt bleibt in Rom, wohnt zeitweise im Vatikan und erhält 1865 die niederen Priesterweihen. Sein Hang zum Katholizismus bleibt, trotz seines Lebenswandels, bis zu seinem Tod ungebrochen. 1886 reist er nach Bayreuth, wo seine Tochter Cosima inzwischen als Ehefrau von Richard Wagner lebt. Dort stirbt Franz Liszt am 31. Juli 1886. Auf seinem Begräbnis spielt der nicht minder berühmte Anton Bruckner die Orgel.
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Der Portsmouthplatz
Der Portsmouthplatz ist der Vorplatz des Duisburger Hauptbahnhofs. Er verbindet das Bahnhofsgebäude mit der Mercatorstraße. Dass er nach der Stadt Portsmouth an der englischen Südküste benannt ist, liegt daran, dass Portsmouth und Duisburg seit 1950 Partnerstädte sind. Und dass sie Partnerstädte sind, liegt vielleicht auch daran, dass beide Kommunen einen großen Hafen ihr Eigen nennen. Portsmouth wurde 1180 gegründet und bekam schon 1194 von König Richard I. die Stadtrechte. Zeitgleich wurde im Westen der Hafen angelegt. Ende des 15. Jahrhunderts wurde Portsmouth zum "Royal Dockyard" mit dem ersten europäischen Trockendock seit der Antike. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt nicht nur ein Zentrum der Schwerindustrie, sondern auch der wichtigste Marinestützpunkt der Royal Navy. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 begann von Portsmouth aus die Landung der Alliierten in der Normandie. Heute hat Portsmouth gut 200tausend Einwohner und die größte Bevölkerungsdichte in Großbritannien. Und die Stadt versucht sich - genau wie Duisburg - im Strukturwandel. Die Städtepartnerschaft mit Portsmouth war die erste, die die Stadt Duisburg eingegangen ist. Mittlerweile sind sieben weitere Städte dazu gekommen, zuletzt San Pedro Sula in Honduras. Und das die Frau des scheidenden Kulturdezernenten Karl Janssen Präsidentin der deutsch-honduranischen Gesellschaft ist, ist in diesem Zusammenhang sicher nur ein Zufall...
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Die Krefelder Straße
Die Krefelder Straße beginnt an der Kreuzung Duisburger Straße / Atroper Straße. An der Kreuzung mit der Rheingoldstraße geht sie in den Schelmenweg über. Benannt ist sie - natürlich - nach unserer Nachbarstadt auf der linken Rheinseite, Krefeld. Krefeld (bis 1929 auch mit großem „C" geschrieben) hat heute rund 235.000 Einwohner. Ihre Gründung verdankt die Stadt - wie so viele andere in Deutschland - den Römern. Die errichteten im 1. Jahrhundert nach Christus auf dem Gebiet des heutigen Krefelder Stadtteils Gellep das Kastell Gelduba - eine von vielen Bastionen an der Grenze des Imperiums. Im Mittelalter entstand daraus ein Bauerndorf namens Krinvelde. Krefeld selber wird erstmals 1105 urkundlich erwähnt und erhält 1361 das Recht, einen Jahr- und Wochenmarkt abzuhalten. 1373 folgen die Stadtrechte. Die Stadt wächst, wird aber Ende des 16. Jahrhunderts im Truchsessischen Krieg völlig zerstört und bleibt jahrzehntelang beinahe unbewohnt. Im dreißigjährigen Krieg bleibt Krefeld neutral und wird zum Zufluchtsort von Mennoniten, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Einer von ihnen ist Adolf von der Leyen, dessen Söhne später die erste Seidenweberei in der Stadt gründen. Die sogenannten Seidenbarone verhelfen Krefeld zu Reichtum. Nachdem sich aus den Seidenwebereien eine ausgeprägte Textilindustrie entwickelt hat, bekommt Krefeld den Beinamen „Samt- und Seidenstadt". Im 19. Jahrhundert arbeitet die Hälfte der Bevölkerung in den Textilfabriken, und auch heute noch wird überall in Krefeld Kleidung produziert. Und das Deutsche Textilmuseum hat hier seinen Sitz - mit mehr als 30.000 Ausstellungsstücken aus mehreren Jahrhunderten.
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Die Fraunhoferstraße
Die Fraunhoferstraße beginnt an der Wegnerstraße. Nach zwei 90-Grad-Biegungen führt sie wieder auf die Wegnerstraße zurück. Benannt ist sie nach dem Optiker und Physiker Joseph Fraunhofer. Joseph Fraunhofer wird am 6. März 1787 in Straubing geboren - er ist das elfte Kind eines Glasmeisters. Früh arbeitet er im Betrieb der Eltern mit, aber als Joseph 11 Jahre alt ist, sterben seine Eltern kurz nacheinander. Sein Vormund verschafft ihm eine Lehrstelle als Spiegelschleifer in München - 6 Jahre soll die Ausbildung dauern. 1801, Fraunhofer ist mittlerweile 14, bricht das Wohnhaus seines Lehrherrn über ihm zusammen. Fraunhofer wird gerettet, und diese Rettung erlebt zufälligerweise der bayrische Kurfürst Maximilian IV. mit. Spontan schenkt er dem Waisenkind 18 Dukaten - damals eine beträchtliche Summe. Joseph Fraunhofer beendet seine Lehre und kauft von dem Geld eine Glasschneidemaschine. Ein anderer Förderer ermöglicht dem Jungen den Besuch der Sonntagsschule und verschafft ihm mathematische und optische Fachliteratur. Fraunhofer bildet sich weiter und wird in Benediktbeuern in Oberbayern Werkmeister einer optischen Werkstätte. Er entwickelt neue Glassorten - und neue Schleifmaschinen für optische Gläser. Dann beginnt er mit der Entwicklung von Teleskopen und macht bahnbrechende Erfindungen: Zum Beispiel das Spektroskop, mit dem Licht gebrochen und in seine Bestandteile zerlegt werden kann. Die „Fraunhofersche Beugung" ist noch heute ein fester Begriff in der Physik. Für die Stative seiner Teleskope entwickelt Joseph Fraunhofer die sogenannte „deutsche Montierung", die zumindest in der Amateurastronomie immer noch Standard ist. Einziger Wermutstropfen: In die renommierte bayrische Akademie der Wissenschaften wird Fraunhofer erst nach einigen Querelen aufgenommen, und das auch nur als außerordentliches Mitglied - Schuld ist seine fehlende wissenschaftliche Ausbildung. Als er 1823 endlich vollwertiger Professor wird, hat er nur noch drei Jahre zu leben. 1826 stirbt Joseph Fraunhofer an Lungentuberkulose, im Alter von nur 39 Jahren. Heute ist ein Krater auf dem Mond nach ihm benannt. Und die Idee, dass man forschen, aber gleichzeitig auch Geld verdienen kann, findet sich in der Fraunhofer-Gesellschaft wieder, die auch am Campus der Uni Duisburg-Essen aktiv ist...
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Alte Friedhof
Der Alte Friedhof liegt zwischen dem Sternbuschweg, der Waldstraße und der Güterbahnlinie von Mülheim nach Rheinhausen. Er entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Ersatz für den bisherigen Duisburger Begräbnisplatz, der ungefähr zwischen dem heutigen Amtsgericht und dem CityPalais lag. Im Sommer 1866 wird Duisburg von einer Cholera-Epidemie heimgesucht. Vor allem in Stadtvierteln mit schlechten hygienischen Verhältnissen - und davon gibt es viele - sorgt die Seuche für viele Todesopfer. Ein neuer Friedhof muss her - und auf der Neudorfer Heide findet sich ein noch unbebautes, hochwassergeschütztes Grundstück. Im Oktober 1867 genehmigt die Landesregierung in Düsseldorf das Projekt, eingeweiht wird der Friedhof allerdings erst 1871. Um die neue Begräbnisstätte populärer zu machen, greift Bürgermeister Keller zu ungewöhnlichen Mitteln: Für jede noch nicht belegte Grabstelle auf dem alten Stadtfriedhof bekommt der Eigentümer zwei Gräber in Neudorf. Und viele alte Grabsteine bedeutender Duisburger werden aus der Innenstadt abtransportiert und auf dem neuen Friedhof wieder aufgebaut. Wer ruht nicht gerne in der Nähe von Prominenz. Der Plan geht auf, und heute ist das mittlerweile Alter Friedhof genannte Gelände ein Spiegelbild der jüngeren Duisburger Stadtgeschichte. Hier finden sich unter anderem die Gräber der Oberbürgermeister Carl Lehr und August Seeling, die Gruften der Händlerfamilie Böninger und der Tabakfabrikanten Carstanjen oder das Grabmal des Stadtforschers Heinrich Averdunk. Nicht zu vergessen das Grab von Rochus Styrnol, der wegen seines Soßenrezeptes zumindest in Neudorf weltberühmt ist...
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Friedrich-Alfred-Straße
Die Friedrich-Alfred-Straße beginnt an der Moerser Straße. In ihrem Verlauf wird sie zur Fußgängerzone und endet an der Ecke Atroper Straße / Franz-Schubert-Straße. Benannt ist sie nach dem Industriellen Friedrich Alfred Krupp. Friedrich Alfred Krupp wird am 17. Februar 1854 geboren - in Essen, wie es sich für einen Träger seines Namens gehört. Am Königlichen Gymnasium am Burgplatz erhält er seine humanistische Ausbildung - und sein Weg ist vorgezeichnet, wie schon seine Vornamen verraten: Sein Großvater Friedrich und sein Vater Alfred haben aus der Kruppschen Gussstahlfabrik bereits eines der größten Industrieunternehmen Europas gemacht. Unter dem Enkel Friedrich Alfred Krupp expandiert das Werk weiter. Aus 20tausend Mitarbeitern werden mehr als 45tausend - und allein das Schienennetz der Essener Werksbahn ist mehr als 70 Kilometer lang. 1896 beginnen schließlich die Planungen für das Krupp-Werk in Rheinhausen - und bereits ein Jahr später geht die Friedrich-Alfred-Hütte in Betrieb. Unter anderem werden im damals größten Werk Europas Profilstahl und Walzdraht hergestellt. Aber der erfolgreiche Unternehmer Friedrich Alfred Krupp hat auch - mindestens - eine andere Seite: Sein bevorzugtes Winterdomizil wird die Insel Capri. Hier widmet er sich der Meeresforschung und lässt einen Serpentinenweg in die Küstenfelsen schlagen, der unter dem Namen Via Krupp bis heute eine Touristenattraktion ist. Außerdem baut er eine Höhle für „diverse Festivitäten" aus - und hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass Friedrich Alfred Krupp dort Orgien mit jugendlichen Liebhabern feiert. Kurz nachdem ihn die sozialdemokratische Zeitung „Vorwärts" als Homosexuellen gebrandmarkt hat, stirbt Friedrich Alfred Krupp. Offizielle Todesursache ist ein Gehirnschlag - aber ein Teil der Presse geht von Selbstmord aus...
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Kremerstraße
Die Kremerstraße geht aus der Plessingstraße hervor und endet an der Kreuzung mit der Düsseldorfer Straße. Benannt ist sie nach dem Mathematiker, Geographen, Philosophen, Theologen und vor allem Kartographen - kurz: nach dem Universalgelehrten - Gerhard Mercator. Und Sie fragen sich jetzt natürlich, wie das zusammen passt. Ganz einfach: Gerhard Mercator wurde als Gerard De Kremer am 5. März 1512 in Rupelmonde in Flandern geboren. Und „Mercator" - üblicherweise mit „Kaufmann" übersetzt - ist nichts anderes als die lateinische Fassung des Namens Kremer. Gerard De Cremer - wir wollen zunächst bei diesem Namen bleiben - ist das sechste Kind eines Schuhmachers. Nach dem Tod seines Vaters wird er vom Orden der „Brüder vom gemeinsamen Leben" erzogen. Ab 1530 studiert er an der Universität von Leuwen, Nach seinem Abschluss ist er an der Herstellung von Erd- und Himmelsgloben beteiligt. 1536 heiratet Gerard de Kremer, und zwei Jahre später entsteht seine erste eigene Weltkarte. 1541 wird daraus ein Globus - ein Verkaufserfolg, der über Jahrzehnte anhält. Aber 1544 wird Gerhard Mercator - so wollen wir ihn ab jetzt nennen - wegen Ketzerei für monatelang eingekerkert. Er hatte einen Briefwechsel mit dem Reformator Philipp Melanchthon geführt. Als ihn Wilhelm der Reiche einlädt, Professor an der neuen Universität in Duisburg zu werden, sagt Mercator zu - die Stadt gilt als tolerant in religiösen Ansichten. Mercator wird Lehrer am Akademischen Gymnasium, dem heutigen Landfermann-Gymnasium. Dann veröffentlicht er seine große Weltkarte, die ihn bis in die arabische Welt zur Berühmtheit macht. Gerhard Mercator stirbt am 2. Dezember 1594 als reicher, angesehener Mann in Duisburg. In der Salvatorkirche findet man ein Denkmal für ihn, das Grab selbst ist verschollen. Ach ja: Die sogenannte „Mercatorprojektion" wird heute noch in der See- und Luftfahrt eingesetzt. Einziger Nachteil: Der Nord- und der Südpol sind viel zu groß dargestellt. Aber - wer will da schon hin...
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Die Bertha-von-Suttner-Straße
Die Bertha-von-Suttner-Straße beginnt an der Duisburger Straße, vollführt einen 90-Grad-Linksknick und endet als Sackgasse. Benannt ist sie nach der Pazifistin und Friedensforscherin Bertha von Suttner. Bertha von Suttner wird am 9. Juni 1843 als Bertha Sophia Felicita Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau in Prag geboren. Ihr Vater, ein General, stirbt noch vor ihrer Geburt - er ist bereits 75 Jahre alt. Als Kind lebt Bertha das Leben einer böhmischen Adeligen: Sie lernt mehrere Sprachen, beschäftigt sich mit Musik und reist. Aber ihre Mutter hat eine Leidenschaft für Glücksspiele. Irgendwann ist das Erbe des Vaters aufgebraucht, und Bertha muss 1873 eine Stelle im Haushalt des Industriellen Karl von Suttner in Wien annehmen. Sie verliebt sich in den sieben Jahre jüngeren Arthur, den jüngsten Sohn der Suttners - und er sich in sie. Um die Beziehung zu beenden, schickt Arthurs Mutter Bertha nach Paris - wo sie für einige Zeit Privatsekretärin von Alfred Nobel wird. Dann heiratet Bertha Arthur von Suttner gegen den Willen seiner Eltern. Der wird enterbt, und das Ehepaar geht für acht Jahre nach Georgien, in den Kaukasus. Dort übersetzen beide Bücher und schreiben Unterhaltungsromane. Im Jahr 1889 veröffentlicht Bertha von Suttner den pazifistischen Roman „Die Waffen nieder!", der sie auf einen Schlag berühmt macht - sie wird der erste große Promi der damals brandneuen Friedensbewegung. Sie gründet die „Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde", wir deren erste Präsidentin und bleibt es bis zu ihrem Tod. Später bereist sie monatelang die USA - und die „Friedens-Bertha" (wie sie von deutschen Konservativen abwertend genannt wird) trifft Theodore Roosevelt im Weißen Haus. Am 10. Dezember 1905 erhält Bertha von Suttner schließlich als erste Frau den Friedensnobelpreis. Am 21. Juni 1914, wenige Wochen vor Beginn des Ersten Weltkriegs, stirbt sie an Krebs. Ach ja: Die etwas streng blickende Dame auf der österreichischen 2 Euro-Münze - das ist nicht die Sissi. Das ist Bertha von Suttner.
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Der Rabbiner-Neumark-Weg

- Gedenkstein für Rabbiner Manass Neumark auf dem Alten Friedhof in Neudorf
Der Rabbiner-Neumark-Weg beginnt an der Gutenbergstraße. Er verläuft parallel zum Kuhlenwall entlang der alten Stadtmauer. Benannt ist er nach Dr. Manass Neumark, dem ersten Rabbiner der alten jüdischen Gemeinde in Duisburg. Als Manass Neumark 1905 mit seiner Frau aus Posen nach Duisburg kommt, ist er 30 Jahre alt. Die jüdische Gemeinde in Duisburg ist stark an die deutsche Gesellschaft, die sie umgibt, angepasst.
Bildung und ein bürgerlicher Lebensstandard haben einen hohen Stellenwert. Auf der anderen Seite streben immer mehr jüdische Zuwanderer aus Osteuropa in die Stadt - meist Handwerker und Industriearbeiter. Neumark versucht, eine Spaltung der Gemeinde zu verhindern und wirbt für Solidarität mit den Ostjuden. Aber seine Plan scheitert: Die Differenzen sind zu groß, und die Zuwanderer gründen eine eigene orthodoxe Gemeinde. Mit der Machtergreifung durch die Nazis 1933 beginnt auch in Duisburg der Untergang der jüdischen Kultur, die seit dem 12. Jahrhundert belegt ist. Manass Neumark wird mit Berufsverbot belegt und darf nicht mehr als Lehrer am Steinbart-Gymnasium arbeiten.
Am 23. März wird der Rabbiner der orthodoxen Gemeinde schwer misshandelt und vor tausenden Schaulustigen durch die Straßen der Innenstadt gehetzt - es ist der erste Fall einer öffentlichen Misshandlung eines Juden in Deutschland im dritten Reich. Und in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 werden neben der Synagoge auf der Junkernstraße auch die Synagogen in Ruhrort und Hamborn in Brand gesteckt. Aber Manass Neumark bleibt bei seiner Gemeinde.
Im Oktober 1941 beginnt schließlich die Deportation der Duisburger Juden nach Lodz. Am 25. Juli 1942 wird Neumark zusammen mit den letzten Duisburger Juden nach Theresienstadt gebracht - in einem Güterwagen. Hier verliert sich seine Spur. Heute findet man in der Salvatorkirche ein Fenster, das eine brennende Synagoge zeigt. Davor sieht man Dr. Manass Neumark in Häftlingskleidung...
Ein Mann wohnt im Haus, der spielt mit den Schlangen
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland:
Dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith
Er spielt mit den Schlangen und träumet
Der Tod ist ein Meister aus Deutschland
(aus der „Todesfuge" von Paul Celan)
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Der Paul-Klee-Weg
Der Paul-Klee-Weg zweigt von der Düsseldorfer Straße in den Kantpark ab. Der kleine Weg führt im 90-Grad-Winkel um das Lehmbruck-Museum herum. Benannt ist er nach dem Maler und Grafiker Paul Klee. Ernst Paul Klee wird am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee in der Schweiz geboren - als Sohn eines deutschen Musiklehrers und somit deutscher Staatsbürger, was für diese Geschichte noch von Bedeutung sein wird. Schon als Schüler beginnt er zu malen und zu zeichnen - in seinen Schulbüchern finden sich zahllose Karikaturen. 1898 geht er nach München, um dort Kunst zu studieren - gegen den Willen seiner Eltern, die in ihm eher einen Musiker sehen. Später bricht Klee sein Studium ab, unternimmt eine längere Italienreise und kehr anschließend in die Schweiz zurück. Nach 1910 schließt sich Klee der Münchener Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" an, wo er unter anderem Franz Marc, Wassily Kandinsky und August Macke kennen lernt. Mit Macke und Louis Mouilliet unternimmt er im Frühjahr 1914 eine dreiwöchige Studienreise nach Tunesien, die für alle drei zum prägenden Erlebnis wird. Viele hundert Werke entstehen - vor allem farbenfrohe, vom orientalischen Flair geprägte Aquarelle. Klee notiert in sein Tagebuch: "Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler." Wenig später beginnt der erste Weltkrieg. August Macke fällt noch im Herbst 1914 in der Champagne. Auch Klee muss als deutscher Staatsbürger Wehrdienst leisten, aber er hat Glück: Er bleibt hinter der Front, repariert Flugzeuge und kann weiter malen. Nach dem Krieg beginnt sein künstlerischer Aufstieg - bis er von den Nazis als "entartet" eingestuft wird. 1933 kehrt er in die Schweiz zurück. Das Ende des dritten Reichs erlebt er nicht mehr: Am 29. Juni 1940 stirbt Paul Klee. Heute gilt er als einer der größten deutschen Expressionisten des 20. Jahrhunderts.
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Die Brücke der Solidarität
Die Brücke der Solidarität verbindet Rheinhausen und Hochfeld ungefähr in Höhe von Rheinkilometer 775. Im Jahr 1950 wird sie dem Verkehr übergeben - als Nachfolgerin der alten Admiral-Graf-Spee-Brücke, die 1945 von Truppen der deutschen Wehrmacht gesprengt worden ist. Heute ist die Brücke das Symbol für den Arbeitskampf der Rheinhauser Krupp-Arbeiter, der im November 1987 begonnen hat - vor genau 25 Jahren.
Das Kruppsche Hüttenwerk in Rheinhausen wird Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Am 18.12.1897 werden die ersten Hochöfen angeblasen, und vor dem 1. Weltkrieg gilt das Werk als größte Hütte Europas. Bis in die 80er Jahre arbeitet das Werk profitabel, aber am 26. November 1987 kommt der Schlag: Krupp will das Hüttenwerk Rheinhausen innerhalb von einem Jahr schließen. Die Lokal- und Landespolitik ist über die bevorstehende Schließung nicht informiert - sie erfährt die Hiobsbotschaft vom Betriebsrat der Krupp Stahl AG. Bereits einen Tag später empfangen die Rheinhauser Kruppianer den damaligen Vorstandsvorsitzenden der AG, Gerhard Cromme - mit einem Pfeifkonzert. Eier und Obst fliegen auf den Konzernchef. Cromme verspricht den Arbeitern neue Jobs bei Mannesmann in Hüttenheim. Aber die wollen ihre Hütte nicht aufgeben - in vielen Familien wird seit drei oder vier Generationen bei Krupp in Rheinhausen gearbeitet. Die Proteste beginnen: Am 10. Dezember 1987 besetzen Krupp-Arbeiter erstmals die Rheinbrücke. Am 20. Januar 1988 ziehen rund 50.000 Stahlkocher aus mehr als 60 Hüttenwerken zur Brücke. Die wird von den Protestierenden in „Brücke der Solidarität" umbenannt - das neue Namensschild ist über Nacht von Mitgliedern der Krupp-Lehrwerkstatt gefertigt worden. Und die Stahlarbeiter bekommen Unterstützung: Von den Duisburgern und von Prominenz wie dem damaligen Duisburger Oberbürgermeister Josef Krings - oder einen gewissen Götz George alias Horst Schimanski. Verhindern können die Proteste, die mehr als ein halbes Jahr dauern, die Schließung der Hütte nicht. Aber immerhin fällt der letzte Vorhang für Krupp in Rheinhausen erst fünfeinhalb Jahre später, im August 1993. Und: Den Namen „Brücke der Solidarität" hat die Stadt Duisburg längst offiziell übernommen...
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Willy-Brandt-Ring
Der Willy-Brandt-Ring beginnt an der Stockholmer Straße. Er beschreibt eine 180-Grad-Kurve rund um Marxloh und endet ungefähr dort, wo sich die Walsumer Straße und die Weseler Straße treffen. Benannt ist er – logisch – nach dem deutschen Politiker und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt.
Willy Brandt wird als Herbert Ernst Karl Frahm am 18. Dezember 1913 in Lübeck geboren. Als uneheliches Kind – eine Tatsache, die seine politischen Gegner immer wieder mit Häme vermerken. Später wird er sagen „Herkunft und üble Nachrede“ hätten ihm „einen Stachel eingepflanzt“. 1930 tritt er in die SPD ein, wechselt aber schon ein Jahr später in die Sozialistische Arbeiter Partei. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wird die SAPD verboten und kämpft im Untergrund gegen die Nationalsozialisten. Frahm emigriert nach Norwegen und studiert in Oslo Geschichte. Aus dieser Zeit stammt sein Deckname Willy Brandt, den er später als offiziellen Namen anerkennen lässt. 1938 wird er von den Nazis ausgebürgert. Nach Kriegsende kehrt er nach Deutschland zurück und berichtet für skandinavische Zeitungen über die Nürnberger Prozesse. Danach beginnt seine politische Karriere: Brandt wird 1949 Abgeordneter im ersten deutschen Bundestag. 1957 wird er zum regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt. In seine Amtszeit fällt der Besuch von John F. Kennedy in der geteilten Stadt mit dem berühmt gewordenen Zitat „Ich bin ein Berliner“. 1966 wird er Außenminister, 1969 Bundeskanzler der ersten SPD-geführten Regierung in der Geschichte der Bundesrepublik. 1971 bekommt Brandt für seine Ostpolitik den Friedensnobelpreis – speziell für die Aussöhnung mit Polen, dokumentiert in einem der berühmtesten Pressefotos des Jahrhunderts: dem Kniefall am Mahnmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto. Er übersteht ein Misstrauensvotum im Bundestag - aber nicht die Affäre um seinen Mitarbeiter Günter Guillaume, der als DDR-Spion enttarnt wird. Am 6. Mai 1974 tritt Brandt vom Amt des Bundeskanzlers zurück. Vorsitzender der SPD bleibt er aber bis 1987, und er ist jahrelang Alterspräsident des deutschen Bundestags. Am 8. Oktober 1992 stirbt Willy Brandt in Unkel am Rhein. Heute heißt die Bundeszentrale der SPD in Berlin-Kreuzberg „Willy-Brandt-Haus“. Und in Jerusalem gibt es ein Willy-Brandt-Zentrum an der Grenze zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt.
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Kruppstraße
Die Kruppstraße beginnt am Kalkweg. Sie verläuft entlang der Nordseite des Sportparks Duisburgs und endet an der Koloniestraße. Ihren Namen muss man in unserer Region eigentlich nicht erklären - er erinnert an die Essener Unternehmerfamilie Krupp.
Die Krupps stammen ursprünglich aus Holland. 1587 wird ein gewisser Arndt Krupp als Zuwanderer im Verzeichnis der Kaufmannsgilde der damals kleinen Stadt Essen genannt. Der Erfolg für die Familie in der neuen Heimat kommt schnell: Sie sind Händler, stellen aber auch mehr als ein mal den Essener Bürgermeister. Mitte des 19. Jahrhunderts erfindet Alfred Krupp einen nahtlosen Radreifen, den er sich als bruchgeschütztes Eisenbahnrad patentieren lässt. Der Verkauf dieses Radreifens - vor allem an die neue Eisenbahn in Nordamerika - begründet den Erfolg des Unternehmens. 1912 folgt das Patent zur Herstellung von nichtrostendem Stahl unter dem Markenzeichen „Nirosta". Aber der Krupp-Konzern ist vor allem auch eine Waffenschmiede - zwischen 1860 und 1945 werden wahrscheinlich alle weltweiten Konflikte mit Waffen ausgetragen, die in dem Essener Konzern erdacht und hergestellt worden sind. Das treibt teilweise abstruse Blüten: Im ersten Weltkrieg rüstet Krupp die deutschen Truppen mit Waffen aus (die bekannteste Kanone trägt den seltsamen Namen „Dicke Bertha") - verkauft aber auch Granaten an die Kriegsgegner England und Frankreich. Der englische Vickers-Konzern muss für jede Granate, die auf die deutsche Armee wird, Lizenzgebühren nach Essen überweisen. Nach dem zweiten Weltkrieg verbieten die Alliierten Krupp die Waffenherstellung. Berg- und Stahlwerke müssen verkauft werden, und Berthold Beitz wird zum Generalbevollmächtigten ernannt. Er prägt das neue Bild des Unternehmens. Nach dem Tod von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach im Jahr 1967 geht das gesamte Familienvermögen der Krupps in eine gemeinnützige Stiftung über - Vorsitzender des Kuratoriums und damit Testamentsvollstrecker des Kruppschen Vermögens wird ebenfalls Berthold Beitz. Dieses Amt hat er bis heute inne. 2013 wird er hundert Jahre alt.
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